Zum Abschluss ein Heimsieg

Christian Karn. Mainz.
Das Weiterkommen in der Europa League hat der FSV Mainz 05 wohl in den anderen beiden Heimpartien verspielt. Gegen den Qäbälä FK verabschiedeten sich die 05er ohne Spektakel, aber mit einem souveränen 2:0-Sieg von ihrem Publikum, das am Ende noch einmal das Europapokal-Lied sang. Alexander Hack schoss sein erstes 05-Tor zum 1:0, Pablo de Blasis erhöhte vor der Halbzeit auf 2:0. Und der Debütant Jannik Huth im Mainzer Tor musste keinen einzigen Ball halten.

FSV Mainz 05 - Qäbälä FK 2:0 (2:0)

Donnerstag, 8. Dezember 2016, 12.860 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Huth - Donati, Bell, Hack, Bussmann - Ramalho, Gbamin (69. Malli) - de Blasis (86. Holtmann), Frei, Jairo - Córdoba (82. Seydel).
Reserve: Lössl, Balogun, Öztunali, Brosinski. Trainer: Schmidt.

Qäbälä FK: Besotosnij - Abbasov, Wernidub, Stankovic, Ricardinho - Kwekweskiri, Sadiqov (46. Qurbanov) - Mammadov, Weeks Lewis (86. Camalov), Ozobic - Zenjov (78. Hüseynov).
Reserve: Pietrzkiewicz, Mirzabayov, Franjic, Santos. Trainer: Grigortschuk.

Schiedsrichter: Evans (Wales).

Tore: 1:0 Hack (29., nach abgewehrtem Kopfball), 2:0 de Blasis (40., Donati).

Gelbe Karten: Bussmann, Jairo.

Trist und trübe war's in den Bretzenheimer Feldern, nicht nur durch den Nebel, der sich immer dichter über die Arena legte. Der Qäbälä FK war zum Europa-League-Spiel nach Mainz gekommen, aber wie befürchtet fühlte es sich nicht nach Europapokal an. Von den offiziellen 12.860 Zuschauern waren sicherlich einige nicht da. Die Fantribüne hinter dem Tor war nicht lückenlos, aber einigermaßen dicht besetzt, auch die Gegengerade im mittleren Unterrang, sonst war's leer im Stadion. Und als die Gäste vor dem Spiel auf dem Rasen das obligatorische Teamfoto machen wollten, war zunächst kein Fotograf da, der sich für sie interessierte. Auch ein bisschen monoton war es: Die Ultras zogen tapfer ihr Programm durch, der Rest des Stadions wollte sich nicht so recht auf das Spiel einlassen, mischte sich nur eingangs der zweiten Hälfte und in der 89. Minute kurz ein.

Und doch war es kein unerfreulicher Abschied aus der Europa League: 2:0 (2:0) gewannen die 05er durch das erste 05-Tor von Alexander Hack und einen Kopfballtreffer von Pablo de Blasis, beide in der ersten Hälfte. Das Ergebnis hätte noch viel deutlicher werden können, von Qäbälä andererseits kam offensiv nichts Gefährliches.

Nicht nur für Hack, auch für einen weiteren Mainzer war's trotzdem ein großer Tag: In einem Spiel ohne jede tabellarische Bedeutung hatte Martin Schmidt ausnahmsweise nicht Jonas Lössl, sondern zum ersten Mal in einem Profi-Pflichtspiel den jungen Ersatztorwart Jannik Huth aufgestellt. Huths erste Aktion war eine Routineangelegenheit. Mit seinem ersten Ballkontakt sammelte der Torwart einen Pass ins Leere ein. Auf den zweiten musste der Torwart eine Weile warten, bei der dritten war er Libero nahe an der Mittellinie, ein zusätzlicher Aufbauspieler. Zwischendrin hatten die 05er ihre erste dicke Torchance: Jhon Córdoba und Jairo Samperio brachten den Ball schnell, direkt, steil durch die Abwehr auf Fabian Frei, der Auge in Auge mit dem Torwart das Tor knapp verfehlte (5.). Aber auch der Gästetorwart Dmitro Besotosnij musste zunächst vor allem bei Rückpässen eingreifen. Die allerdings waren kein Hinweis darauf, dass Qäbälä einfach nur hinten drin stand: Die Gäste spielten mutig mit, brauchten ihren Torwart nur als Zwischenstation für den Aufbau. Sie hatten aber einfach nicht die Klasse, um den Mainzern gefährlich zu werden.

