„Zu wenig gut, um zu punkten“

Jörg Schneider. Mainz.
Der Trainer des FSV Mainz 05 fasste das Ganze kurz und prägnant zusammen: „Es war passabel, aber letztlich ungenügend.“ Martin Schmidt bescheinigte seiner Mannschaft eine ordentliche Leistung, die jedoch nicht ausreichte, um dem FC Bayern ein Unentschieden abzuringen. „Ein Punkt wäre gut gewesen für die Moral“, sagte Martin Schmidt nach der 1:3-Niederlage in der Opel Arena gegen die Münchner, „aber wir waren heute zu weit weg von der Leistung her. Wir waren zu wenig gut, um gegen diese Bayern zu punkten“. Die Stimmen zum Spiel.

Den 05-Angreifern wie hier Karim Onisiwo fehlte in der zweiten Halbzeit immer die letzte Konsequenz vor dem Bayern-Tor gegen die gute Abwehrarbeit von Mats Hummels und Javier Martinez in der hintersten Linie. Foto: Ekkie Veyhelmann„Wir gehen in einer Phase in Führung, in der Bayern klar besser war, in der wir Probleme hatten, gegen den Ball zu verteidigen und eigentlich in keinen Zweikampf gekommen sind“, sagte der Kapitän des FSV Mainz 05 nach der 1:3-Niederlage gegen den Rekordmeister. Doch die Führung durch das Kontertor von Jhon Cordoba gab den 05ern im Heimspiel in der ausverkauften Opel Arena keine Sicherheit, nicht den nötigen Schub, um die Bayern in echte Bedrängnis zu bringen. „Wir haben in der Halbzeit ein paar Dinge geändert, da war das Spiel offener, und wir hatten auch ein gutes Gefühl. Da war ja auch nichts verloren. Wir haben lange das 1:2 gehalten und hatten das Gefühl, wir können noch einen Konter machen zum 2:2. Wir sind öfter außen durchgekommen, aber da haben die Abschlüsse in der Mitte gefehlt. Was aber auch schwer ist, weil die Bayern mit sieben Mann am eigenen Sechzehner verteidigen. Es war ein Spiel, das wir ganz ordentlich gespielt haben. Am Ende hatten wir im Konter nicht die Präzision, die es gebraucht hätte, um den Ausgleich zu machen“, erklärte Stefan Bell.

Rouven Schröder beklagte das Zweikampfverhalten seiner Mannschaft bei den beiden Gegentoren in der ersten Hälfte. „Wir sind sehr gut reingekommen ins Spiel. Genau, wie wir es uns vorgenommen hatten. Sehr aggressiv gespielt, nachgesetzt, mutig und optimal das 1:0 erzielt“, sagte der Sportdirektor. „Schade, dass wir dann relativ schnell das 1:1 bekommen. Gegen die Bayern ausgekontert zu werden, ist dann wirklich schwerwiegend. Das war zu schnell und wäre verhinderbar gewesen. Die positive Emotion war damit erstmal zu schnell weg. Auch beim zweiten Tor waren wir in der Vorwärtsbewegung, haben den Ball verloren, kommen nicht in die Zweikämpfe und haben uns dann in der Mitte nicht klar genug positioniert, orientiert und den Robben aus den Augen verloren. Wir haben zwischen der 10. und 30. Minute zu viele Probleme gehabt mit der Abstimmung. Die zweite Halbzeit war dann wirklich ordentlich. Da hatten wir gute Momente, ohne aber in der letzten Instanz gefährlich zu sein. Die Bayern allerdings auch nicht mehr. Wir standen oft kurz vor dem Abschluss in der zweiten Hälfte, aber der letzte Pass oder die Aktion eins gegen eins hat nicht geklappt. Wobei man sagen muss, der Mats Hummels hat da ein überragendes Spiel gemacht und immer geklärt. Wir hätten eine richtige Chance gebraucht, um das Publikum noch mehr zu mobilisieren. Die Bayern waren da aber in der letzten Konsequenz immer einen Schritt schneller und wir haben es leider nicht geschafft, den letzten Pass zu spielen. Was wir bei der Analyse aber auch nicht vergessen dürfen, ist die Situation mit Martinez beim Konter mit Karim Onisiwo. Unabhängig davon, ob der Schiedsrichter da Gelb oder Rot gibt bei diesem Handspiel, es hätte auf jeden Fall Gelb-Rot sein müssen. Martinez hätte vorher nach dem dritten Foul hintereinander endlich mal die Gelbe Karte bekommen müssen. Wir sind sehr enttäuscht und müssen sagen, heute war einfach mehr drin.“

