„Zwei, drei Jahre in der U23 schaden nicht…“

Jörg Schneider. Mainz.
Beim 1:1 im Testspiel gegen den FSV Frankfurt gehörte Philipp Klement zu den auffälligsten Akteuren des FSV Mainz 05. Der offensive Mittelfeldspieler unterstrich mit seiner Leistung einmal mehr, dass er auf dem besten Weg ist, einen festen Platz im Profikader zu behaupten. Trainer Martin Schmidt sieht den 23-jährigen Techniker als ideale Ergänzung zu Yunus Malli. Im Interview mit der nullfünfMixedZone spricht Klement über seine Situation zwischen U23 und Bundesliga.

Hallo Herr Klement, wir sprechen hier in der Länderspielpause miteinander. DFB-Nominierungen für Länderspiele gab es für Sie nicht mehr nach der U20, oder?

Das ist so. Ich war damals bei der ersten Maßnahme der U20 dabei und dann später nochmal, aber da es dann in Nürnberg und Rostock nicht mehr so bergauf ging, war das dann auch nicht mehr so aktuell. In der U21 gab es dann eine Riesenkonkurrenz. In der Zeit habe ich aber auch Regionalliga oder Dritte Liga gespielt. Da sind dann natürlich andere Spieler im Fokus.

Wie läuft es die Woche jetzt hier im Klub?

Wir sind nun zu sechst oder zu siebt, die fest bei den Profis dabei sind in dieser Woche. Ich denke, es ist für uns alle eine Herausforderung und sicher auch eine Belohnung, da wir ja mit der U23 recht erfolgreich sind. Es ist einfach immer eine Herausforderung, sich im Training auf diesem Niveau zu messen, um zu sehen, was noch fehlt. Oder was vielleicht auch nicht mehr fehlt.

Ist das eine Zeit wie man immer sagt, in der man sich heranarbeiten kann. Oder muss man es über einen längeren Zeitpunkt sehen?

Ich denke, die Voraussetzungen und die Grundlagen dafür werden vorher gelegt, dass man überhaupt die Chance bekommt. Dass man über Wochen, wenn nicht sogar über Monate hinweg einigermaßen konstant seine Leistung bringt. Dann ist es definitiv eine Chance. Die Trainer sehen vielleicht, da fehlt nicht mehr allzu viel und sie erkennen ein Potenzial. Am meisten sieht man aber eigentlich in einem solchen Testspiel wie am Freitag gegen den FSV Frankfurt.

Chance genutzt: Philipp Klement überzeugte beim 1:1 im Testspiel am Bruchweg gegen den FSV Frankfurt mit einer starken Leistung als Zehner. Foto: Mainz 05Testspiele liefen ja bisher sowieso gut für Sie. 

Das stimmt. Da kann ich mich nicht beschweren.

Ist es aber grundsätzlich nicht so, dass man, wenn man als Profi weiterkommen will, in jedem Training ans Limit gehen muss?

Auf jeden Fall. Da wäre man ja auch irgendwie blöd, wenn man das nicht machen würde und sich denkt, heute reichen auch mal 50 Prozent. Klar gibt es Tage, an denen es weniger gut läuft, oder an denen man morgens schlecht aus dem Bett gekommen ist. Aber man sollte schon immer versuchen, alles reinzuhauen. Bei den Profis ist das natürlich auch erforderlich. Wenn man versucht, mit halber Kraft da zur Sache zu gehen, fällt man direkt ab. Man muss sich immer strecken.

Wo liegt denn der Unterschied? Sandro Schwarz wird bei der U23 sicher auch ein gutes Training anbieten, aber wo unterscheiden sich die Einheiten?

Ich würde sagen, auf jeden Fall ist die Spielgeschwindigkeit höher. Wenn man am Ball ist, hat man weniger Zeit und die Körperlichkeit ist auch größer. In der U23 sind ja viele, die erst aus der Jugend rausgekommen sind. Bei einem Profi, der schon Jahre auf diesem Niveau spielt, ist es ja logisch, dass der abgezockter ist, seinen Körper besser einsetzen kann, das sind alles so Dinge.

Brauchen Sie als Spieler, der zwischen den Mannschaften pendelt, mehr Geduld? Wie schwer fällt es, da seinen Platz zu finden?

