Wie schnell funktioniert das Projekt Onisiwo?

Jörg Schneider. Marbella.
Der Winter-Neuzugang hat auf Anhieb einen guten Eindruck vermittelt im Trainingslager des FSV Mainz 05 in Marbella. Wenn ihm der Verein die Zeit gebe sich zu entwickeln, werde er den Sprung in die Bundesliga schaffen, sagt Karim Onisiwo in Andalusien. Christian Heidel hat vor Ort noch einmal die Hintergründe des Transfers erläutert und bezeichnet die Verpflichtung des Stürmers als neuestes Projekt von Mainz 05.

Nach der harten Trainingseinheit am Vormittag stand am Donnerstagnachmittag für einige 05-Akteure eine Laufeinheit an. Neuzugang Karim Onisiwo drehte mit Philipp Klement und Maximilian Beister seine Runden im Marbella Football Center. Foto: Jörg SchneidetrDie ersten Eindrücke sind schon mal vielversprechend. Karim Onisiwo, der Winter-Zugang des FSV Mainz 05, steht kompakt auf dem Platz des Marbella Football Centers. Der fast 190 Zentimeter hohe Stürmer behauptet sich auf dem engen Spielfeld in den intensiven Spielformen, die Martin Schmidt in den ersten Tagen in Andalusien mit seinem Kader übt. Der 23-Jährige, der Anfang der Woche einen Vertrag für die nächsten dreieinhalb Jahre beim Bundesligisten unterschrieben hat, zeigt einen blitzschnellen Antritt, kann mit der Kugel umgehen, findet sich im Raum gut zurecht, kann auch mit dem Rücken zum Tor den Ball abschirmen und sucht ziemlich schnell den Abschluss. Die Konkurrenzsituation im Angriff des Bundesligisten hat sich mit dem neuen Mann noch einmal verändert.

„Kampfstark, Zweikampfstark, sucht direkt die Tiefe, Torgefährlich, Zug zum Tor, steht stabil auf den Beinen, wirkt aber auch elegant“, zählt der 05-Trainer spontan seine ersten Eindrücke vom Österreicher auf. „Wir müssen mal sehen, wie der Junge jetzt körperlich und muskulär drauf ist, wie er unser forderndes Training verkraftet“, sagt der 48-Jährige. „Wir werden ihn langsam ranführen, wenn er in drei bis fünf Wochen topfit ist, haben wir viel richtig gemacht.“

Die große Frage wird sein, wie sich der talentierte Angreifer an die Bundesliga-Anforderungen anpasst. „Schnelligkeit und das Eins-gegen-eins-Spiel suchen“, beschreibt der Profi selbst seine Stärken. „Ich kann auch einen guten letzten Pass spielen.“ Er müsse jetzt Gas geben im Training. Das sei ihm bewusst. In den Gesprächen mit dem Trainer und dem 05-Manager habe er im Vorfeld des Transfers die richtigen Worte gehört: Entwicklung und Zeit. „Für mich ist das ein sehr großer Schritt in die Bundesliga. Ein echter Entwicklungsschritt. Wenn man mir die Zeit gibt, dann werde ich das schaffen“, sagt Onisiwo in Marbella. „Ich will und muss mich weiterentwickeln. Bis jetzt bin ich in jedem Jahr eine Stufe höher gesprungen. Ich hatte zweieinhalb sehr gute Jahre, aber ich denke, auch ich selbst muss mir die Zeit geben, um diesen Schritt zu vollziehen. Ich werde in jedem Fall Gas geben und sehen, was am Ende dabei herauskommt.“

Über das Thema SV Mattersburg will der Sohn eines nigerianischen Vaters und einer Wiener Mutter nicht mehr groß reden. „Das Gericht hat am 1. Januar bestätigt, dass der Vertrag nicht gültig ist und aufgelöst wird. Das Urteil ist gesprochen.“ Dass die 05er den Stürmer ablösefrei holen konnten, liegt an einem längeren Vertragsstreit zwischen Onisiwo und dem SV Mattersburg. Der Klub hatte den ursprünglichen Einjahreskontrakt per Option bis 2017 verlängert, dabei aber offenbar nicht wie bei Vertragsschluss vereinbart das Gehalt angehoben. Der Spieler klagte. Das Wiener Arbeits- und Sozialgericht erklärte den Vertrag schließlich rückwirkend zum Saisonbeginn für ungültig. Einen Tag später meldeten die 05er die Verpflichtung des Österreichers. Mattersburg hat angekündigt, in die Berufung gehen zu wollen.

