"Wir liegen auf einer Wellenlänge"

Christian Karn. Mainz.
Geduld zahlt sich manchmal einfach aus. Schon vor zwei Jahren wollte der FSV Mainz 05 den Dortmunder Jonas Hofmann holen. Jetzt hat es geklappt - zumindest bis Saisonende ist der Mittelfeldmann ein 05er. Im Pressegespräch verriet der U21-Nationalspieler, was er in Mainz vorhat.

Der Telefonmann: Jonas Hofmann spricht, die Mobiltelefone der versammelten Mainzer Presse zeichnen auf. Foto: Jörg SchneiderDas Podium im Presseraum der Coface Arena wurde am Donnerstag kaum gebraucht. Schon in der Pressekonferenz um zwölf Uhr saßen der 05-Trainer Kasper Hjulmand und die stellvertretende Medienbeauftragte Silke Bannick nur zu zweit dort oben. Neuzugang Jonas Hofmann setzte sich in seiner anschließenden Gesprächsrunde mit den Mainzer Medien gleich nach unten zu den Journalisten, sammelte deren Aufnahmegeräte ein, arrangierte sie vor sich auf dem Tisch und beantwortete selbstbewusst, aber höflich alle Fragen.

Zum Transfer an sich:

Der Erstkontakt mit Mainz 05 fand am Donnerstag vor Transferschluss statt. "Ich wusste, dass Shinji Kagawa im Anmarsch ist", sagte Hofmann. "Dann ging es schnell. Am Ende hat es der Bauch entschieden, aber ich habe es vorher mit meinem Berater und meiner Familie, meinen Eltern, meinem Bruder und meiner Freundin besprochen." Hofmann stammt aus einer Sportlerfamilie: Sein Bruder Benjamin ist gerade mit Astoria Walldorf in die Regionalliga aufgestiegen, sein Vater Harald ist Handballfunktionär im Kreis Heidelberg.

Die diversen Ex-Mainzer im Trainerstab des BVB, Cheftrainer Jürgen Klopp und seine Co-Trainer Zeljko Buvac und Peter Krawietz sowie der U23-Trainer David Wagner spielten bei der Entscheidungsfindung keine große Rolle. "Zu Wagner habe ich einen sehr guten Draht", verriet Hofmann. "Direkt zu Mainz 05 geraten haben sie mir nicht, aber sie habe auch nichts Schlechtes erzählt. Meine Meinung haben sie nicht beeinflusst. Sich überreden zu lassen wäre sowieso nicht der richtige Weg. Im Endeffekt muss es mir hier gefallen, nicht den Dortmunder Trainern."

Die 05er waren nicht die einzige Option für Hofmann. "Aber der erste Ansprechpartner", sagte der neue 05-Spieler. "Weil sich die Art, wie Mainz 05 Fußball spielen will, nicht groß vom Dortmunder Fußball unterscheidet."

Zu den ersten Tagen in Mainz:

"Noch habe ich hier nicht trainiert", sagte Hofmann. "Am Anfang ist das schwierig. Am ersten Tag habe ich hier mit Philipp Wollscheid den Medizincheck absolviert, aber ein richtiges Training kam noch nicht zustande" - die U21-Nationalmannschaft wartete auf ihren Mittelfeldspieler. Dort begegnete Hofmann seinen neuen Vereinskollegen Loris Karius, Yunus Malli und Johannes Geis. "Ich habe immer wieder das Gespräch mit ihnen gesucht", berichtete Hofmann. "Man muss ja versuchen, sich so schnell wie möglich zu integrieren. Es war in diesen Tagen die einzige Möglichkeit, um zu erfahren, wie der Verein tickt."

Hofmann über seinen neuen Klub: "Die Art, wie Mainz 05 Fußball spielen will, unterscheidet sich nicht groß vom Dortmunder Fußball." Foto: Jörg SchneiderZu seinem Eindruck vom neuen Trainer:

"Bei unserem ersten Gespräch habe ich direkt gespürt, dass wir auf einer Wellenlänge liegen", sagte Hofmann. "Der Trainer hat mir erklärt, wie das Spiel für ihn funktionieren soll und ich habe gleich gemerkt, wie das meinem Spiel entgegenkommt. Wir haben keine großen Meinungsunterschiede. Ich fühle mich bereit, am Samstag schon zu spielen und das umzusetzen."

Zu seinen möglichen Rollen in der Mainzer Mannschaft:

Bei den Junioren der TSG Hoffenheim - sein U17-Trainer war dort ebenfalls David Wagner - war Jonas Hofmann noch ein klarer Zehner. Einer, an den die 05er gute Erinnerungen haben: Beim 4:1-Sieg der Mainzer U19 in Hoffenheim in der Saison 2010/11 schoss Hofmann zwar den 1:2-Anschlusstreffer der TSG, hatte aber beim Stand von 0:0 einen Handelfmeter an den Pfosten geschossen. Zu den Mainzer Torschützen zählte übrigens der heutige Dortmunder Erik Durm. Erst als er 2011 kurz vor seinem 19. Geburtstag nach Dortmund wechselte, wurde Hofmann variabler. Er spielte als Außenstürmer, als Zehner, bisweilen sogar als Sechser. "Der Trainer sieht mich eher außen", sagte der 22-Jährige. "Da kann ich meine Stärken einbringen. Aber ich kann auf allen drei Offensivpositionen spielen, das ist mir egal. Hauptsache spielen, Spielpraxis ohne Ende bekommen, auf mich aufmerksam machen. Ich sehe hier eine große Chance für mich und hoffe, in den kommenden Wochen und Monaten viel auf dem Platz zu sein." Dass er in einem Jahr wieder nach Dortmund muss, spiele für Hofmann keine Rolle: "Darüber habe ich gar nicht nachgedacht."

Hofmann freut sich auf ein Zusammenspiel mit Shinji Okazaki: "Robert Lewandowski ist ja ein spielstarker Stürmer, mit dem man gut kombinieren kann", erklärte der neue 05er. "Das wird mit Shinji ähnlich sein. Meinem Spiel kommt das entgegen." Schon am Ende der kommenden Woche wird Hofmann seine Dortmunder Kollegen in Mainz begrüßen können. "Ich habe der BVB-Gruppe in Whatsapp schon angekündigt, dass sie sich warm anziehen sollen", lachte Hofmann. "Aber vor dem großen Wiedersehen ist es erst einmal wichtig, gegen Hertha zu punkten."