Vom Erfolg überholt

Jörg Schneider. Mainz.
Der Mann ist eine Legende beim FSV Mainz 05: Doch das zählt nicht am Freitagabend. Denn Dimo Wache ist aktuell Trainer beim SV Darmstadt 98. Torwarttrainer. Und deshalb hofft der 42-Jährige auf einen Erfolg der Lilien im ersten Nachbarschaftsduell der beiden Klubs in der Bundesliga. Die nullfünfMixedZone sprach mit dem 05-Ehrenspielführer vor der Partie am Böllenfalltor.

Er ist Ehrenspielführer und eine 05-Legende: 406 Pflichtspiele hat Dimo Wache für den FSV Mainz 05 bestritten. 74 mal in der Bundesliga, 300 Einsätze in der Zweiten Liga, 26 Mal im DFB-Pokal und in sechs Uefa-Cup-Begegnungen hat er für die Mainzer im Tor gestanden, alle Höhen und Tiefen der jüngeren 05-Vergangenheit miterlebt. Seit Januar 2013 aber arbeitet Dimo Wache für den SV Darmstadt 98. Als Torwarttrainer des Bundesliga-Aufsteigers. Die nullfünfMixedZone hat vor dem mit Spannung erwarteten Derby am Freitagabend am Böllenfalltor mit dem 42-Jährigen gesprochen.

Der Mann im Hintergrund: Torwarttrainer Dimo Wache mit 98-Chefcoach Dirk Schuster (Mitte) und Fitness-Trainer Frank Steinmetz. Foto: ImagoHallo Herr Wache, Sie trainieren die Torhüter des Überraschungsteams der Bundesliga. Ist das Ihre einzige Aufgabe im Trainerstab?

Es ist so, dass wir ein sehr kleines Team sind und viel zu tun haben. Bei uns gibt es keinen Teammanager oder ähnliches. Wir teilen uns die Arbeit.

Ein Fulltime-Job also?

Es geht bei uns sozusagen rund um die Uhr. Es gibt viele Aufgaben. Wir haben beispielsweise angefangen, unsere Scouting-Abteilung aufzustocken. Das decken wir im Trainerteam auch noch mit ab.

Wie erleben Sie das Ganze derzeit in Darmstadt?

Es ist natürlich Wahnsinn, was hier in den vergangenen zweieinhalb Jahren passiert ist. Dass wir in der Lage sind, mit dem Team solide zu arbeiten, das wussten wir. Dass aber so ein Durchmarsch dabei herauskommt, ist atemberaubend. In der Dritten Liga drin geblieben wegen des Offenbacher Lizenzentzugs, dann der Wahnsinn im Aufstiegsspiel in Bielefeld. Und dann tatsächlich noch einmal aufgestiegen. Und jetzt in der Bundesliga. Ich denke, das ist nicht so schnell zu wiederholen.

Darmstadt 98 in der Bundesliga. Das erinnert ein wenig an die Zeit damals bei Mainz 05.

Viele Sachen sind in der Tat gleich. Der Riesenunterschied ist die Infrastruktur. Mainz 05 hat lange Jahre in der Zweiten Liga gespielt und ist nicht ganz unerwartet aufgestiegen. Hier ist es so, dass der Verein vom Erfolg überholt wurde. Das muss man so sagen. Wir hatten vor dieser Saison einen Trainingsplatz, jetzt gibt es zwei. Das hilft schon mal extrem. Wir müssen in kleinen Schritten vorangehen. Manche Sachen gehen halt nicht so schnell.

Wie funktioniert das Trainerteam? In der Öffentlichkeit dreht sich ja immer alles um Dirk Schuster.

Dirk ist natürlich hauptverantwortlich. Er ist der Cheftrainer. Wir haben alle unseren Werdegang. Dirk war selber Profi, er kennt das Geschäft. Co-Trainer Sascha Franz war auch schon viel unterwegs. Ich habe als Torhüter meine ganz eigene Sichtweise. Fitness-Trainer Frank Steinmetz hat auch schon vieles erlebt. Wir diskutieren alles und viel. Es ist sicher nicht so, dass Dirk etwas sagt, und das ist dann Gesetz. Er hört sich auch unsere Meinungen an. Das ist das ganze Geheimnis.

Und was ist das Geheimnis dieser Erfolgsgeschichte?

In erster Linie viel Arbeit. Wir haben einen sehr guten Draht zur Mannschaft. Wir verpflichten nicht einfach Spieler, sondern müssen uns bei allen zwangsläufig viele Gedanken machen. Denn wir können uns keine Fehlschüsse erlauben, weil das Geld dafür nicht da ist. Die Spieler müssen das hier gesehen haben, ehe sie zu uns kommen. Das Stadion, die Bedingungen, unter denen wir hier arbeiten. Sie müssen sich mit Haut und Haaren darauf einlassen. Dass hier alles nicht vom Neuesten ist, stört dabei keinen. Es geht darum, dass alle Tag für Tag Leistung bringen wollen. Das macht großen Spaß, daran mitzuwirken.

Wie hat sich die Mannschaft entwickelt von der Zweiten Liga in die Bundesliga?

Das erste Spiel gegen Hannover 96 war für fast alle Neuland, bis auf die Jungs, die schon einige Bundesliga-Erfahrung hatten. Das war sehr wichtig für uns. Auf Schalke wurde dann beklagt, wir würden nur defensiv und auf Zeit spielen. Ich kann dazu nur sagen, wenn es der Gegner nicht schafft, uns in 90 Minute zu knacken, dann hat es da eine Mannschaft sicher ganz gut gemacht. Das war nun schon ein paarmal so. Zuletzt auch in Dortmund. Da entwickeln sich die Jungs ständig weiter. Es gibt gewisse Basics bei uns und da ist die Entwicklung schon zu sehen.

Wo will Darmstadt 98 fußballerisch hin in dieser Saison?

Für uns geht es von Anfang an nur um den Klassenerhalt. Ob das über den rein fußballerischen oder den so genannten Darmstädter Weg gelingen kann, ist uns relativ egal. Wir wollen am Ende drei Mannschaften hinter uns lassen.

Ist die Substanz im Kader groß genug für eine lange, harte Saison?

Wir haben sehr früh und als erste mit der Saison-Vorbereitung begonnen. Was die Fitness angeht, glaube ich fest daran. Ich hoffe, dass wir etwas Glück haben und von Sperren und größeren Verletzungen verschont bleiben. Da kann das so funktionieren, wie damals bei uns in Mainz im Aufstiegsjahr. Da hat doch auch niemand einen Pfifferling auf uns gegeben. Wir hatten damals eine Durststrecke und diese überstanden. So etwas kann uns auch jetzt passieren. Doch die Mannschaft ist in sich so gefestigt, um das durchzustehen und irgendwann auch wieder in der Lage zu sein, Punkte zu holen.

Was erwartet die 05er am Freitagabend?

Flutlichtspiele am Böllenfalltor sind immer nicht so ganz einfach für die Gegner. Da herrscht eine hitzige Atmosphäre. Wir wollen unsere Tugenden auf den Platz bringen. Und dann sehen wir, was passiert.

Wie wird das für Sie persönlich? Nur ein Job wie sonst auch?

Wenn ich sagen würde, das wäre am Freitag nur ein Job, müsste ich lügen. Ich freue mich unheimlich auf das Treffen mit den 05ern und darauf, die Leute alle wiederzusehen. Aber klar ist auch, ich will diese Partie gewinnen, weil es unser Ziel ist, in der Liga zu bleiben. Und dafür brauchen wir jeden Punkt. Von daher ist es ein ganz wichtiges Spiel.

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