Wechsel-Spieler auf Knopfdruck bereit

Jörg Schneider. Baku.
Die Individual-Fehler in der Abwehr begleiten den FSV Mainz 05 im Moment auch international. Zum Glück aber kann sich Martin Schmidt auf seine Stürmer und sein Wechselglück verlassen: Dank der beiden Joker-Tore von Jhon Cordoba 57 Sekunden nach dessen Einwechslung und Levin Öztunali drehten die 05er die Partie in Baku am Donnerstagabend, holten sich einen 3:2-Sieg bei Qäbälä FK und feierten ihren ersten Erfolg in der Gruppe C der Europaliga. Das Team belegt nach zwei Auftritten mit vier Punkten Platz zwei hinter RSC Anderlecht, das 1:1 in Saint-Etienne spielte. Die Stimmen zum Spiel.

57 Sekunden nach seiner Einwechslung gelang Jhon Cordoba vor 8500 Zuschauern in Baku der 2:2-Ausgleich. Zehn Minuten später erzielte der ebenfalls eingewechselte Levin Öztunali mit einer famosen Aktion und mit seinem schwächeren linken Fuß die 3:2-Führung für den FSV Mainz 05. Ein Spiel, das die Mainzer komplett dominiert hatten, war gedreht. Die eigentlich folgenschweren Abwehrfehler, die FK Qäbälä in den Mainzer Chaosminuten nach der Pause nutzte, um die von Yoshinori Muto erzielte Halbzeitführung in einen 2:1-Vorsprung zu verwandeln, blieben ohne Auswirkung. Martin Schmidt kann sich in dieser Saison auf seine Stürmer und sein Wechselglück verlassen. Die eingewechselten Angreifer machten an diesem Abend den Unterschied und sorgten dafür, dass die klar bessere Gästemannschaft für ihren guten und meist konzentrierten Auftritt in Aserbaidschan belohnt wurde. Der erste Sieg in der Gruppenphase der Europaliga. Vier Punkte in der Tabelle. Ein großer Tag für die 05er. Den die 350 mitgereisten Fans im Stadion so frenetisch und intensiv feierten, dass lange nach dem Abpfiff die Mannschaft noch einmal aus der Kabine kommen musste, um mit den Anhängern eine diesmal erfolgreiche, spektakuläre Vorstellung gebührend zu würdigen.

Kann sich im Moment auf seine Stürmer und sein Wechselglück verlassen: 05-Trainer Martin Schmidt. Foto: Imago„Wir sind sehr glücklich über diesen ersten Europa-League-Sieg. Er ist für die Fans und den Verein extrem wichtig. Wir haben nun vier Punkte, so haben wir uns das vorgestellt. Diesen Weg wollen wir weitergehen und freuen uns schon auf das Rückspiel gegen Qäbälä im Dezember“, sagte der Trainer nachher. Martin Schmidt hatte sein Team gut vorbereitet und aufgestellt für diese Partie. Die Mannschaft zeigte bis auf die Phase zwischen der 56. und 62. Minute eine starke, konzentrierte, energische Vorstellung und hätte klarer gewinnen können, wenn sie sich das Leben kurzfristig nicht selbst schwer gemacht hätte. „Das war heute das erwartet schwere und komplizierte Spiel. Qäbälä war bei Kontern sehr gefährlich und wir mussten das Spiel durch Ballbesitzfußball entscheiden. Bis zur Pause haben wir das auch solide gespielt und nur eine Chance zugelassen. In der Kabine haben wir angesprochen, dass Qäbälä noch einmal alles geben wird. Yunus Malli hätte dann kurz nach dem Wechsel das 2:0 machen müssen. Dann wäre das Spiel entschieden gewesen. Nach unseren Defensiv-Fehlern war es mit dem Rückstand dann ein völlig neues Spiel. Durch die Wechsel wollte ich das Spiel beschleunigen. Ich denke, das war heute auch die Entscheidung mit den Einwechslungen von Jhon Cordoba und Levin Öztunali. Dennoch war es immer bisschen hektisch auf dem Platz, inklusive des Spektakels, wofür wir aber in dieser Saison bekannt sind. Wenn wir immer drei Tore schießen, sind wir auf einem guten Weg, wollen aber noch mehr Ruhe und Stabilität in unser Spiel bringen. Am Ende hat es die Einwechselspieler gebraucht, die auf Knopfdruck bereit waren. Das Spiel heute gibt uns einen zusätzlichen Auftrieb.“

Siegtorschütze Levin Öztunali  erklärte: „Man kann es auch weniger spannend machen aus unserer Sicht. Trotzdem: Es ist super, dass wir den Rückstand noch drehen konnten. Wir fahren mit drei Punkten nach Hause und freuen uns, als Mannschaft den Sieg geschafft zu haben. Mal sehen, ob wir auf dem Rückflug die Augen zubekommen. Es ist gut, dass wir aus zwei Spielen vier Punkte geholt haben. Bei meinem Tor habe ich versucht nach innen zu ziehen und habe den Ball ordentlich getroffen.“

Stefan Bell, dem im Moment irgendwie die Seuche am Fuß klebt bei den sich wiederholenden unglücklichen Aktionen, sagte: „Es ist ein gutes Gefühl, die drei Punkte geholt zu haben zu haben, die wir schon am ersten Spieltag verdient gehabt hätten. Heute haben wir auch wieder ein gutes Spiel gemacht und waren sehr dominant. Trotzdem bekommen wir aus dem Nichts zwei Gegentore. Es war aber ein verdienter Sieg. Wir haben in der ersten Halbzeit gebraucht, um uns zu finden und einen tief stehenden Gegner richtig zu bespielen. Da haben wir etwas zu schnell die Geduld verloren. Wir sind dann super aus der Pause gekommen. Wir haben jetzt das Flugzeug für uns alleine. Ich freue mich drauf und die Fans können jetzt feiern“, so der Kapitän."

Harald Strutz musste zugeben, auf der Tribüne heftig mitgezittert zu haben. „Das war nach den beiden Gegentoren schon sehr hektisch. Wir waren aber die bessere Mannschaft. Die Souveränität am Ende hat den Sieg verdient. Mit zunehmender Spielzeit hat sich die Klasse unseres Teams durchgesetzt, aber wir machen es halt immer spannend. Ich freue mich über diesen ersten Sieg in der Europaliga-Gruppe. Ich freue mich auch für alle Fans, die uns begleitet und für die, die es von zu Hause beobachtet haben“, so der 05-Chef.

 „70 von den 90 Minuten waren wir heute sehr gut“, sagte Fabian Frei. „Damit sind wir sehr zufrieden. Bis zum 1:1 war es schon eine souveräne Leistung von uns. Sehr abgezockt, ohne große Probleme. Danach war es 20 Minuten lang unterwertig mit den zwei Gegentoren. Doch die Reaktion der Mannschaft darauf war super“, erklärte der Schweizer Mittelfeldspieler. „Irgendwie scheint sich das ja wie ein roter Faden  bei uns durchzuziehen. Wir würden natürlich gerne auch mal zu Null spielen. In den entscheidenden Szenen kommt etwas Pech dazu, da reagieren wir etwas unglücklich. Und diese kleinen individuellen Fehler werden auf diesem Niveau bestraft. Nachher haben wir aber viel Mentalität gezeigt, kühlen Kopf bewahrt und weiter gepflegten Fußball gespielt, statt mit der Brechstange zu arbeiten. Das zeichnet uns auch aus in den letzten Wochen. Und das stimmt mich sehr positiv für die weitere Saison.“

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