Zweikampf-Chef im Zentrum

Jörg Schneider. Mainz.
Von Jean-Philippe Gbamin hat man in den vergangenen Wochen schon einige gute Auftritte im Mittelfeld des FSV Mainz 05 gesehen. Das war auch beim 2:0 gegen den FC Ingolstadt nicht anders. Noch auffälliger als der Franzose war diesmal jedoch dessen Nebenmann. Suat Serdar zeigte eine überragende Vorstellung im Zweikampfverhalten und in der Balleroberung. Die Leistung seiner Doppelsechs sei ein Schlüssel zum Erfolg gewesen, sagte Martin Schmidt nachher. Ein zentrales Mittelfeld mit einem 19- und einem 20-Jährigen als Leistungsträger hat es in der Bundesliga in Mainz noch nicht gegeben.

18 Mal hat Suat Serdar inzwischen für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga gespielt. In der vergangenen Saison fast ausschließlich als Einwechselspieler. In dieser Spielzeit gehört der 19-Jährige zum festen Kreis jener 05-Profis, die für die Startelf infrage kommen. Martin Schmidt baut den jungen Mittelfeldspieler behutsam auf. Und das 05-Talent zahlt mit Leistung und permanenten Entwicklungsschritten zurück. Beim 2:0-Erfolg am Samstag in der Opel Arena gehörte Serdar zu den positiv auffälligsten Akteuren im 05-Team und zeigte in seiner Kernkompetenz eine überragende Leistung. Der Junioren-Nationalspieler zog dem FC Ingolstadt im zentralen Mittelfeld den Zahn. Mit enormer Laufbereitschaft. Mit ständigen Attacken. Mit kompromisslosem Zweikampfverhalten. Serdar hatte Balleroberungen en masse mit seinem aggressiven und energiegeladenen Spiel. Das nervte den Gegner. Diese Herangehensweise erlaubte dem Tabellenvorletzten schließlich zwei gefährliche Aktionen in Tornähe über 90 Minuten. Zumal neben Serdar mit Jean-Philippe Gbamin ein weiterer Youngster auf einem ähnlichen Niveau agierte.

Dynamisch, aggressiv, zweikampfstark: Sehr gute Vorstellung im Mainzer Mittelfeld vom 19-jährigen Suat Serdar. Foto: Ekkie VeyhelmannDass diese beiden zentralen und eminent wichtigen Positionen fürs eigene Spiel ein 19-Jähriger und ein 20-Jähriger besetzten, das hat es in Mainz in der Bundesliga noch nicht gegeben. Johannes Geis wurde seinerzeit auch mit 19 Stammspieler, hatte aber mit Julian Baumgartlinger einen erfahrenen Mann an seiner Seite. Auch Danny Latza, der in der vergangenen Saison auf dieser Position zum Leistungsträger wurde, hatte mehr Erfahrung als das Duo, das nun in diesem Heimspiel überzeugte. Beiden fehlt in manchen Bereichen natürlich noch die Erfahrung, doch die Entwicklung ist bemerkenswert. Serdar ist nach der Balleroberung bisweilen noch zu hektisch, will zu schnell zu viel und verliert dadurch noch häufig die Bälle wieder. Das war in der Vergangenheit allerdings auch bisweilen beim erfahrenen Baumgartlinger der Fall, der im Umschaltspiel immer wieder mal Pass-Schwächen zeigte. Am Samstag zeigte sich Serdar jedoch auch auf diesem Gebiet stark verbessert. Beispielhaft dafür war sein genau getimter Pass in der 83. Minute auf Jhon Cordoba, der eine Großchance für den Mittelstürmer einleitete.