Das ist nicht ganz einfach. Wenn man immer wieder hin und her wechselt. Ich persönliche versuche, mir immer wieder zu sagen, dass es dasselbe Spiel ist, dass ich daran Spaß haben und nicht zu viel nachdenken sollte, was am nächsten Wochenende sein könnte. Ob ich da vielleicht im Kader bin oder doch in der U23. Gerade in den Nürnberger Anfangszeiten war ich in einer ähnlichen Situation und habe da sicher etwas zu viel rumgegrübelt und immer gehofft, dass ich bei den Profis dabei bin. Wenn man anfängt darüber nachzudenken, und dann eben nicht dabei ist und es als Strafe ansieht in der U23 zu spielen, dann ist man auf dem falschen Weg. Weil diese Mannschaft für Spieler wie mich die Basis ist. Da muss ich Leistung bringen und mich anbieten. Wenn man das als Bestrafung sieht, ist es schwer, seine Leistung noch abzurufen.

Fühlen Sie sich einem Team mehr zugehörig?

In meinem Fall ganz klar der U23. Dafür bin ich noch nicht lange genug bei den Profis dabei. Wenn man mal zehn Bundesligaspiele in Folge gemacht hat, verschiebt sich das sicher ein bisschen. Aber soweit bin ich noch nicht.

Ist das Gefühl da, gefördert zu werden? Spüren Sie das Vertrauen?

Auf jeden Fall. Ich finde das äußerst positiv hier. Gerade in einer solchen Pause könnte der Trainer ja auch sagen, wir trainieren mit zwölf Mann gewisse Dinge. Aber er will mit 18 Mann trainieren. Ich denke, das macht er auch, weil er uns zutraut, dass wir mithalten können. Die Förderung ist da. Auch nach den Spielen wird sehr viel durchgesprochen. Da wird versucht, die Spieler weiter zu bringen. Wenn man das im Gesamten sieht, dann gelingt das ja auch ganz gut. Der Erfolg der U23 kommt ja nicht von selbst irgendwo her.

Wissen Sie, was noch fehlt oder kommt öfter der Gedanke, wenn  der mich stellen würde, das könnte ich auch spielen?

Ich traue mir schon zu, oben mithalten zu können. Wenn ich dieses Selbstvertrauen nicht hätte, wäre ich fehl am Platz. Die Kadernominierungen und der Einsatz auf Schalke waren keine Geschenke. Der Trainer hat bestimmt nicht gesagt, der Philipp ist ein lieber Kerl, den setze ich jetzt mal ein. Ich denke schon, dass ich mir das erarbeitet habe. Mir ist auch bewusst, dass ich mich weiterentwickeln muss. Aber Einsätze gut zu absolvieren traue ich mir schon zu.

Sehen Sie sich auf der Position von Malli oder eher auf den Halbpositionen?

Philipp Klement im Gespräch mit der nullfünfMixedZone. Foto: Jörg SchneiderDas ist schon meine Lieblingsposition auf der zehn. Ich kann auch hinten dran spielen auf der acht, aber die zehn passt für mich am besten. Dort bin ich ja auch das letzte Jahr vorwiegend eingesetzt worden. 

Auch wegen des guten Antritts, einem guten Auge und dem guten Passspiel?

Antritt und Schnelligkeit nicht so ganz. Da bin ich eher ein anderer Typ als ein Malli. Eher einer, der noch mehr übers Passspiel kommt, der auch ganz gerne den Lückenpass spielt. Auch dribbeln kann ich einigermaßen.

Der Trainer hat gesagt, sie hätten eine hohe Qualität bei Standards. Wie sehen Sie das?

Das habe ich auch gelesen. Bei der U23 war ich da noch nicht ganz so erfolgreich. Die Ecken kommen ganz gut, aber die Freistöße noch nicht.

Sehen sie sich als Spätentwickler, weil sie haben ja nach der A-Jugend erst in anderen Vereinen den Weg nach oben gesucht?

