Vorsprung für Brosinski und Rodriguez

Jörg Schneider. Mainz.
Beim 4:0-Testspielsieg gegen den FC Liverpool in der Opel Arena beeindruckte Neuzugang José Rodriguez als Stratege im zentralen Mittelfeld. Ist der Spanier derjenige, der künftig die Rolle des abgewanderten Julian Baumgartlinger auf der sechs einnimmt? „Noch ist nichts fix“, sagt Martin Schmidt. Der Trainer räumt jedoch ein, dass sich Rodriguez einen kleinen Vorsprung erarbeitet habe. Ebenso wie Daniel Brosinski als neuer Linksverteidiger. „Das mit Brosinski ist auch etwas, was ich mir in der Bundesliga gut vorstellen kann“, betont der 05-Trainer.

Neuzugang José Rodriguez ist auf einem guten Weg als neuer Stratege im 05-Mittelfeld: Gegen den FC Liverpool zeigte der Spanier seine Stärken im Passspiel. Foto: ImagoEines der großen Themen vor der in gut zweieinhalb Wochen beginnenden Bundesligasaison war und ist die Frage, ob und wie es dem FSV Mainz 05 gelingt, den Abgang von Julian Baumgartlinger im zentralen Mittelfeld zu kompensieren. Der Österreicher war der Kopf, der Motor auf der Doppelsechs, der mit seiner Kampfkraft, seinem unermüdlichen Einsatz, vor allem im Spiel gegen den Ball, eine tragende Rolle spielte im Team von Martin Schmidt. Die Frage ist im Laufe der Vorbereitung sogar noch erweitert worden, weil Danny Latza, der in der abgelaufenen Saison meist neben Baumgartlinger spielte, wegen seiner Adduktorenverletzung erst diese Woche langsam ins Training integriert werden und dementsprechend für den Auftakt noch keine Option sein kann. Im Trainingslager im italienischen Aostatal erlitt zudem, Jean-Pierre Gbamin eine Knöchelprellung. Dadurch geht auch dem französischen Neuzugang wertvolle Zeit verloren, um sich an die Anforderungen dieser Position zu gewöhnen.

Der 4:0-Erfolg am Sonntag im Testspiel-Highlight gegen den FC Liverpool in der Opel Arena hat nun gezeigt, dass die 05er zumindest auf einem guten Weg sind, erneut einen stabilen Defensivblock stellen zu können und fußballerisch nicht schlechter geworden sind. Jürgen Klopp lobte nachher die bessere Organisation der Mainzer, die seinem Team mit einer sehr geordneten Defensivleistung, mit enormer Laufbereitschaft und aggressiver Zweikampfführung den Zahn gezogen hatte. Der 05-Trainer setzt im Moment auf ein 4-4-2-System, mit zwei versetzt agierenden Sechsern in der Mitte, zwei Außenstürmern, die bei gegnerischem Ballbesitz defensiv arbeiten und zwei Außenverteidigern, die zusätzlich einrücken und die Räume verengen. Hinten sichern dann die beiden Innenverteidiger ab. Eine Variante, die für Schmidt auch im Wettkampf-Ernstfall eine Option ist und die im Moment den Vorteil hat, dass die Sechser in der taktischen Einarbeitungsphase mehr Unterstützung erhalten.

José Rodriguez, das hat der Liverpool-Test gezeigt, ist da auf einem sehr guten Weg. Der Spanier agierte vor der Pause zusammen mit Suat Serdar. Das Duo harmonierte gut und gefiel. Rodriguez ist ein ausgezeichneter Fußballer mit einem ausgeprägten Raumgefühl. Der 22-Jährige ist der Stratege, der gute Entscheidungen trifft, meist anspielbar ist, der präzise alle Arten von Pässen spielt, das Spiel schnell macht und im Zweikampf, in der Balleroberung zustechen kann. Serdar ist der Fighter, der die größte Aggressivität in der Balleroberung aufweist. Dem 19-Jährigen fehlen allerdings mit dem Ball noch etwas Ruhe und Überblick. „José macht es super jetzt. Er hatte die ersten Wochen Probleme vor allem gegen den Ball. Er ist jetzt langsam drin und mit Suat zusammen schon ganz schön spielstark. Das tut uns gut. Aber auch Fabia Frei war stark und Danny Latza kommt auch noch. Ich glaube, wir haben für jede Spielweise Optionen auf der sechs“, sagte Stefan Bell, der designierte 05-Kapitän nach der Partie.

