Vom ersten Training an voll drin

Jörg Schneider. Mainz.
Abdou Diallo ist mit fünf Millionen Ablösesumme der teuerste Neueinkauf dieser Saison beim FSV Mainz 05. Das viele Geld, das Sportvorstand Rouven Schröder an AS Monaco überwies, scheint jedoch gut investiert. Der 21-jährige Franzose, der eigentlich noch ein Entwicklungsspieler ist, hat sich auf Anhieb einen Stammplatz beim Bundesligisten gesichert. Beim 3:1-Sieg der 05er im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen erzielte der Innenverteidiger zudem das wichtige Kopfballtor zur 2:1-Führung. „Abdou bringt vom ersten Tag an eine brutale Qualität mit“, sagt 05-Trainer Sandro Schwarz lobend.

Um einen Sekundenbruchteil schneller am Ball als der Leverkusener Torhüter Bernd Leno: Abdou Diallo köpft das 2:1 für die 05er. Links: Leon Balogun. Foto: Ekkie VeyhelmannDie utopischen Rekordsummen in dreistelliger Millionenhöhe  die einige der europäischen Top-Klubs in diesem Sommer bei ihren spektakulären Transfers bewegten, haben dazu geführt, dass der Spielermarkt im Allgemeinen mehr und mehr inflationär geworden ist. Die Menge an Geld, die in Umlauf ist, entspricht in vielen Fällen kaum dem Gegenwert, sprich der fußballerischen Qualität der in der dieser Periode gehandelten Spieler. In der Folge dieser Entwicklung sind jedoch überall die Preise gewaltig gestiegen. Der FSV Mainz 05 hat davon profitiert und für den Wechsel von Jhon Cordoba zum 1. FC Köln fette 17 Millionen Euro Ablöse eingesackt. Anderseits musste Rouven Schröder für einen jungen Entwicklungsspieler aus der französischen Liga, von dem im Vorfeld niemand wusste, ob er den Sprung in die Bundesliga problemlos bewältigen würde, immerhin fünf Millionen Euro an Ablöse hinblättern. Eine finanzielle Größenordnung, an die sich der Klub bislang eher selten heranwagte.

Nach drei Bundesligaspielen zeichnet sich ab, dass der Sportvorstand dieses Geld gut und vernünftig investiert hat. Abdou Diallo, der 21-Jährige Innenverteidiger, der von AS Monaco an den Bruchweg wechselte und der teuerste 05-Neuzugang dieser Saison ist, hat sich sofort als klare Verstärkung erwiesen. Der U21-Nationalspieler etablierte sich direkt als Stammspieler, überzeugt mit klarem und konsequentem Defensivverhalten und dank seiner fußballerischen Qualität als guter Passgeber im Aufbauspiel. Im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen erzielte der 1,88 Meter lange Verteidiger nun das wichtige 2:1 und legte damit den Grundstein für den 3:1 Sieg und die ersten drei Punkte für das Team von Sandro Schwarz.

„Abdou bringt vom ersten Tag an eine brutale Qualität mit“, sagte der 05-Trainer lobend. „Er ist voll drin in der Verteidigungshaltung und dabei auch immer auf dem Sprung, das Spiel nach vorne anzukurbeln. Er ist sehr aktiv. Er ist eine starke Persönlichkeit. Das merkt man ihm schon seit dem  ersten Training bei uns an.“ Der Franzose strahlt Präsenz aus, Kompromisslosigkeit, der aber immer auch ein wenig Leichtigkeit anhaftet, manchmal vielleicht noch etwas zu viel Unbekümmertheit, was hin und wieder schon mal zu einem Ballverlust führt. Schwarz stört das nicht. „Das ist immer ein schmaler Grat“, sagt der 38-Jährige. „Wir wollen Abdou aber nicht ändern. Denn das ist auch eine Qualität, diese  Leichtigkeit im Spielaufbau zu haben. Das kann auch mal in die Hose gehen, aber das muss man in Kauf nehmen, wenn du von hinten raus Fußball spielen willst.“ Und das geht mit Diallo gut. Nun hat er auch seinen ersten Treffer in der Bundesliga erzielt mit einem Kopfball nach einem Freistoß von Öztunali. Das sah aus wie einstudiert. Ob’s so war, das wollte oder konnte der 05-Trainer nicht bestätigen. „Da habe ich nichts mit zu tun. Für die Standards sind bei uns Jan-Moritz Lichte und Michael Falkenmayer zuständig. Ich höre mir das immer nur an, wenn sie darüber diskutieren.“