Von außen betrachtet könnte man es so bezeichnen. Wobei ich finde, dass man sich ein wenig von dem Gedanken verabschieden muss, dass man aus der A-Jugend raus kommt und direkt durchstartet. Klar, es gibt diese Fälle, aber ich glaube, dass die extrem selten sind. Das gelingt doch eher einzelnen. Zwei, drei Jahre in der U23 schaden nicht. Es gibt viele, die Talent haben und einige Jahre brauchen, um das weiterzuentwickeln, um sich ans Niveau anzupassen. So war es bei mir. Ich habe in den Jahren viel gelernt und im letzten Jahr nochmal einen Schritt gemacht.

Es war also keine verlorene Zeit in der Regionalliga?

Ich hätte auch nichts dagegen, wenn ich 50 Bundesligaspiele hätte. Es war auf jeden Fall lehrreich für mich. Auch weil eine Durststrecke dabei war, in der es nicht voranging. Das lag aber auch an mir. Wenn es jetzt im Nachhinein noch klappt, dann bin ich zufrieden.

Machen Sie sich viele Gedanken oder nehmen sie es eher locker wie es kommt?

Ich mache mir viele Gedanken. Heute aber deutlich weniger als früher. Das lernt man. Man kann es besser einschätzen. Vor zwei Jahren war ich ebenfalls in der Situation, zwischen den Mannschaften pendeln zu müssen. Da habe ich mir ganze andere Gedanken gemacht als jetzt. Trotzdem bin ich jemand, der viel reflektiert und hinterfragt.

Schaut man auf andere, mit denen man in jüngeren Jahren  zusammen gespielt hat, die dann heute dick im Geschäft sind? Sie haben in der U20 des DFB unter anderem mit Johannes Geis gespielt oder auch mit Shkodran Mustafi.

Klar verfolgt man das. Man denkt schon manchmal dran wie es war, als man früher gegeneinander gesielt hat im Jugendbereich oder so. Und sagt sich, damals war ich auch nicht schlechter. Warum sind die jetzt um einiges weiter? Es ist aber schwer, diese Entwicklungen miteinander zu vergleichen.

Ihr Vater war ihr erster Trainer. Stimmt es, dass sie mit vier Jahren schon zum Fußball gekommen sind?

Meine Mutter erzählt immer, der erste Ausflug war direkt auf den Fußballplatz. Mein älterer Bruder hat auch schon Fußball gespielt, mein Vater war sein Trainer. Dann kam meine Mutter mit mir aus dem Krankenhaus und hat mich gleich mit dem Kinderwagen über den Fußballplatz gefahren. Ich habe dann bis ich 13 war in Wachenheim gekickt.

Der Vater als Trainer. Ist das eher hilfreich oder belastend?

Im Großen und Ganzen schon hilfreich. Gerade in der Jugendzeit hatte ich einen guten Trainer. Es gibt es ja oft in solchen kleinen Vereinen, dass da die kompetenten Trainer fehlen. Bei mir war das nicht der Fall. Erst später wird’s dann komplizierter. Wenn der Vereinstrainer sagt, du musst das und das besser machen. Und der Papa sitzt da und sagt, mach lieber dies und das. Und er sieht es kritischer als der Trainer. Da gab es schon mal Auseinandersetzungen. Mittlerweile ist er ruhiger geworden. Als Ratgeber ist er aber schon gefragt. Ich habe nach dem Spiel ganz gerne eine Einschätzung von ihm.

Wie geht es weiter? Haben Sie eine klare Zielsetzung, einen Zeitrahmen, bis wann sie ihre Ziele erreicht haben wollen?

So direkt nicht. Ich versuche, Spaß im Training zu haben und meine Leistung zu bringen. Ich glaube, wenn ich jetzt so auf diesem Weg bleibe, wie in den vergangenen Monaten, dann wird’s weiter positiv für mich laufen. Vielleicht kommt bis zur Winterpause noch der eine oder andere Einsatz dazu. In der Vorbereitung ist dann ja auch noch mal ein kleiner Reset, wo man sich möglicherweise noch stärker in den Vordergrund spielen kann.

Haben Sie das Gefühl, hier an der richtigen Stelle zu sein?

Absolut. Zu sagen, hier habe ich es geschafft, ist vielleicht der falsche Begriff. Aber hier habe ich ein Zwischenziel erreicht, was mir in den Jahren zuvor nicht gelungen ist. Ich habe gerade den Eindruck, dass es hier in Mainz sehr gut läuft für mich.

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