Zurück zur Bestform auf hohem Level

Jörg Schneider. Mainz.
Viktor Fischer, Neuzugang des FSV Mainz 05, der vom FC Middlesbrough kam, erlebt in den ersten Tagen beim Bundesligisten das, was schon viele neue Spieler vor ihm durchmachten: Der dänische Nationalspieler muss hart arbeiten, um sich an die Gegebenheiten und Besonderheiten des Systems anzupassen. Im Moment habe er noch zu viel mit sich selbst zu tun in diesem Prozess. Doch das werde sich bald ändern. Mainz 05 sei ein Neuanfang für ihn, erklärt der 23-jährige Offensivmann. „Ich möchte mit dem Team Erfolg haben, Fußball spielen und dass viele Menschen im Stadion das gut finden, was ich spiele.“

Viktor Fischer gab in seiner ersten Medienrunde in Mainz einen interessanten Einblick in seine Gedanken und Vorstellungen. Foto: Jörg Schneider Selbstbewusst, freundlich, sympathisch, mit klaren Vorstellungen, in der Lage, sich in fließendem Englisch auszudrücken und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Viktor Fischer setzt in seinem ersten längeren Mediengespräch am Bruchweg die Tradition dänischer Fußballprofis beim FSV Mainz 05 fort. Der Neuzugang des Bundesligisten präsentiert sich ähnlich aufgeschlossen wie vor ihm Niki Zimling, Jonas Lössl oder Emil Berggreen. Ob der neue Offensivmann, den Sportvorstand Rouven Schröder für rund drei Millionen Euro vom FC Middlesbrough verpflichtet hat, in Mainz sportlich mehr erreicht und erfolgreicher ist als seine Landsleute, muss der 23-Jährige, der einen Vierjahresvertrag beim Bundesligisten hat, allerdings erst noch unter Beweis stellen.

Der Anfang war vielversprechend. Fischer hinterließ im ersten Test gegen Alemannia Aachen einen guten Eindruck auf der linken Außenposition, erzielte den Siegtreffer zum 2:1. Gegen TuS Koblenz hatte der Däne in der Startelf  dann aber mit denselben Problemen zu kämpfen wie seine Mitspieler. Dass da noch viel Luft nach oben ist, weiß der Neuzugang selbst. Fischer kann das einordnen. „Die erste Woche hier war richtig gut, aber tough. Es ist eine harte Geschichte am Anfang, aber ich habe ein gutes Gefühl. Ich arbeite hart wie die anderen auch für unsere Ziele. Fußball in Deutschland ist sehr körperlich und komplex. Das ist gut, aber ich muss mich dran gewöhnen“, sagt er.

Diesen Anpassungsprozess auf die veränderten Gegebenheiten und Besonderheiten, die im Training eines Bundesligisten gefordert sind, erleben alle Neuzugänge. Besonders, diejenigen, die im Ausland gespielt haben, wo die Schwerpunkte möglicherweise anders gesetzt sind. „Im Moment, im Training und in den beiden Testspielen, in denen ich gespielt habe, muss ich mich wirklich noch darauf fokussieren auf meine eigene Art zu spielen“, sagt Fischer. Er habe da noch zu viel mit sich selbst zu tun. „Nach und nach, in der nächsten Woche, in zwei Wochen, vielleicht auch in drei Wochen werde ich sehen, dass ich näher herankomme an die Mainzer Art Fußball zu spielen. Dafür muss ich hart arbeiten, aber ich denke, das kommt automatisch, wenn ich das richtige Gefühl dafür entwickelt habe für Pressing, Vorwärtsverteidigung und die Art und Weise, wie wir nach vorne spielen wollen. Das alles ist etwas, an das ich mich im Moment langsam gewöhne durch hartes Training und in den Spielen.“

Zuhören, lernen und umsetzen: Viktor Fischer lauscht den Erklärungen von Co-Trainer Jan-Moritz Lichte. Foto: Jörg SchneiderDie Voraussetzungen dafür, dass dies gelingen sollte, bringt der Nationalspieler mit. Fischer ist in seinen bisherigen Stationen  am meisten aufgefallen als Rechtsfuß auf der linken Außenstürmerposition mit Zug nach innen und zum Tor. „Einer“, wie Schröder sagt, „der nicht nur die Linie rauf und runter rennt. Ein sehr variabler Spieler, der sowohl auf der zehn, aber auch als falscher Neuner und als zweite Spitze stark ist. Seine hauptsächliche Stärke liegt allerdings links offensiv.“ Das sieht auch der Spieler grundsätzlich so. „Ich versuche natürlich die Position auszufüllen, die mir gegeben wird. Wenn der Trainer sagt, ich soll eine der zwei Spitzen sein, mache ich das. Wenn er mir sagt, ich soll Linksaußen spielen, versuche ich das auszufüllen. Wenn ich auf der zehn  spielen soll, tue ich das nach besten Kräften. Es ist schwer für mich zu sagen, dass ich eine Lieblingsposition habe, weil wenn ich als zweite Spitze aufgestellt werde, anstatt als Linksaußen, hätte ich direkt eine Ausrede für den Fall, dass  nicht gut spiele. Das möchte ich nicht. Ich versuche immer mein Bestes zu geben. Manchmal macht man ein schlechtes Spiel auf links, auch wenn man glaubt, das ist seine beste Position. Manchmal spielst du nicht gut als Stürmer, auch wenn du eigentlich denkst, das ist deine beste Position. Solange ich eine der Positionen kriege, auf der ich die Möglichkeit habe aufs Tor zu gehen, ist es gut für mich.“ Ein interessanter Ansatz.

