„Wenn ein Spieler geht, ist er weg“

Jörg Schneider. Mainz.
Die beiden Trainer loben den Gegner jeweils in den höchsten Tönen. Schmidt-Leverkusen spricht vor dem Auftritt seiner Bayer-Elf am Samstag in der Opel Arena vom schwierigsten Spiel der bisherigen Saison. Schmidt-Mainz stellt sich auf eine Herausforderung ein wie gegen Bayern oder Dortmund. Das Publikum wird sich auf eine spannende und intensive Auseinandersetzung freuen können. Ein Wiedersehen gibt’s mit Julian Baumgartlinger. Auf die Frage, ob Martin Schmidt angesichts der aktuellen Sechser-Problematik den Ex-Kapitän vermisse, sagte der 05-Trainer kategorisch: „Wenn ein Spieler geht, ist er weg.“

Den Gegner stark reden und in den höchsten Tönen loben, ist üblich in den Pressekonferenzen der Klubs vor Bundesliga-Spielen. Der Trainer des FSV Mainz 05 tut dies ganz gerne, um die Erwartungshaltung vor Heimspielen in vernünftigen Bahnen zu halten. Auch vor der Partie am Samstag gegen Bayer 04 Leverkusen in der Opel Arena hat Martin Schmidt den Gegner gepriesen und auf die Schwere des Heimspiels hingewiesen nach den zwei Auswärtserfolgen seiner Mannschaft in dieser Englischen Woche. Diesmal hat jedoch  Schmidts Namenvetter ins gleiche Horn geblasen. Roger Schmidt hat in der Leverkusener Veranstaltung die 05er abgefeiert. Der Bayer-Trainer betonte, er erwarte das schwierigste Spiel für seine Mannschaft in der bisherigen Saison.

Kann Jhon Cordoba den Leverkusenern am Samstag die Zunge rausstrecken? Der 05-Mittelstürmer, der bisher zwei Saisontreffer erzielt hat, schoss beim Mainzer 3:1-Sieg in der vergangenen Saison das Tor zum 2:0. Foto: Ekkie VeyhelmannDen Mainzern wird gefallen, was der 49-Jährige da so alles an Positiva über die 05er zu erzählen hatte. „Sie haben eine sehr gute Form, spielen sehr geschlossen, sehr mutig, sehr aggressiv in den Zweikämpfen, sehr willig im schnellen Umschalten, gehen gut auf die zweiten Bälle, spielen ein gutes Gegenpressing“, erklärte Schmidt-Leverkusen. „Mainz hat in Bremen in den letzten vier Minuten die Bälle fast schon mit einer Selbstverständlichkeit rein geschossen in Situationen, die viel schwieriger waren als einen Elfmeter zu verwandeln." Die Leverkusener hatten zuletzt gegen Augsburg wie auch schon zuvor in Frankfurt einen Strafstoß verschossen.

Für Schmidt-Mainz ist der kommende  Gegner ein Spitzenteam. „Ich finde zu hundert Prozent, dass sie aufgrund ihres Kaders, ihrer hochkarätigen Zusammenstellung ein Top-Drei- oder Top-Vier-Team sind. Sie haben ihren Kader noch einmal in der Breite verbessert. Auch das Augsburg-Spiel, was sich vom 0:0 her nicht so gut anhört, musste ein ganz anderes Ergebnis widerspiegeln. Die haben ihre Chancen, die haben ihre Qualität. Nur sieht man das bisher nicht so in den Ergebnissen, aber es ist eine Frage der Zeit, bis sich bei einem solchen Team der Knopf löst.“

