Zu zehnt verteidigen, zu zehnt angreifen

Jörg Schneider. Saint-Etienne.
Der FSV Mainz 05 ist mit viel Zuversicht zum vorentscheidenden Gruppenspiel der Europaliga nach Südfrankreich geflogen. Heute Abend (21.05 Uhr) entscheidet sich im Stade Geoffroy-Guichard bei der AS Saint-Etienne, ob der Bundesligist weiterhin vom Überwintern im Europapokal träumen darf. Die Mannschaft von Martin Schmidt darf sich beim französischen Tabellenachten keine Niederlage leisten. „Wir freuen uns auf dieses Spiel und sind uns der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst. Für uns ist das ein Final-Spiel. Wir müssen und wollen hier gewinnen", sagte der 05-Trainer nach dem Abschluss-Training in Saint-Etienne.

Der Streik bei der Lufthansa und die damit verbundenen Flug-Streichungen erschweren die Anreise vieler Fans des FSV Mainz 05 zum Gruppenspiel des Bundesligisten am Donnerstag (21.05 Uhr) bei der AS Saint-Etienne. Wie der Verein mitteilte, ist inzwischen wenigstens das kurzfristig von den französischen Sicherheitskräften verhängte Innenstadtverbot teilweise aufgehoben worden. Und zwar für diejenigen unter den 1200 Anhängern, die individuell zum Spiel anreisen. Im Rahmen eines Sicherheitsmeetings mit den Sicherheitskräften und Vertretern beider Klubs am Mittwochabend ist festgelegt worden, dass in Kleinbussen oder PKW anreisende Mainzer Fans am Spieltag ab 12 Uhr die Parkplätze am Stade Geoffroy-Guichard nutzen und sich anschließend ungehindert in der Stadt bewegen können.

Die 05er weisen ihre Fans dennoch auf jederzeit mögliche Kontrollen durch die Sicherheitskräfte hin und bitten darum, den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt zu folgen. Das Stadion werde um 19:35 Uhr geöffnet. Eine Tageskasse für Gästefans gebe es nicht nicht. Wer noch Tickets benötige, solle sich an die Fanbeauftragten David Moschner (+49 176 1905 00 99) und Ben Praße (+49 170 579 09 06) wenden. Kameras für den privaten Gebrauch seien im Stadion erlaubt, das Mitnehmen von Taschen und Rucksäcken jedoch nicht. Die 05-Fans müssen sich zudem nach der Partie auf eine 30-minütige Blocksperre einstellen.

Gaetan Bussmann, der heute wieder als Linksverteidiger im 05-Team beginnt, hat keine guten Erinnerungen an das Stadion in Saint-Etienne. Mit seinem früheren Klub FC Metz hat der Franzose dort eine 0:2-Niederlage kassiert. Foto: ImagoAuch für die Mannschaft läuft es vor Ort nicht reibungslos. Das 05-Team ist seit Mittwoch in Südfrankreich und musste sein Abschluss-Training notgedrungen auf dem Gelände der AS Saint-Etienne absolvieren. Die vor einem Europapokal normalerweise übliche Einheit im Stadion wurde von der Uefa wegen anhaltender Regenfälle kurzfristig abgesagt. „Das ist natürlich nicht so gut, weil man sich gerne auch an das Ambiente gewöhnt, einen Eindruck vom Stadion und besonders vom Rasen holen will. Das fehlt jetzt natürlich", sagte Martin Schmidt vor Ort. Der 05-Trainer hat vorsorglich einen Kader von 20 Spielern mitgenommen, denn innerhalb des Kaders grassiert derzeit eine Erkältungswelle. Einige Profis seien davon betroffen, sagte der 05-Coach. Unter anderem Yunus Malli und Giulio Donati, bei denen sich die Lage jedoch verbessert habe. Schmidt geht davon aus, dass die beiden Leistungsträger heute Abend spielen können. Die letzten Trainingseinheiten zu Hause in Mainz haben gezeigt, wie der Trainer diese Partie beim Tabellenachten der französischen Liga angehen will. Mit einer aggressiven und möglichst fehlerfreien Defensivleistung, guter Organisation auf dem Platz und mit geradlinigen, im hohen Tempo ausgehführten Umschaltaktionen Richtung gegnerischen Strafraum, um Chancen zu erarbeiten und Standrad-Situationen zu erzwingen, mit denen das Team derzeit recht gefährlich operieren kann.