„Noch ist nichts fix“, betonte jedoch der Trainer. „Aus dem Trainingslager heraus hat das ganz gut gepasst so. Wir erwarten Danny Latza nun schnell zurück. Fabian Frei hat man gesehen, Besar Halimi hat man auch gesehen. Da sind jetzt einige, bei denen man sieht, dass der Kampf entbrannt ist um diese Positionen.“ Schmidt sieht noch Abstimmungsprobleme beim Spielaufbau. „Das haut noch nicht alles so hin. Jetzt müssen wir gucken, wer passt besser zum anderen. Zwei zweikampfstarke zu stellen bringt nichts. Es muss einer zweikampfstark sein, der andere muss ein Stratege sein. Wir werden gegen Köln wieder ein anderes Duo sehen.“ Am Donnerstag (15 Uhr) steht am Bruchweg der nächste Test auf dem Programm gegen den Bundesliga-Konkurrenten. Die Entwicklung von Rodriguez gefällt jedoch auch dem Trainer sehr. „Er hat das in sich. Er kann ein Fieser sein in den Zweikämpfen, raubt gut Bälle. Wenn er noch robuster wird, dann hat er einen kleinen Vorsprung, aber er macht es schon gut.“

Serdar sei ein sehr aggressiver, agiler Spieler, der das Pressing liebe und sich überall reinstürze. „Aber wenn er den Ball erobert, weiß er manchmal nicht, was er machen soll. Er ist ein junger Kerl. Er kann wirklich in den nächsten zwei Jahren ein Stammspieler werden. Er muss feiner werden, klarer werden. Suat bringt auf jeden Fall viel mit, was gut zu uns passt.“

Wie es scheint, hat derzeit Daniel Brosinski beste Karten auf einen Stammplatz - als Linksverteidiger. Der 28-Jährige hat schon im Trainingslager in den USA diese Position übernommen, weil sowohl Gaetan Bussmann als auch Pierre Bengtsson mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Gegen den FC Liverpool löste der von rechts auf die linke Abwehrseite gewechselte Profi diese Aufgabe erneut gut. „Brosi hat mir gefallen im Trainingslager, weil er sich sehr gut gezeigt hat. Er hat das auch in den USA schon gut gemacht. Deshalb hatte ich das Gefühl, er kann denen da außen wehtun. Ihn brauchen wir auch als Standardschützen auf dem Platz. Er spielt eine sehr gute Vorbereitung. Das mit Brosinski ist auch etwas, was ich mir in der Bundesliga gut vorstellen kann“, betonte der Coach. Zumindest so lange, wie Bussmann noch nicht wieder ganz fit ist und Bengtsson sich nicht stärker aufdrängt. „Gaetan kann wegen seines Knies immer wieder nur dosiert eingesetzt werden. Mit ihm müssen wir in der Belastung sorgfältig umgehen.“

Unterdessen hat Alexander Hack seine Situation im Kader wieder leicht verbessert. Der Innenverteidiger hat bisher versäumt sich aufzudrängen, nachdem Niko Bungert zuletzt wegen ständig auftretender Muskelprobleme kaum in den Konkurrenzkampf einsteigen hatte können. „Gegen Liverpool hat Hack jetzt halt wieder einen Tag gehabt, an dem man sagt: Das ist der Hack, den wir sehen wollen. Die ersten Wochen der Vorbereitung haben wir aber einen Hack gesehen, den wir nicht sehen wollen. Das habe ich ihm auch klar gesagt“, erklärte Schmidt. „Er hat sich im Trainingslager gesteigert. Er musste sich auch steigern, er muss sich strecken und sich da rein spielen. In einigen Situationen hat er gezeigt, wie wichtig er beim Spielaufbau ist. In anderen Situation hat man gesehen, wie flatterhaft er sein kann.“  

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