Der 05-Trainer warnt davor, mit der Einstellung in diese Partie zu gehen, der Gegner komme gerade zur rechten Zeit nach zwei eigenen Auswärtssiegen gegenüber einer Leverkusener Niederlage in Frankfurt und dem 0:0 gegen die Augsburger. „Es wäre schön, sich einzureden, dass dies der richtige Gegner zur richtigen Zeit ist. Im letzten Jahr sind wir auf Leverkusen getroffen, da hatten sie zuvor dreimal verloren. Es war trotzdem kein guter Moment, weil wir dann selbst diese Partie verloren haben“, sagt der 05-Coach. „Sie haben das letzte Spiel unentschieden gespielt. Darauf wird sicher nun eine Reaktion kommen. Davon bin ich überzeugt. Uns einzureden, die sind angeschlagen, wäre ein Fehler. Sie haben eine ähnliche Belastung wie wir, sie spielen Champions-League, sie rotieren auch und kommen jetzt wieder mit neuen Leuten. Deshalb wollen wir nicht so denken.“

Schmidt und dessen 05-Profis sind bislang gut damit gefahren, sich in erster Linie auf ihre eigene Leistung, ihre Prinzipien und ihre Performance zu konzentrieren. „Unser Selbstbewusstsein ist gewachsen. Der Sieg in Bremen hat uns noch einmal einen Schub gegeben durch die Erfahrung, dass man ein solches Spiel noch drehen kann“, so der 49-Jährige. „Aber wir wollen demütig und auf dem Boden bleiben. Nur nicht abheben. Wir haben trotzdem ein gutes Gefühl, aber ein Siegtor macht noch nicht alles gut. Wir müssen uns erneut einer großen Herausforderung stellen.“

Die Konstellation dieser Paarung hat in der Vergangenheit meist hochinteressante Begegnungen garantiert. Auch am Samstag dürfte es wieder ein heißes, umkämpftes Tempospiel geben. „Bayer Leverkusen ist sehr, sehr schwer zu spielen. Das ist jedes Jahr das Spiel mit den meisten Zweikämpfen, mit dem meisten Umschaltverhalten beidseitig. Da geht es ständig in die eine oder die andere Richtung ab“, sagt Martin Schmidt. Der Gegner sei Top in der Vorwärtsverteidigung, mit starkem Pressing, Gegenpressing und Umschaltverhalten. „Sie geben aber auch nach hinten Räume frei. Das wird ein sehr laufintensives Spiel.“ In der vergangenen Saison sei die Partie gegen die Werkself das Spiel mit den meisten Sprints und hochintensiven Läufen gewesen. „Das wird wieder sehr anspruchsvoll für uns. Zudem hat sich der Gegner weiterentwickelt und den Ballbesitz in des Gegners Hälfte kultiviert. Das macht sie noch gefährlicher“, vermutet der 05-Trainer. „Das ist ein Gegner, der uns so herausfordert in allen Belangen wie Bayern oder Dortmund. Für uns wird das eine sehr komplexe Geschichte. Du musst sowohl Umschalten und Pressing verteidigen, als  auch gegen den Ballbesitz gut stehen, die Räume verdichten, alles abdecken, was die Defensive verlangt. Das ist eine hohe Anforderung. Auf der anderen Seite muss man immer noch die Kraft und die Position besetzt haben, um in unser Umschaltspiel zu kommen. Das wird von uns erwartet.“

20 Mal gab’s in der Bundesliga bisher Begegnungen mit den Leverkusenern. Die Bilanz ist absolut ausgeglichen: acht Mainzer Erfolge, acht Bayer-Siege, vier Unentschieden. In der vergangenen Saison gewann die 05er zu Hause 3:1 und verloren auswärts mit 0:1. Insgesamt haben die 05er im eigenen Stadion in zehn Heimspielen 16 Punkte geholt gegen diesen Gegner.

Am Samstag gibt’s auch ein Wiedersehen mit Julian Baumgartlinger. Der Kapitän der vergangenen Spielzeit war unmittelbar nach der Saison nach Leverkusen gewechselt. Auf die Frage, ob er einen solchen Spieler nicht vermisse und im Moment vielleicht gerne in seinem Kader hätte, antwortete Schmidt kategorisch: „Wenn ein Spieler geht, ist er weg.“

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