Zwei Mainzer fast schon qualifiziert

Christian Karn. Mainz.
In der Qualifikationsgruppe G sind die Nationalmannschaften Österreichs und Schwedens - und damit Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger und Außenverteidiger Pierre Bengtsson vom FSV Mainz 05 - am Sonntagabend der Europameisterschaft in Frankreich einen großen Schritt nähergekommen. Tabellenführer Österreich schlug den Dritten Russland 1:0, die Schweden untermauerten ihren Anspruch auf den zweiten Qualifikationsplatz mit einem 3:1 gegen Montenegro.

Sechs von zehn Spieltagen sind in der Gruppe G der Qualifikation zur Europameisterschaft in Frankreich gespielt. Zwei der sechs Teilnehmer werden sich direkt qualifizieren. Und nach den Spielen am Sonntagabend kann man nahezu davon ausgehen, dass das die Österreicher und die Schweden sein werden.

Die Nationalmannschaft Österreichs ist weiterhin ungeschlagen Tabellenführer; ihr einziger Punktverlust war bislang das 1:1 gegen Schweden. Am Sonntag schlugen die Österreicher den Tabellendritten Russland in Moskau 1:0. Schon das Hinspiel hatten sie mit dem gleichen Ergebnis gewonnen. Der Vorsprung auf die Russen ist nun acht Punkte groß; wenn die Österreicher nicht mehr völlig einbrechen, werden sie sich zum ersten Mal seit 52 Jahren wieder sportlich für eine Europameisterschaft qualifizieren.

In Moskau hatte die Mannschaft mit dem Mainzer Julian Baumgartlinger allerdings große Mühe. Die erste Hälfte war stark. Zunächst aber starteten die Österreicher offensiv etwas zusammenhanglos. Wären sie in der vierten Minute in Führung gegangen, wäre es ein Eigentor von Oleg Iwanow (Terek Grosny) gewesen, der eine Flanke aufs eigene lange Eck verlängerte, aber der erfahrene Torwart Igor Akinfejew (ZSKA Moskau) erreichte den Ball noch.

Nur im Ansatz besser war der Angriff in der siebten Minute: Der ehemalige Bremer Marko Arnautovic, inzwischen bei Stoke City, machte den Spielzug zunächst kaputt durch einen Querpass in den Rücken des Stuttgarters Martin Harnik. Aber von rechts kam noch eine abgefälschte Flanke in den Strafraum und aus dem Fallrückzieher des Bremers Zlatko Junuzovic entwickelte sich fast die Chance für den Torjäger Marc Janko vom Sydney FC. Der Mittelstürmer ließ den Ball aber verspringen.

Ab der 20. Minute war Russland zwar immer noch nicht spielbestimmend, aber die gefährlichere Mannschaft. Chancen kamen. Das defensive Mittelfeld der Österreicher war nicht so stark wie gewohnt: David Alaba fehlte, Julian Baumgartlinger machte kein gutes Spiel. Der Mainzer mühte sich und schaffte, arbeitete und kämpfte sich rein ins Spiel, aber alles wirkte etwas fahrig bei ihm, alles wirkte etwas angreifbar. Der Salzburger Innenverteidiger Martin Hinteregger, der in der 13. Minute noch mit einem Fehler die erste russische Torchance ermöglicht hatte, war es, der inzwischen vieles aufräumte.

Nach einer halben Stunde aber ging Österreich in Führung. Nach Harniks Flanke schoss Junuzovic erst im Sitzen, dann im Aufstehen zweimal Denis Gluschakow ab; der zweite Abpraller kam zu Janko, der mit einem Fallrückzieher das 1:0 schoss (33.). Und um ein Haar hätte Baumgartlinger zwei Minuten später das Spiel entschieden. Beim österreichischen Konter war die Abwehr zu weit zur Seite gerückt; im freien Raum jenseits des Linksverteidigers rannte der Mainzer in die Mittelstürmerposition. Wunderbar von Junuzovic angespielt hatte Baumgartlinger nur noch den Torwart vor sich und machte grundsätzlich alles richtig, schoss nicht Akinfejews Oberkörper an, sondern schnickte den Ball über die am Boden rutschenden Beine... aber die Kugel hoppelte einen halben Meter am leeren Tor vorbei (35.).

