„Wir haben keinen Robben, wir brauchen das Kollektiv“

Jörg Schneider. Mainz.
Das Heimspiel in der Coface Arena gegen den SC Freiburg am Samstag in acht Tagen, unmittelbar im Anschluss an die Länderspielpause, leitet das letzte Drittel dieser Bundesliga-Vorrunde ein. Bis Weihnachten geht es dann ohne Unterbrechung und mit einem vollgepackten Spielplan. Sechs Begegnungen in vier Wochen. Der FSV Mainz 05, derzeit Tabellenachter, hat eine gute Ausgangsposition, um sich bis zur Winterpause fest im oberen Mittelfeld zu etablieren. Dafür, sagt Kasper Hjulmand, braucht es aber nach wie vor Verbesserungen und Weiterentwicklung in allen Bereichen des Spiels.

Erklären, zeigen, schulen: Kasper Hjulmand auf dem Trainingsplatz. Foto: Jörg SchneiderMit 15 Punkten aus elf Saisonspielen verkörpert der FSV Mainz 05 derzeit das klassische gehobene Mittelfeld der Bundesliga – punktgleich mit den Teams aus Augsburg, Köln und Paderborn. Drei Siege, sechs Unentschieden und nur zwei Niederlagen, das ist eine Bilanz, die höher eingeschätzte Klubs wie Schalke 04, Borussia Dortmund oder Hertha BSC nicht hinbekommen haben. Auch nicht die Frankfurter Eintracht. Von den Bremern, Hamburgern und Stuttgartern ganz zu schweigen.

Entscheidend dabei ist ganz sicher die Anzahl der Gegentore. Zwölf Treffer haben die Mainzer kassiert. Nur fünf Mannschaften in der Liga haben weniger. Das spricht für eine gute Defensivorganisation, für eine insgesamt stabile Abwehr, für starke Innenverteidiger und für einen guten Torhüter. Die Abwehr, betont Kasper Hjulmand regemäßig, habe das Team dahin gebracht, wo es derzeit stehe. „Wir haben viermal zu Null gespielt und in Berlin ein Gegentor durch einen unnötigen Elfmeter bekommen“, zählt der 05-Trainer auf. Das sei die Basis für alles gewesen.

Trotzdem sieht der Däne auch in seiner hintersten Reihe genügend Ansatzpunkte zur Verbesserung. „Wir haben gute Szenen in der Abwehr, auch jetzt in Leverkusen wieder. Wir finden aber, dass wir noch viel an den Zusammenhängen verbessern können.“ Die Arbeit daran ist ein Thema dieser Länderspielpause. Zwar sind mit Junior Diaz, Joo-Ho Park und Gonzalo Jara drei der Außenspieler auf Nationalmannschafts-Tour, doch alle Innenverteidiger trainieren am Bruchweg und erhalten in den kommenden Tagen intensive Schulung in Kleingruppen.

Der letzte Pass ist entscheidend: Hier versucht sich Sami Allagui daran. Foto: Jörg SchneiderEin weiterer Schwerpunkt des 05-Spiels, der verbesserungswürdig ist, liegt im Übergang, wie der 05-Trainer das nennt. Im Umschalten vom Aufbauspiel zum Angriffsspiel, bis zum und in den gegnerischen Strafraum. Da haperte es vor allen Dingen in Leverkusen gewaltig. „Wir waren in der ersten Halbzeit dort absolut gleichwertig mit unserem Spiel. Das heißt, dass wir auch gegen solch starke Mannschaft gut mitspielen unsere eigenen Ideen durchsetzen können“, sagt Hjulmand. „Das ist ein wichtiger Schritt in unserer Entwicklung.“ Allerdings hätte aus dieser Gleichwertigkeit mehr herauskommen müssen. Mehr erspielte Chancen, mehr Abschlüsse. Und da liegt der Hase begraben.

Gute erste Phase im Spielaufbau

„Unsere erste Phase im Aufbau gegen das Pressing ist sehr gut. Wir erobern den Ball, kommen raus aus der Umklammerung, können den Ball durch diese Linie wegspielen, haben die Positionen besetzt. Doch dann“, sagt der Däne, dann fehle das richtige, exakte Passspiel. „Der letzte Pass ist einfach das Wichtigste überhaupt. Wir waren da etliche Male zu spät. Einen Kontakt zu viel oder die falsche Seite gewählt.“ Der Gegner ging dazwischen, gewann den Zweikampf und war in der Lage, selbst schnell die eigene Offensivmöglichkeit anzugehen. Dadurch gerieten die Mainzer häufig unter Druck.

„Du kannst jetzt sagen, das ist nicht gut trainiert, es liegt an der individuellen Qualität oder an der Konzentration. Das ist schwer zu beurteilen, aber es war nicht nur in Leverkusen so der Fall“, erklärt der 05-Trainer. An der individuellen Qualität, da ist sich Hjulmand jedoch sicher, liegt es nicht. „Eher am Timing.“ Das wiederum kann man im Training verbessern. Er müsse auch mit den einzelnen Spielertypen noch mehr arbeiten, ihnen andere Möglichkeiten aufzeigen. Er versuche in dieser Thematik nicht den Typen zu ändern, sondern dessen Gewohnheiten.

„Wir sehen es an den einzelnen Spielphasen, in denen wir gute Momente haben. Wir entwickeln da einiges im Spiel. Yunus Malli und Ja-Cheol Koo gehen immer zum Ball, bleiben aber oft außen vor dem Strafraum, statt auch mal tief zu gehen.“ Wie überhaupt die beiden Spielgestalter im Mittelfeld von ihrem Naturell her eher den Lauf in die Tiefe scheuten. Daran werde gearbeitet. Nun sind aber Malli und Koo in diesen Tagen nicht verfügbar, an den Trainingsinhalten ändert dies nichts, weil die Themen auch für andere gelten.

„Wir haben keinen Robben vorne“, sagt Hjulmand. „Wir brauchen immer das Kollektiv. Qualität in allen unseren Zusammenhängen.“ Er habe nach dem 0:0 vom Wochenende diesen Auftritt mit der Mannschaft zusammen noch einmal analysiert. Dabei habe er dem Team 15 Szenen präsentieren können, in denen große Möglichkeiten gegeben waren. „Wir hatten nicht viele Abschlüsse und nicht viele Torchancen, aber sehr, sehr viele Potenziale.“ Als Potenziale bezeichnet der 05-Trainer die Situationen, aus denen richtige Chancen entstehen, wenn der Passgeber im fraglichen Moment die richtige Entscheidung fällt, den Pass in die vorderste Reihe richtig spielt und der Stürmer den Laufweg erkennt. In Leverkusen ging das auffallend oft schief. „Das war nicht gut“, sagt Hjulmand. „Aber es ist für mich gut zu sehen, dass dieses Potenzial da ist, und wir nicht weit weg davon sind.“

Der 42-Jährige ist davon überzeugt, dass die Mannschaft schon ein großes Stück vorangekommen ist auf ihrem Weg „Die Entwicklung ist da. Das zeigen uns regelmäßig die einzelnen Spieldaten.“  

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