„Die Doppelsechs muss man heute herausheben“, sagte Rouven Schröder nach dem Abpfiff. „Suat hat ein sehr gutes Spiel gemacht. Konzentriert, spritzig in den Zweikämpfen. Die Zusammenarbeit mit Jean-Philippe, der ebenfalls stark aufspielte, war sehr gut. Das hat sich gut angefühlt“, sagte Schröder. „Suat hat sich im Laufe der Saison schon sehr verbessert nach seinen Balleroberungen. Er bleibt ruhiger, verlagert viel, tritt auch mal drauf auf den Ball. Wir reden da immer noch über einen 19-jährigen Burschen, bei dem noch viel kommen wird.“ Auch der Trainer war komplett zufrieden mit den beiden Zentrumsspielern. „Ein sehr gutes Spiel von Suat. Vor allem in dem, was wir von ihm verlangen. Balleroberung, Zweikampfführung und Robustheit. Deshalb heute auch die Variante mit Serdar-Gbamin, weil das im Moment unsere aggressivste Doppelsechs ist. José Rodriguez bringt eher die spielerische Variante ein. Wir wollten davon aber diesmal etwas abkommen, weil mir das Zweikampfelement wichtiger war. Das Zentrum zu beherrschen. Die zweiten Bälle zu gewinnen. Das war etwas der Schlüssel diesmal. Sie haben das beide richtig gut gemacht.“

"Hau ab, das wahre Leben ruft"

Das sei schon eine sehr junge und noch unerfahrene Doppelsechs, räumte Schmidt ein. Gbamin so dabei schon ein Stück weiter als sein 19-jähriger Mitspieler. „Jean-Philippe ist etwas älter und wirkt auch schon etwas älter, erfahrener und noch abgeklärter, weil er auch schon länger auf dem Niveau spielt. Das hilft ihm natürlich. Er bringt schon viel Abgeklärtheit mit. Wir sind nie gefeit davor, dass mit so jungen Spielern im Zentrum auch mal was daneben geht. Das ist halt im Fußball so. Aber wir gehen das Risiko ein, müssen es auch gehen, weil wir im Moment so viele Ausfälle haben.“

Ein Ausfall kam im Übrigen kurzfristig hinzu. Karim Onisiwo war laut Schmidt für die Startelf vorgesehen auf dem Flügel. 75 Minuten vor dem Anpfiff sei jedoch eine Nachricht aus dem Kreißsaal gekommen, dass die Geburt seines ersten Kindes unmittelbar bevorstehe. Onisiwo habe noch nachgefragt, ob er nicht doch spielen müsse, berichtete der Trainer. „Ich habe gesagt, hau ab, das wahre Leben ruft. Wir haben gesagt, wir kämpfen dafür, dass der Geburtstag des kleinen Leroy Onisiwo auch dadurch ein freudiger wird.“ Onisiwo eilte dann ins Krankenhaus an die Seite seiner Lebensgefährtin. Sein Name war zwar unter den Einwechselspielern aufgeführt, vom Spiel sah der Österreicher jedoch nichts. Jairo stürmte für ihn, später Levin Öztunali, der das 2:0 erzielte und alles klar machte.

„Das war recht ordentlich heute“, sagte Suat Serdar später bescheiden. „Wir haben alles gegeben in jedem Zweikampf, um das Spiel zu gewinnen. Wir haben das Spiel dominiert. Ich bin sehr glücklich, dass die drei Punkte heute zu Hause geblieben sind.“ Serdar, der 2008 von Hassia Bingen zum Nachwuchs-Leistungszentrum an den Bruchweg gewechselt war, die einzelnen 05-Jugendteams durchlaufen hat und heute das einzige Eigengewächs ist, das in der Bundesliga-Mannschaft spielt, berichtete von der internen Aussprache nach dem unrühmlichen Pokal-Aus unter der Woche. „Wir haben ausführlich darüber geredet und uns fest genommen, dass wir die Partie gegen Ingolstadt und die restlichen Spiele anders angehen und aussehen wollen. Den ersten Schritt haben wir erledigt. So muss es jetzt weiter gehen.“ Angesprochen auf den eigenen Auftritt, erklärte das 05-Talent: „Ich war recht zufrieden mit meiner Leistung und hoffe, dass es so weiter geht. Ich habe mir vorgenommen noch mehr zu laufen, noch mehr Zweikämpfe zu gewinnen. Nach vorne muss ich etwas ruhiger werden und sicher auch etwas torgefährlicher, aber daran werde ich arbeiten.“

 

► Alle Artikel zum Spiel gegen den FC Ingolstadt

► Zur Startseite