Für Leon Balogun war die Phase nach der eigenen Führung entscheidend. „Wir sind nach dem 1:0 ein bisschen aus der Ordnung geraten und haben den Zugriff verloren. Wir haben zwar versucht, auf das variable Positionsspiel der Bayern zu reagieren, aber da ist uns der Zugriff etwas zu stark abhandengekommen. Ohne zu sagen, dass wir schlecht gespielt haben, aber die Bayern finden da einfach die Räume und haben die Qualität, um aus nicht allzu viel sehr viel zu machen. Das dritte Tor zähle ich gar nicht dazu, denn es war ein perfekter Freistoß und Freistöße kriegst du nun mal im Spiel“, sagte der Innenverteidiger. „Von daher ist es sehr ärgerlich, weil wir eine sehr gute zweite Halbzeit gespielt haben, viel am Ball waren und auch relativ mutig nach vorne agiert haben. Wir kamen zu Möglichkeiten, aber am Ende haben die Bayern immer noch einen Fuß dazwischen bekommen. Es ist bitter, weil es war definitiv mehr drin. Es tut schon weh, dass wir besonders nach dem Auftritt in der zweiten Halbzeit mit leeren Händen dastehen.“

Der Bayern-Trainer machte es kurz: „Es war ein schwieriges Spiel bei einem guten Gegner. Wir haben aber ein gutes Ergebnis erzielt und hier gewonnen, wo es sehr schwierig ist zu gewinnen. In der ersten Halbzeit haben wir gut gespielt und gute Kombinationen gezeigt. In der zweiten Hälfte war es für uns schwerer, da hat Mainz mehr Druck ausgeübt“, sagte Carlo Ancelotti.

„Auch für uns war es ein schwieriges Spiel“, betonte Martin Schmidt nachher. „Unter dem Strich haben wir ein solides Spiel gezeigt, das lange offen war. So wollten wir es eigentlich. Bis zum Schluss alles offen halten, damit bis zum Ende was drin liegt und ein Standard oder ein Umschalter von uns noch etwas bringen kann. Wir hatten eine gute Phase in der zweiten Halbzeit bis in den Strafraum rein, aber der letzte richtige Abschluss aufs Tor hat gefehlt. Ein entscheidender Faktor war da die Verteidigungsarbeit der Bayern auf der letzten Linie. In der ersten Hälfte von Martinez in der zweiten Halbzeit von Hummels“, so der 05-Trainer. „Wir haben es nicht so gut gemacht. Gerade beim ersten Tor, wo wir nicht dran waren. Da muss man dran, Körperkontakt haben, vielleicht auch ein Foul machen. Es war passabel, aber letztlich ungenügend. Es hat nicht gereicht, auch weil wir nach Balleroberungen zu hektisch waren, die Bälle nicht sauber genug weggespielt haben. Insgesamt eine korrekte Leistung, aber das bringt nichts. Wir brauchen Leistungen, die Punkte bringen. Das muss in den nächsten Spielen unser Anspruch sein.  Wir waren nach unserem 1:0 viel zu offen, hatten viel zu große Abstände. Wir haben uns zweimal im eigenen Stadion auskontern lassen bei den Gegentoren. Das geht nicht. Heute müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Wir haben die Umschaltsituationen nicht durchgekriegt, waren etwas zu hektisch. Ein Punkt wäre gut gewesen für die Moral, aber wir waren heute zu weit weg von der Leistung her. Wir waren zu wenig gut, um gegen diese Bayern zu punkten.“

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