Will Werder Ablöse für Rouven Schröder?

Jörg Schneider. Mainz.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung von Werder Bremen hat bestätigt, dass sein Sportdirektor Rouven Schröder den Klub verlassen und als Nachfolger von Christian Heidel nach Mainz wechseln will. Klaus Filbry kündigte Gespräche mit den Beteiligten an, um eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Das klingt danach, dass der Bundesligist auf eine Ablösesumme aus sein könnte. Zunächst allerdings muss der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 der Verpflichtung des aktuellen 05-Managers zustimmen, damit das zähe Thema überhaupt ein Ende finden kann.

Rouven Schröder möchte Nachfolger von Christian Heidel in Mainz werden. Foto: ImagoDer SV Werder Bremen hat offiziell bestätigt, dass sein Sportdirektor Rouven Schröder den Klub verlassen und Nachfolger von Christian Heidel in Mainz werden will. „Rouven hat mich informiert, dass er Kandidat Nummer eins bei den Mainzern ist. Und er möchte das gerne machen“, erklärte Werder-Sportchef Thomas Eichin der „Syker Kreiszeitung“. Klaus Filbry, der Vorsitzende der Werder-Geschäftsführung, bestätigte dies am Sonntagabend bei „Sky90“ und fügte hinzu: „Rouven hat einen Vertrag bei uns bis 2017. Wenn es sich denn so entwickeln sollte, wie es sich andeutet, dann müssten wir mit ihm und Mainz reden, um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten akzeptabel ist.“ Das klingt danach, dass der Mainzer Bundesliga-Rivale gerne eine Ablöse sehen würde.

Christian Heidel sagte dazu bei „Bild“: „Es gibt noch keinen Vertrag. Das steht alles unter dem Vorbehalt, dass in Mainz die Position frei wird und Rouven die Freigabe erhält. Ich kann doch über ein Angebot von Schalke nur entscheiden, wenn ich weiß, dass es eine Nachfolge-Regelung in Mainz geben würde. Das habe ich immer betont.“ Immerhin, das leidige und zähe Thema könnte in Kürze beendet sein. Oder doch nicht? Am nächsten Sonntag muss der Aufsichtsrat des FC Schalke 04 noch der Verpflichtung Heidels zustimmen. Das fehlte jetzt gerade noch, wenn das ganze Theater durch ein Nein im Ruhrpott auf den Höhepunkt getrieben würde. Dass der Vorstand des FSV Mainz 05 einer Verpflichtung Schröders zustimmt und Heidel die Freigabe für die kommende Saison erteilt, ist wahrscheinlich. Stellungnahmen dazu gibt es momentan nicht. Am Freitagabend, nach dem 2:1-Sieg gegen die Schalker, blieben die Verantwortlichen in Deckung. Die Geschichte um die Aufwandsentschädigung der 05-Vorstandsmitglider und des Präsidenten Harald Strutz, das deutlich negative Medienecho auf das vom Klub in Auszügen veröffentlichte Gutachten, das die Rechtmäßigkeit der für Ehrenämtler außergewöhnlich hohen Bezüge bescheinigte, belastet das Verhältnis der Klub-Führung zu den Journalisten. Normalerweise bleiben Strutz und einige seiner Vorstands-Kollegen nach solchen Erfolgen gerne zum Plausch mit den Reportern stehen. Nach dem Schalke-Triumph verdrückten sie sich schnell in sichere Gefilde. Heidel selbst stand später in der halb geöffneten Tür zur Mannschaftskabine und wetterte empört gegen die Kritiker.

Das wirklich Gute an der ganzen Angelegenheit ist die Tatsache, dass sich die Mannschaft der 05er gänzlich unbelastet gibt von allen Misstönen und Negativ-Strömungen, die um sie herum auftauchen. Weder der wahrscheinliche Abgang ihres Managers, noch die Diskussion um die Führungsriege scheinen die 05-Profis in ihrer Konzentration und Arbeits-Aufmerksamkeit zu stören. Die Mannschaft von Martin Schmidt hat mit diesem begeisternden Erfolg mit dem Champions-League-Aspiranten gleichgezogen auf 33 Punkte. Die Schalker belegen nach diesem 21. Spieltag bei gleicher Tordifferenz Platz fünf, weil sie drei Treffer mehr erzielt  haben als die Mainzer. Die bleiben als Sechster weiterhin vor dem VfL Wolfsburg und Borussia Mönchengladbach, haben zwölf Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz und sind mit nur zwei Punkten Rückstand auf Bayer Leverkusen und Hertha BSC sogar in Schlagdistanz auf einen Champions-League-Platz.

Mentalitäts-Prüfung

„Wir freuen uns über diesen für uns so wichtigen Sieg“, sagte der 05-Trainer. „Es wird jetzt spannend sein zu sehen, wie wir uns in Hoffenheim schlagen. Das wird ein spezielles Ding. Wir gehen nach drei gewonnenen Spielen gegen einen Gegner, der im Abstiegskampf ist. Da werden wir abgeprüft: Wie weit sind wir im Kopf? Wie weit sind wir in unserer Mentalitäts-Entwicklung wirklich?“

Deshalb ist das Thema Europapokalplatz keines, mit dem sich der Schweizer im Moment befassen möchte. „Wir wehren uns nicht dagegen, aber wir sprechen es nicht an“, sagte Schmidt. „Es ist auch überhaupt kein Thema im Team. Weil wir so viele andere kleine Themen haben und so viele andere Ziele. Heute haben wir wieder eines erreicht. Letztes Mal haben wir die 30 Punkte geholt. Jetzt wieder gewonnen. Wir wollten ja die Hinrunde betätigen. Nun haben wir einen Schritt gemacht, den wir in der Vorrunde nicht geschafft haben - einen Top-Act zu knacken. Den haben wir nun geknackt.“

Intern werde stets mehr über solche Dinge geredet als über Tabellen-Arithmetik. „Diese Woche reden wir darüber, wie wir nach Hoffenheim gehen. Da sind wir in der Verantwortung zu rechtfertigen, warum wir im Moment auf einem guten einstelligen Tabellenplatz stehen. Wenn wir es irgendwann schaffen, diese wichtigen Hausaufgaben zu machen und Gegner, die da hinten raus wollen, einzubremsen, dann sind wir soweit, dass wir sagen können: Wir können diesen einstelligen Tabellenplatz festigen. Aber im Moment sind wir davon noch weit entfernt.“, betonte Schmidt. Mit jedem guten Spiel, das die Mannschaft abliefere, könne vielleicht irgendwann bei den Profis der Glaube wachsen, dass noch mehr drin sei. „Wir haben aber eine Liste von kleinen Zielen. Handlungs- und Prozesszielen. Europapokal steht da nirgends drauf.“

Eine solche Diskussion kann ohnehin erst dann ernsthaft geführt werden, sollten die 05er nach den Begegnungen in Hoffenheim, gegen Leverkusen, in München, gegen die Darmstädter und in den beiden Auswärtsauftritten in Dortmund und Bremen immer noch in Reichweite der internationalen Plätze sein.  

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