In der zweiten Hälfte machten die Russen großen Druck. Alexej Mirantschuk (Lokomotive Moskau) hatte in der 54. Minute die größte Ausgleichschance; Robert Almer von Hannover 96 hielt den Kopfball des Mittelfeldspielers. Und nach dem folgenden Eckball schoss der russische Kapitän Roman Schirokow Baumgartlinger den Fernschuss ins Gesicht; weder für den Spielstand noch für die Gesundheit des Mainzers hatte das Folgen.

Almer hatte im restlichen Spiel viel Arbeit. Die Russen taten einiges für den Ausgleich, kamen spielerisch und mit Standards ans Tor, hatten viele Eckbälle, aber verloren das Spiel 0:1.

Julian Baumgartlinger (links) und Pierre Bengtsson (Mitte) machten unauffällige Länderspiele, aber gewannen und sind auf einem sehr guten Weg in Richtung Europameisterschaft. Foto: imagoEine Stunde später begann die Partie der Schweden gegen Montenegro. Die Skandinavier waren die klar überlegene Mannschaft, hätten aber in der 28. Minute das 0:1 kassieren können. Der Mainzer Pierre Bengtsson, diesmal wieder Rechtsverteidiger, ließ sich von Stefan Mugosa überrumpeln und den Ball klauen, aber der Stürmer vom Zweitliga-Absteiger Erzgebirge Aue nutzte die Chance nicht. 

In den sieben Minuten vor der Halbzeit entschieden die Schweden das Spiel. Alban Ekdal (Cagliari Calcio) flankte nach einer kleinen Passkombination an der rechten Eckfahne auf den ehemaligen Hamburger Marcus Berg (Panathinaikos). Der hatte Platz, weil zwei Verteidiger dem Ball ein paar Schritte entgegen gingen und traf mit dem Kopf zum 1:0 (38.).

Nach einem Einwurf auf der linken Seite löste sich Zlatan Ibrahimovic von drei Verteidigern, lief in einer weiten Kreisbahn mit dem Tor als Mittelpunkt zur Mitte an weiteren Abwehrspielern vorbei und zog von halblinks ab. Torwart Vukasin Poleksic vom ungarischen Pecsi MFC hätte den Schuss halten können, ließ ihn aber zum 2:0 durchrutschen (40.).

In der 44. Minute schoss Ibrahimovic das 3:0 und diesen Schuss konnte man nicht halten. Berg flirtete nach einer langen Rechtsflanke von Sunderlands Sebastian Larsson kurz mit dem aktiven Abseits, blieb aber letztlich weg vom Ball. Nicht aus dem Abseits kam Ibrahimovic. Der Stürmer von Paris Saint-Germain nahm den Ball ein paar Schritte mit und schob ihn dann am Torwart vorbei ins Eck.

Ein Elfmeter, von Malmös Verteidiger Erik Johansson verursacht und vom Mittelstürmer Dejan Damjanovic (Beijing Guoan) geschossen, brachte das 3:1 (64.), die nächste Szene wiederum vom Elfmeterpunkt nahezu das 3:2. Diesmal aber musste der Torwart nicht auf der Linie bleiben; es war kein Strafstoß, sondern ein Angriff aus dem Spiel, ein Querpass durch die weit, weit offene Abwehr. Und Andreas Isaksson kam dem Stürmer entgegen mit dem Bewegungsablauf und auch der Positionierung eines Handballtorwart beim Siebenmeter und verhinderte das Tor.

Bengtsson hatte auf seiner rechten Abwehrseite wenig zu tun. Die meisten Angriffe Montenegros liefen über die andere Flanke; mit dem Ball blieb der Mainzer eher defensiv.

Baumgartlinger und Bengtsson haben nun frei bis zum 6. Juli.