Christian Heidel erläuterte in Marbella die Hintegründe des Winter-Transfers. Foto: Jörg Schneider„Der Spieler hat uns interessiert“, erzählt Christian Heidel in Marbella die Geschichte des Transfers. „Wir haben ihn längere Zeit beobachtet, waren mehrfach in Mattersburg und in Wien. Ich habe vor geraumer Zeit Kontakt aufgenommen, um herauszubekommen, ob der Spieler überhaupt zu verpflichten ist und was Mattersburg für Vorstellungen hat.“ Das sei auf dem normalen Weg geschehen. Man frage zunächst beim Berater nach, wie die Situation des Spielers sei. Vom Berater habe er dann erfahren, dass er in Mattersburg nicht anrufen müsse, dort gebe es keinerlei Verhandlungsbereitschaft. „Der Berater hat mir erklärt, dass da ein Verfahren anhänglich ist, um feststellen zu lassen, dass der Vertrag des Spielers ungültig ist. Das hat ja zunächst mal keine Auswirkung auf unsere sportliche Einschätzung des Spielers“, sagt Heidel. Vor etwa vier Wochen hatten wir ein  Gefühl, dass Karim nach Mainz will.“ Onisiwo hatte mehrere Angebote aus dem Ausland und von den großen Drei im Nachbarland: RB Salzburg, Austria Wien und Rapid.

„Mal losgelöst von diesem Streit, hat Onisiwo das Thema nicht angefangen um einen Wechsel zu erzwingen“, sagt Heidel. „Über den Vertrag dort kann man sich einfach nur wundern. Ein Jahr, plus zwei Jahre Option, plus 15 Prozent Gehaltserhöhung. Dazu kommt, dass das Gericht im Urteil festgestellt hat, dass die Wahrnehmung der Option unwirksam ist. Dazu hat das Gericht festgestellt, dass die ganze Option unwirksam ist.“

Nach österreichischem Recht müsse das Urteil sofort vollstreckt werden. „Der Spieler hat also keinen Vertrag mehr. Er hat schon im August sämtliche Gehälter an Mattersburg zurückgezahlt und hat dort auch kein Geld mehr bekommen. Wir haben einen Spieler verpflichtet, der definitiv keinen gültigen Arbeitsvertrag hatte. Daran gibt es nichts zu rütteln und das wird immer so bleiben“, betont der 05-Manager. In einer möglichen Berufung könne weder Mainz 05, noch dem Spieler etwas passieren.

„Jetzt kann man fragen, hat Mainz 05 mit diesem Transfer irgendetwas moralisch Verwerfliches getan“, so Heidel. „Da muss ich sagen, ganz sicher nicht. Fakt ist, wenn wir ihn nicht genommen hätten, hätte er einen Tag später bei einem anderen Klub unterschrieben. Er war ja definitiv vertragslos.“ Der Klub hätte Onisiwo allerdings nicht verpflichtet, sagt Heidel, „wenn er drei Millionen gekostet hätte. Dann wäre er für uns kein Thema gewesen.“

Am Bruchweg seien alle verantwortlichen der Auffassung, dass der 23-Jährige ein bisschen was Besonderes habe und viel Potenzial. „Wir glauben, dass wir aus ihm mehr rausholen können, wenn er eine Zeitlang bei uns ist, als dies in Österreich möglich wäre. Er hat Dinge, die andere nicht haben. Wir glauben, dass wir aus ihm einen Bundesligaspieler machen können. Wir sind nicht so vermessen zu glauben, dass er im ersten Spiel vier Tore schießt. Oder Stammspieler ist vom ersten Tag an, aber wir lassen uns gerne überraschen. Das ist wieder ein Projekt von uns.“

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