Wettbewerbsverzerrung: Sechs Punkte für HSV

Jörg Schneider. Mainz.
Die derzeitige Diskussion zum Thema Wettbewerbsverzerrung findet Martin Schmidt nicht gut. Dem FC Bayern München, der als Meister seit geraumer Zeit feststeht und der am Samstag, nach dem Spiel gegen den FSV Mainz 05, die Meisterschale in der Allianz Arena erhält, wird von verschiedenen Seiten vorgeworfen, durch seine drei Niederlagen in Serie zu viel Einfluss genommen zu haben. Die Kritik war aufgekommen, nachdem die Bayern auch noch beim SC Freiburg verloren hatten. „Ich will mich zwar nicht einmischen, ich sehe das aber anders“, sagte der 05-Trainer in der Medienrunde am Dienstag.

Der FSV Mainz 05 (hier mit Pierre Bengtsson und Keeper Loris Karius gegen Pierre-Michel Lasogga) hat beide Saisonspiele gegen den HSV verloren.Dem FC Bayern München Wettbewerbsverzerrung vorzuwerfen, findet Martin Schmidt übertrieben. Die Stimmen waren von verschiedenen Seiten aufgekommen, nachdem das als souveräner Meister seit Wochen feststehende Team von Pep Guardiola drei Niederlagen in Folge kassiert hatte. Zuletzt mit 1:2 beim stark abstiegsbedrohten SC Freiburg. Danach hagelte es Kritik für die ansonsten in dieser Saison so übermächtigen Bayern. „Ich will mich zwar nicht einmischen, ich sehe das aber anders“, sagte der 05-Trainer in der Medienrunde am Dienstag, zu Beginn der Trainingswoche.

 „Jeder von den Top-fünf-Teams hat im Laufe der Saison Spiele gegen schlechter platzierte Mannschaften verloren, das ist dann doch auch keine Verzerrung gewesen“, sagte der Schweizer. „So gesehen haben wir ja auch Wettbewerbsverzerrung betrieben, weil wir dem HSV sechs Punkte gegeben haben.“ Die Negativserie der Bayern sei stark geprägt gewesen vom Halbfinale in der Champions League. „Die haben dem alles untergeordnet. So, wie wir alles dem Abstiegskampf untergeordnet haben. Dazu war ihr Kader durch Verletzungen ausgedünnt, und plötzlich hatten sie Probleme in der Breite.“

Das Problem dabei für Schmidt: Seine Mannschaft wird wahrscheinlich dafür büßen müssen am Samstag, beim Gastspiel zum Saison-Finale in der Allianz Arena. „Die sind jetzt gereizt und wütend. Die werden sicherlich noch einmal alles raushauen gegen uns.“ Trotzdem freuen sich Schmidt und dessen Profis auf diese Herausforderung beim haushoch favorisierten Meister. „Wir haben unser Primärziel erreicht mit dem Klassenverbleib. Das Beste, was uns passieren konnte, ist nun zum Abschluss gegen die Bayern zu spielen“, sagte der 48-Jährige. „Diese zwei Spiele gegen die Münchner haben immer einen besonderen Charakter. Für die Spieler ist ein Duell mit dem FC Bayern eine große Motivation.“ Zu Hause ebenso wie in München. Der Auftritt in der Allianz Arena, das Spiel als Vorprogramm zur Meisterfeier. „Da will man sich so teuer wie möglich verkaufen und sich zeigen.“

Daniel Brosinski meldet sich zurück

Damit das gelingt, gibt es am Bruchweg eine normale, aber intensive Arbeitswoche. Der Coach hatte für den Dienstagmorgen eine umfassende Analyse des 2:0-Sieges gegen den 1. FC Köln auf den Tagesplan gesetzt. „Da war vieles aufzuarbeiten. Unser Defensivverhalten, unser Konterverhalten, unser Verhalten nach Ballverlusten. Das alles nehmen wir mit in die Trainingswoche, um uns optimal auf die Partie vorzubereiten.“

Und weil dieses letzte Saisonspiel in München diese motivierende Wirkung hat, möchte natürlich auch jeder der 05-Profis auf dem Platz stehen. „Jeder Spieler hat die ganze Woche Zeit, sich dafür zu qualifizieren und sich von seiner besten Seite zu zeigen, sich aufzudrängen“, sagt Schmidt, der schon vor dem abschließenden Heimspiel gegen die Kölner betont hatte, nur nach Leistungs- und Taktik-Gesichtspunkten aufzustellen, nicht nach Sentimentalitäten.

„Das wird wieder so sein. Unsere Herangehensweise und die Taktik spielen rein in die Kader-Überlegungen. Es gibt keine Geschenke. Das ist ein ganz normales Bundesliga-Spiel.“ Umstellungen sind trotzdem zu erwarten. Daniel Brosinski hat seine Rot-Sperre von zwei Spielen abgesessen und drängt wieder auf seinen Platz auf der rechten Abwehrseite. „Er war zwei Spiele raus, hat aber gut trainiert“, berichtet der Trainer. „Manchmal sogar besser als davor. Daniel kann sich anbieten.“ Doch Schmidt wird den schnellen, bissigen Abwehrspieler mit großer Wahrscheinlichkeit sowieso bringen. „Er hat 31 Startelf-Nominierungen und hat bei mir nur die drei Minuten gefehlt, als er vom Platz geflogen ist. Er ist Stammspieler und hat natürlich beste Chancen.“

Für die Mainzer Profis ist die Saison mit der Partie in München nicht zu Ende. Erst ab Mittwoch nächster Woche geht’s in den verdienten Urlaub. „Wir fahren bis dahin das normale Programm“, sagt der Coach. Regeneration nach dem Spiel, Training am Dienstagmorgen. Am Abend dann das Benefizspiel bei Borussia Neunkirchen. Am Mittwoch erfolgen dann noch der allgemeine Check und die Hausaufgabenverteilung. Danach gibt’s Ferien.

Allerdings auch wieder nicht für alle. Für die meisten Nationalspieler stehen ab 8. Juni schon wieder jede Menge Länderspiele auf dem Plan. Johannes Geis, Yunus Malli und Loris Karius bestreiten ab 15. Juni die U21-EM in Tschechien und müssen ziemlich direkt zum Vorbereitungs-Trainingslager. Gonzalo Jara spielt mit Chile ab 1. Juni im eigenen Land bei der Copa América.

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