Zeit der Veränderungen

Jörg Schneider. Mainz.
Seit dem Finale in der Bundesliga und dem erstmaligen Erreichen der Europaliga-Gruppenphase ist erst eine Woche vergangen, doch beim FSV Mainz 05 ist schon viel passiert. Und dem Klub stehen weitere Veränderungen in etlichen Bereichen bevor, um die große Herausforderung, die der zweigleisige Auftritt in der neuen Spielzeit mit sich bringt, zu meistern. „Ich erwarte von jedem, dass er an dieser Aufgabe wächst“, sagt Trainer Martin Schmidt.

Eine Woche ist vergangen seit dem 0:0 gegen Hertha BSC Berlin und dem Erreichen der Europaliga-Gruppenphase. Es ist schon viel passiert beim FSV Mainz 05 in diesen Tagen nach dem letzten Bundesligaspiel. Christian Heidel hat sich in den Ruhrpott verabschiedet, Rouven Schröder ist offiziell in sein Amt des Sportdirektors eingestiegen und hat gleich die Vertragsverlängerung von Jhon Cordoba bis 2020 klargemacht. Julian Baumgartlinger ist unmittelbar nach der Saison-Abschluss-Feier von Bord gegangen und hat auf dem Weg zur Europameisterschaft in Frankreich bereits einen neuen Vertrag bei Bayer 04 Leverkusen im Säckel, der den Österreicher in neue Gehalts-Dimensionen vordringen lässt. Das Mainzer Stadion heißt künftig Opel Arena. Der Rüsselsheimer Autobauer hat sich bis mindestens 2021 die Namensrechte an der 05-Heimspielstätte gesichert. In Kürze will der 05-Vorstand über die strukturelle Neuausrichtung des Vereins informieren. Vor der elften Bundesligasaison ist die Zeit der Veränderungen angebrochen bei Mainz 05.

Und die machen auch vor dem rein sportlichen Bereich nicht Halt. Die neue Spielzeit wird zur großen Herausforderung. Das Ziel: Die Mannschaft weiterhin auf einem gesunden Level in der Liga zu halten und sich dabei auf dem internationalen Parkett gut verkaufen. Beispiele dafür, dass dies für einen Klub der Kategorie Mainz 05 eine schwere Aufgabe darstellt, gibt es genügend. „Wir schauen, wie es die anderen gemacht haben und welche Lehren sie daraus gezogen haben“, sagt Martin Schmidt. Der FC Augsburg beispielsweise, der in der abgelaufenen Saison eine erfolgreiche Europaliga-Runde absolvierte und erst im Achtelfinale am FC Liverpool scheiterte. Und der, wenn auch mit einigen Mühen, am Ende doch recht souverän den Klassenverbleib sicherte. „Um nichts anderes geht es für uns“, betont der Trainer. Es möge sich  komisch anhören, wenn ein Klub, der international mitmische, vom Klassenerhalt rede, so der Schweizer. Doch so sei es nun mal. „Was Augsburg geschafft hat, das würde ich auch so für uns unterschreiben“, sagt Schmidt, der die Aufgaben jedoch optimistisch angeht. „Für den ganzen Verein gilt es nun zu beweisen, dass wir diesen Erfolg zurecht errungen haben.“

Der neue Spordirektor Rouven Schröder kriegt einiges zu tun in den kommenden Wochen. Foto: Jörg SchneiderDer Kader, mit dem der 05-Coach arbeiten wird, steht zwar auf den ersten Blick gut und gesund da, wird sich jedoch erneut zwangsläufig verändern. Rouven Schröder muss Ersatz finden für Mittelfeld-Motor Baumgartlinger. Der Wechsel von Loris Karius soll, wie man hört, weit fortgeschritten sein. Karius gehört zu den Top-Torhütern in Deutschland. Sein Weggang würde zwar viel Geld bringen, aber auch eine Lücke aufreißen, die weder Gianluca Curci, noch Jannik Huth schließen könnten. Yunus Malli dürfte ebenfalls nicht zu halten sein. Bei aller Kritik, die bisweilen an dem Zehner laut wird, einen Ersatz auf diesem Niveau zu finden, wird extrem teuer. Da ist kluge Transferplanung gefragt und Schröders Ideenreichtum Und Schmidt will ja auch noch zusätzlich drei richtige Verstärkungen, um für die Prüfungen in der neuen Spielzeit gewappnet zu sein.

Der Kader muss breit und qualitativ gleichwertig aufgestellt und aufgestockt werden, denn dem Team stehen im Herbst, wenn die Gruppenphase beginnt, etliche englische Wochen bevor. Der Rhythmuswechsel zwischen Europapokal am Donnerstag und Bundesliga am Wochenende verlangt allen alles ab. „Ständig ins Flugzeug, alle drei Tage die Konzentration hach fahren, alle drei Tage ins Hotel. Kaum richtige Trainingseinheiten, mehr Spiele, Regeneration und dann das Ganze wieder von vorne“, zählt Schmidt auf. „Da kommt auch mental einiges auf uns zu. Bei uns ist ja bis jetzt schon ein Flug  zu einem Auswärtsspiel etwas Spezielles.“

Doch auch im Umfeld des Profi-Teams kündigt Schmidt Veränderungen an in der neuen Saison. „Die U23 muss sehr flexibel sein. Diejenigen, die nicht mit zu den Europaliga-Spielen reisen, brauchen aber trotzdem Hochbelastung fürs nächste Bundesligaspiel. Die müssen sie bei der U23 kriegen, die dadurch auch eine neue Herangehensweise braucht.“ Auch die Trainercrew sowie das Funktionsteam müssten angepasst werden. „Da brauchen wir zusätzliche Unterstützung“, sagt Schmidt. „Zum Beispiel in der Gegnerbeobachtung national und international. Da müssen wir mehr Leute aus dem sportlichen Bereich im Verein als Unterstützung heranziehen.“

Der Trainer erwartet nicht, dass sein Team den aktuellen Erfolg in der kommenden Runde noch einmal toppen kann. Doch der Schweizer will mit seiner Mannschaft in allen Bereichen eine ordentliche, gute Rolle spielen. „Ich erwarte von jedem, dass er an dieser Aufgabe wächst“, sagt der 49-Jährige. Vieles von dem, was erforderlich sein wird, ist bereits in Arbeit. Der 05-Trainer und der neue Sportdirektor hatten in den vergangenen Wochen ständig miteinander zu tun, führten Strategiegespräche arbeiteten an Konzepten. Christian Heidel war in die Planungen kaum noch eingebunden. Auch jetzt, wo sich Schmidt eine Auszeit nimmt in den Bergen seiner Walliser Heimat, stehen die sportlichen Leiter täglich in telefonischem Kontakt. Am Bruchweg herrscht zwar derzeit Ruhe bis zum Trainings-Start am 28. Juni. Doch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen trotzdem auf vollen Touren.

Rouven Schröder muss sich über mangelnde Arbeit nicht beklagen. Der Sportdirektor hat viel zu tun in den kommenden Wochen. Sowohl, was den Einkauf als auch den Verkauf von Spielern betrifft. Der 40-Jährige erweckt bisher den Eindruck, dass der Heidel-Nachfolger ein kompetenter, bodenständiger und aufgeschlossener Fachmann ist, der im Verein sehr gut ankommt, der auch in der Außendarstellung selbstbewusst, aber dennoch bescheiden rüberkommt und sich die Vereins-Philosophie in der kurzen Zeit bereits zu eigen gemacht hat. Der 40-Jährige hat in jedem Fall eine höchst spannende Aufgabe übernommen.

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite