Zweiter Anlauf zur Strukturreform

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 nimmt einen zweiten Anlauf zur Vorbereitung seiner angestrebten Strukturreform. Am Sonntag lädt der Bundesligist um 11 Uhr Mitglieder und interessierte Fans zur zweiten Info-Veranstaltung in den VIP-Bereich der Opel Arena ein. Der Klub präsentiert dabei ein Gutachten, das sich gegen die Ausgliederung des Profi-Bereichs in eine Kapitalgesellschaft ausspricht und stellt zwei Struktur-Modelle vor. Ein Haupt-Diskussionspunkt dürfte dabei auch die zukünftige Rolle von 05-Präsident Harald Strutz betreffen, der die Position des Vorstandsvorsitzenden anstrebt.

Die zukünftige Rolle von 05-Chef Harald Strutz wird auch bei der zweiten Info-Veranstaltung zur Strukturreform des Bundesligisten eine Thema sein. Foto: Jörg Schneider Der erste Anlauf, Mitglieder und Anhänger des FSV Mainz 05 auf die vom Bundesligisten angestrebte Strukturreform des Vereins vorzubereiten, hatte im Juni bekanntlich einen anderen Verlauf genommen als geplant. Das drei-stündige Informationstreffen im VIP-Bereich der Arena entwickelte sich zu einer Grundsatzdiskussion über eine mögliche Ausgliederung des Profi-Sektors in eine Kapitalgesellschaft. Mit dem Ergebnis, dass am Ende die externe Berater-Kommission sowie der 05-Vorstand beschlossen, dieses Thema noch einmal gründlich aufzuarbeiten, die Mitglieder und Anhänger über das pro und contra informieren und erneut zur Diskussion stellen zu wollen. Am Sonntag um 11 Uhr geht das Thema nun in der Opel Arena in die zweite Runde. Mainz 05 lädt Mitglieder und interessierten Fans ein zur zweiten Informationsveranstaltung.

Um was geht’s? Der 05-Vorstand möchte die Diskussion notwendiger Satzungsänderungen für eine Strukturreform ohne Ausgliederung des Profibereichs in den Vordergrund der Versammlung stellen. Der Verein hat ein Gutachten bei den Steuerfachleuten Fritz Schardt und Fachanwalt Dr. Jörg Alvermann in Auftrag gegeben, das die rechtlichen und steuerrechtlichen Aspekte einer Ausgliederung unter Berücksichtigung der vereinsspezifischen Strukturen beleuchtet. Dieses Gutachten, das am Sonntag präsentiert wird, kommt zu dem Schluss, dass ein rechtlicher oder faktischer Zwang zur Ausgliederung derzeit nicht besteht. „Nach unserer persönlichen Auffassung werden die derzeitigen Interessen von Mainz 05 durch eine Anpassung der Strukturen im Verein ausreichend gewahrt. Der umfangreiche und aufwändige Weg der Ausgliederung erscheint uns derzeit (noch) nicht notwendig. Dies schließt nicht aus, dass zukünftige Entwicklungen eine Ausgliederung als sinnvoll oder gar notwendig erscheinen lassen. Zum heutigen Zeitpunkt erscheint es uns aber ausreichend und vorzugswürdig, wenn zunächst eine Anpassung der Vereinsstrukturen erfolgt. Diese kann sodann in der Praxis erprobt werden. Sollte sie sich als nicht ausreichend erweisen, kann eine Ausgliederung noch immer geplant und durchgeführt werden“, heißt es in dem Gutachten, das wie auch die Präsentation der angedachten Strukturmodelle auf der Homepage des Klubs unter www.mainz05.de einzusehen ist.

Die Strukturkommission, bestehend aus amtierenden Vorstandsmitgliedern und externen Experten, stellt in dieser Info-Veranstaltung Alternativen für die jeweiligen erforderlichen Satzungsänderungen vor, mit denen das Ziel der Reform, im Verein mehr Transparenz und Kontrolle zu erreichen, gewährleistet werden soll. Die Diskussion soll in konkrete Vorschläge des Vorstands für Satzungsänderungen münden, über die dann eine außerordentliche Mitgliederversammlung im November entscheiden kann. Ziel ist, die neue Struktur nach der Eintragung der veränderten Satzung und den notwendigen Personalentscheidungen im Rahmen einer Mitgliederversammlung im Frühjahr 2017 umzusetzen. In der turnusmäßigen Mitgliederversammlung am Dienstag, 27. September (19 Uhr, Opel Arena) sollen unter anderem erste vorbereitende Schritte dafür angegangen werden.

Die 05-Verantwortlichen wollen am Sonntag nun ein Gefühl dafür bekommen, welches der beiden vorgestellten Modelle die Mitglieder favorisieren. Verkürzt dargestellt geht es im Prinzip darum, dass die Mitgliederversammlung im ersten Modell einen Aufsichtsrat wählt, der dann einen hauptamtlichen Vorstand mit bis zu vier Mitgliedern bestellt und kontrolliert sowie den Vorstandsvorsitzenden bestellt.  Die zweite Variante sieht vor, dass die Mitgliederversammlung den Aufsichtsrat und den Vorstandsvorsitzenden wählt. Der Rest des Vorstandes wird auch hier vom Aufsichtsrat bestellt. In diesem Modell legt der Aufsichtsrat auch fest, ob der Vorstandsvorsitzende ehrenamtlich, nebenamtlich oder hauptamtlich arbeitet. Davon hängt maßgeblich die Höhe dessen Bezahlung ab. In beiden Modellen ist die Bildung einer Wahlkommission notwendig. Die Mitglieder dieser mächtigen und entscheidenden neuen Kommission werden vom jetzigen Vorstand vorgeschlagen und müssen dann von der außerordentlichen Mitgliederversammlung gewählt werden. Sie prüfen die Qualifikation der Bewerber und entscheiden darüber, wer zur Wahl für den Aufsichtsrat zugelassen wird. Für jenes Gremium also, das dann den Vorstandsvorsitzenden ernennt oder im Falle des Modells, in dem die Mitgliederversammlung den Vorstandschef wählt, dessen künftigen Status und Gehalt festlegt.

Was bisher nicht geschehen ist und schon in der ersten Info-Veranstaltung auf Kritik stieß, ist die Personalisierung dieser Strukturreform. Der 05-Vorstand und die Kommission haben bisher keine Namen genannt im Zusammenhang mit künftigen Führungspositionen. In der Öffentlichkeit ist unterdessen heftig und kontrovers über die Rolle des aktuellen 05-Präsidenten Harald Strutz diskutiert worden. Der 65-Jährige, der bisher 9000 Euro Aufwandsentschädigung für seine Tätigkeit als Präsident zuzüglich eines monatlichen Honorars von 14 000 Euro als ständiger juristischer Berater des Vereins erhält, strebt nach dem Ausscheiden aus seinen Ämtern im Vorstand von DFL und DFB die Position des Vorstandsvorsitzenden bei Mainz 05 an. Die Leitung des operativen Geschäfts also beim Bundesligisten, das für den Klubchef Neuland wäre. Das entschieden weniger hoch dotierte Amt des Aufsichtsratsvorsitzenden soll dem Vernehmen nach keine Alternative für Strutz sein. Das stößt innerhalb des Klubs und im Umfeld auf Kritik. Strutz selbst hat sich zur Personal-Debatte und über seine eigene Rolle bisher öffentlich nicht geäußert.  

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