Als Mitjubler war Alexander Hack schon ein paar Mal dabei. Gegen den Qäbälä FK freute sich der Innenverteidiger zum ersten Mal über einen eigenen Treffer. Foto: imagoDiese reizten trotz aller Beteuerungen ihr Potenzial nicht komplett aus. Hinten hatten sie die Partie im Griff, vorne ließen sie durchaus einen Angriff nach dem anderen laufen, häufig über die linke Seite, über Jairo. Sie hatten ihre Abschlüsse, nicht mal wenige, aber wenige gefährliche, oft fehlte der Fanatismus, fehlte die Schärfe in den Handlungen. Der harte Schuss von Giulio Donati in der 22. Minute hätte gefährlich werden können, wäre er nicht nach wenigen Metern von Ricardinho geblockt worden. Gegen Alex Hack hingegen konnte auch der Linksverteidiger nichts mehr ausrichten. Den Kopfball von Stefan Bell wehrte Ricardinho noch ab, den Nachschuss knallte Hack unter die Latte - 1:0. Ein Anfang, den Pablo de Blasis bald ausbaute: Nach Flanke von Donati traf der Argentinier mit einem Kopfball ins lange Eck (40.). Direkt davor hatte Huth erstmals ernsthaft etwas zu tun; der Torwart holte sich im Getümmel eine Freistoßflanke. Es war kein Spektakel vor der Halbzeit, aber es war eine klare Sache, es gab eine komfortable Halbzeitführung.

Die erste Chance der zweiten Hälfte hatte Jairo. Jean-Philippe Gbamin hatte im Konter vielleicht zu lange gewartet mit dem Pass auf Córdoba, der Kolumbianer hatte das beste daraus gemacht, seinen Linksaußen doch noch schön ins Spiel gebracht. Besotosnij hielt dessen Schuss nicht mit vollendeter Souveränität, aber er hielt ihn (50.).

Qäbälä war offensiver ab der Halbzeit, auch die Einwechslung von Ruslan Qurbanov als Mittelstürmer hing damit zusammen. Für die 05er gab es damit noch mehr Räume. Eine Flanke von Gaetan Bussmann ging neben das Tor (51.), hinten mussten die 05er nach einem Querschläger mit vereinten Kräften Witalij Wernidub am Torschuss hindern (52.).

Frei schoss nach einem direkten Doppelpass mit Jairo am kurzen Pfosten vorbei (und revanchierte sich mit einem Tritt gegen diesen für das Pech) - und im Gegenangriff hatte Qäbälä die erste Torchance - Qurbanovs Schuss wäre für Huth unerreichbar gewesen, ging aber am langen Eck vorbei. Wieder Gegenangriff - Bussmann knallte den Ball an die Netzhaltestange hinter dem Tor (63., 64., 65.). Wäre der fleißige, aber flatterhafte Jairo (der durchaus seine starken Szenen hatte, der in der 72. Minute Besotosnij fliegen ließ, in der 83. dagegen mit seinem nächsten Schuss nicht erschreckte) etwas weniger überdreht, etwas ruhiger am Ball gewesen, hätte es sicher noch mehr Torchancen gegeben.

Letztlich waren diese nicht nötig. Der zweite Saisonsieg kam nichht mehr in Gefahr. Die 05er sind ausgeschieden mit neun Punkten - so viele hat (vor Abpfiff der 21.05-Uhr-Spiele) kein anderer Tabellendritter. Gruppensieger übrigens wurde überraschend die AS Saint-Étienne, die in Anderlecht zur Halbzeit durch die Tore der beiden Rumänen Alexandru Chipciu und Nicolae Stanciu 0:2 zurücklagen, durch zwei Treffer von Alexander Söderlund und einen von Kévin Monnet-Paquet aber noch 3:2 gewannen.

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