Nein, erklärt Diallo selbst, das Kopfballtor sei keine taktische Variante gewesen, die man vorher einstudiert habe. „Ich wollte einfach alles geben, aufs Letzte gehen, um den Ball zu erreichen und aufs Tor zu bekommen.“ Wie auch immer, es war ein großer Moment für den jungen Franzosen, der nachher zusammen mit Suat Serdar, dem Torschützen zum 3:1, die Siegesfeierlichkeiten auf dem Zaun vor den Fans anstimmen durfte. „Ich hatte überhaupt keine Ahnung, was ich machen sollte“, gestand der 05-Profi nachher lachend. „Suat hat mich nicht nur ein bisschen eingeführt, er hat mir komplett geholfen. Ich würde es in jedem Fall gerne wiederholen.“

Musste sich die zweite Hälfte am Fernseher anschauen: Danny Latza blieb nach der Pause wegen einer Wadenverletzung in der Kabine. Foto: Ekkie Veyhelmann Diallo hatte wie alle 05er in den ersten 30 Minuten der Partie so seine Schwierigkeiten. „Nach zwei Niederlagen ist es immer schwierig, in ein solches Spiel hineinzukommen. Wir hatten da nicht die richtige Balance, haben uns aber nach und nach gesteigert, haben ins Spiel reingefunden und die Partie am Ende entschieden“, sagt der Verteidiger, der die Probleme jedoch nicht auf die veränderte Grundordnung mit der Dreierkette schieben wollte, in der Diallo mit Stefan Bell sowie Leon Balogun die hinterste Reihe bildete. „Klar,  war es eine Umstellung, eine andere Taktik zu haben. Im Endeffekt kommt es jedoch immer auf uns als Spieler an, dass wir unser Maximum geben, die Ideen des Trainers umsetzen, um dann eben wie diesmal das Spiel zu gewinnen.“

Diallo hat seinen Anteil daran, ebenso wie Serdar, der durch die Verletzung von Danny Latza in die Partie gekommen war. „Die Wade hat zu gemacht. Es hatte keinen Sinn mehr weiterzumachen. Ich habe dem Trainer gesagt, es ist besser, wenn er mich auswechselt. Im Nachhinein war es gut, Suat  hat ein Tor gemacht, das freut mich für ihn, wir haben gewonnen. Alles richtig gemacht“, sagte Latza, der den zweiten Durchgang in der Kabine am Fernseher verfolgte. „Wir waren viel aggressiver in dieser zweiten Halbzeit und haben nicht mehr so viele Fehlpässe gespielt. In der ersten Hälfte war es wieder so, wie in Stuttgart, wo wir auch so viele Fehlpässe im Aufbauspiel hatten. Damit haben wir uns das Leben selber schwer gemacht, weil wir viel hinterherlaufen mussten“, erzählte der 26-Jährige. „Wir haben in der Pause dann eine kurze Video-Analyse gemacht, wo wir die Räume sehen müssen, wo wir die Pässe hin spielen sollen. Wir haben dann super gespielt und das alles umgesetzt, sehr früh vorwärts verteidigt. Unsere beiden Außen haben super nach vorne verteidigt, dadurch konnten die Leverkusener ihr Spiel nicht mehr aufziehen. Das war sehr gut.“

Das 3-4-3 hält der Sechser durchaus für ein System, das auch für die 05er praktikabel ist. „Klar es ist neu, aber so viel anders ist es jetzt auch nicht. Das Gute ist, wir haben mehr Leute hinten und dadurch eine bessere Verteidigungsposition. Das hat in der ersten Hälfte noch nicht so gegriffen, weil wir nicht so gut nach vorne verteidigt haben. Auch beim Gegentor war das so. In der zweiten Halbzeit haben wir ihnen aber damit unser Spiel aufgezwungen.“ Die entscheidende Voraussetzung für die Wende in dieser Partie war dabei das 1:1 von Yoshinori Muto. „Das war sehr wichtig. Praktisch der Dosenöffner. Man sagt ja immer zum psychologisch besten Zeitpunkt. Man geht mit einem guten Gefühl in die Halbzeit, das hat man dann auch nach der Pause gesehen.“ Da lief das 05-Spiel plötzlich wie gewünscht. „Tor schießen, Zweikämpfe gewinnen. So ist es manchmal“, betonte Latza. „Man traut sich mehr zu. Die Zweikämpfe, die gewonnen werden, geben dir ein positives Gefühl und man geht mit viel mehr Selbstvertrauen in die nächsten Zweikämpfe rein. Das überträgt sich auf jeden Spieler, der auf dem Platz steht. Nach zwei Niederlagen muss man sich aber erst dieses Selbstvertrauen wieder holen.“

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