Sich in der eigenen Abwehr zu verbarrikadieren, sei nicht das Spiel seiner Mannschaft, sagt Schmidt. „Wer uns kennt und unsere Art Fußball zu spielen, der weiß, wie wir auf den Platz gehen. Unser Fußball ist offensiv strukturiert, aggressiv gegen den Ball und auf Umschalten angelegt. Wir freuen uns auf dieses Spiel und sind uns der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst. Für uns ist das ein Final-Spiel. Wir müssen und wollen hier gewinnen."

Das 1:1 im Hinspiel in der Opel Arena hat gezeigt, dass die 05er durchaus Chancen haben, diesen Gegner zu schlagen. „Was wir aus dem ersten Spiel mitnehmen, ist das Wissen, dass wir konkurrenzfähig sind, dass wir über lange Zeit auch gut im Spiel drin waren, große Chancen hatten und eigentlich auch auf dem Weg zu einem Sieg waren. Hinten raus, als der Druck größer wurde und sich der Gegner mit langen und hohen Bällen eingerichtet hat, da haben wir uns gut angestellt und nur diesen einen Fehler gemacht, der zum Ausgleich geführt hat. Wir haben unsere Lehren daraus gezogen“, betont der 05-Trainer. „Wir wissen, wie wir das verteidigen wollen. Wir müssen aber insgesamt besser spielen als in der Partie zu Hause, wenn wir hier erfolgreich sein wollen.“

Die Gefahr für die Mainzer liegt darin, sich unter dem Erfolgsdruck von diesem eher defensiv ausgerichteten Gegner, der sich im Spiel gegen den Ball wohl fühlt und aufgrund der Tabellensituation auch mit einem Punkt leben könnte, zu sehr in die Rolle des Spielmachers drängen zu lassen und zu hohes Risiko zu gehen. Wie das dann aussehen kann, haben die Mainzer beim 1:6 in Anderlecht erlebt. So etwas soll der Mannschaft nicht noch einmal passieren. „Anderlecht, das war ein Spiel, in dem wir über 80 Minuten klar besser waren und trotzdem im Rückstand lagen. Das heißt, wir müssen die Geschichte konzentrierter runter spielen. Wir müssen in der letzten Zone konzentrierter agieren, unsere Umschaltaktionen konzentrierter zu Ende bringen und mehr Präzision hineinbringen“, erklärt Schmidt. „Gegen den Ball müssen wir besser verteidigen. Die ganze Defensivarbeit muss besser sein. Mit zehn Spielern verteidigen, mit zehn Spielern angreifen. Ich glaube, wenn wir das verinnerlichen und ein kompakter Block sind, werden wir vieles besser machen als in Anderlecht“, betont der Trainer. „Die Herausforderung wird sein, unser offensives Umschaltspiel in die Balance zu bringen zwischen Angriff und Verteidigung und zwischendrin auch mal Ballbesitz zu haben.“

Die Voraussetzungen in dieser Gruppe C der Europaliga sind bekannt. Der RSC Anderlecht und Saint-Etienne führen die Tabelle mit acht Punkten an vor den 05ern mit fünf Zählern und Qäbälä FK, das am Abend die Belgier zu Hause empfängt und noch ohne Punktgewinn ist. Am letzten Spieltag in 14 Tagen empfangen die Mainzer dann zu Hause das Team aus Aserbaidschan. AS Saint-Etienne muss nach Anderlecht. Bei einer Mainzer Niederlage heute in Frankreich wären die Hoffnungen aufs Überwintern im Europapokal für die 05er beendet.

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