„Natürlich ist es so, dass ich in den meisten Spielen in meiner Profi-Karriere für Ajax Amsterdam und Middlesbrough auf der linken Seite gespielt habe. Jetzt habe ich in Mainz auch wieder auf links begonnen. Das ist definitiv die Position, die ich gewöhnt bin“, erklärt der 05-Profi. „In der dänischen Nationalmannschaft war ich aber mehrfach einer der beiden Stürmer ganz vorne, und das hat mir auch ein gutes Gefühl gegeben und mir gefallen. Im Endeffekt ist es so, solange ich nicht auf der Bank sitze bin ich glücklich.“ Bei Ajax war der Däne eine echte Nummer, erzielte in 79 Erstligaspielen 24 Tore und gab 13 Vorlagen. Daraufhin holte ihn der FC Middlesbrough für fünf Millionen auf die Insel. Doch in England lief es nicht so prickelnd. Fischer kaum auf 16 Einsätze für den späteren Absteiger.

„Man kann immer über die Vergangenheit reden und feststellen, was gut war und was schlecht. Um ehrlich zu sein,  ich hätte es in England sicher genauso gut machen können wie vorher bei Ajax, aber es war nicht mein Jahr. Ich habe dort nicht wirklich eine Chance bekommen. Vielleicht habe ich selbst auch Fehler gemacht“, räumt der Offensivspieler ein. „Ich glaube eigentlich, dass ich überall erfolgreich spielen kann, wenn ich bereit bin zu fighten, mein Bestes tue, um ein Teil der Mannschaft zu werden. Ich nehme mir die Zeit und arbeite intensiv daran, in Bestform zu kommen und schnellstens dazu zu lernen.“

"Eine Kombination aus allem"

In seinem neuen Team stecke viel Qualität. „Ich vergleiche das mit meinen vorherigen Vereinen. In Holland war die Technik der Spieler auf einem sehr hohen Level. In England gab es auch gute Techniker, aber es war mehr körperlich, hart und schnell. Mein Eindruck nach der ersten Woche in Mainz ist, dass wir hier eine Kombination aus allem haben:  Toughes Spiel, schnell nach vorne, deinen Gegenspieler auch nach hinten folgen und sicherstellen, dass du die Technik und die Fähigkeiten hast, alles zu kombinieren. Ich will nicht sagen, das ist besser oder schlechter als in den anderen Ländern, es ist einfach eine Kombination aus allem“, betont Fischer.

Mainz 05 habe ihm die Möglichkeit für einen Neuanfang gegeben. „Es war für mich nicht attraktiv, weiter in Middlesbrough zu spielen aufgrund der Umstände. Sie sind abgestiegen, es ist nicht mehr Premier League. Und dann kam die Möglichkeit für ein Bundesliga-Team spielen zu können, da habe nicht lange überlegt oder gezweifelt. Es war keine schwere Entscheidung.“ Er kenne Niki Zimling gut, auch Lössl und  Berggreen, habe von allen viele positive Dinge über Mainz 05 gehört. „Ich weiß schon länger, dass dieser Klub eine gute Reputation hat in der Branche. Das einzig Negative, von dem Niki Zimling gesprochen hat, war, dass er hat gehen müssen.“  

Dass Fischer nun gegenüber der Premier League Abstriche machen muss, was das Gehalt angeht, hat seine Entscheidung nach Mainz zu kommen, nicht beeinflusst, wie er sagt. Im Gegenteil. „Jeder, ob Fußballer, Lehrer, Musiker, Arbeiter, Rechtsanwalt oder was auch immer, denkt natürlich daran, was er verdienen muss, um klarzukommen. Für mich ist das im Moment nicht das Wichtigste“, sagt der 23-Jährige. „Ich habe mit meinen Beratern gesprochen und vor dem Ende der vergangenen Saison gesagt, wir müssen nicht darüber sprechen, möglichst viel Geld zu verdienen, sondern mir geht es primär um die Möglichkeit, Spiele bestreiten zu können und zurück in Form zu kommen auf einem hohen Level.“ Deshalb habe das Geld bei diesem Transfer nach Mainz nicht im Vordergrund gestanden. „Ich möchte mit dem Team Erfolg haben, Fußball spielen und dass viele Menschen im Stadion das gut finden, was ich spiele. Ich habe im Moment noch viel damit zu tun mich anzupassen auf dem Platz. In ein paar Wochen wird das aber anders sein.“  

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