Vollgas mit leisen Tönen

Jörg Schneider. Mainz.
Am Bruchweg laufen die Vorbereitungen auf das Derby am Samstag in der Coface Arena gegen Eintracht Frankfurt auf Hochtouren. Martin Schmidt, der neue Cheftrainer des Bundesligisten, gibt Vollgas und absolviert mit den Profis intensive, emotionsgeladene Einheiten. Doch der 48-Jährige ist schwer angeschlagen. Der Schweizer, der sich schon bei seinem Amtsantritt nur krächzend verständlich machen konnte, musste noch am Mittwoch wegen einer Stimmbandentzündung zur Behandlung in die Klinik.

Mit gedämpfter Lautstärke im Einsatz, aber mit großer Energie: Martin Schmidt erklärt die nächste Spielform im Training. Foto: Jörg SchneiderNormalerweise dominiert Martin Schmidt die Trainingseinheiten seiner Mannschaft mit kräftiger Stimme. Der Trainer korrigiert viel, kommentiert gerne lautstark die Übungen seiner Spieler. Im Augenblick allerdings sind leise Töne angesagt am Bruchweg. Der neue Cheftrainer des FSV Mainz 05, der sich schon bei seiner Amtseinführung nur krächzend verständlich machen konnte, hat sich eine heftige Stimmbandentzündung zugezogen und musste noch am Mittwoch zur Behandlung in die Uni-Klinik.

Schmidt musste sich in den bisherigen Trainingseinheiten notgedrungen zurückhalten mit lautstarken Ansagen. Der Coach rief die 05-Profis immer wieder im Kreis zusammen, um seine Erklärungen in gedämpfter Form zu übermitteln. Das änderte jedoch nichts daran, dass der Schweizer mit seiner neuen Mannschaft mächtig Gas gibt. Die Trainingsbesucher am Bruchweg bemerkten mit Erstaunen, welch ein Feuer der neue Coach in den Einheiten entfacht, mit welcher Dynamik und Leidenschaft sich die Bundesliga-Fußballer in die Arbeit stürzen.

Der neue Ansatz ist klar zu erkennen. Die Passfolge- und Kombinationsübungen ohne Gegendruck, die meist die Hälfte der Trainingszeit bei Kasper Hjulmand in Anspruch nahmen, sind passé. In dieser Woche wird malocht, auf kleinem Feld geht’s um Balleroberung, Überzahl-Verteidigung, Pressing, intensive Zweikämpfe und schnelle Umschaltaktionen. Da wird betont dynamisch gearbeitet,  intensiv gecoacht. Und das Ganze scheint den Profis großen Spaß zu machen.

„Bei uns gibt es keine Träumereien. Wir wissen, dass wir die Ärmel hochkrempeln müssen“, hat der Trainer bei seinem Amtsantritt gesagt und gleich Ziele ausgegeben. „Wir wollen das beste Balleroberungsteam in der gegnerischen Hälfte sein. Wir wollen das laufstärkste Team der Liga sein“, betonte Schmidt. Im Training werden derzeit die Grundlagen dafür gelegt.

05-Trainer Martin Schmidt im Einzelgespräch mit Ja-Cheol Koo. Foto: Jörg SchneiderDer neue Geist, die andere Herangehensweise ist spürbar in diesen Tagen vor dem mit Spannung erwarteten Derby am Samstag in der Coface Arena. Die Partie gegen Eintracht Frankfurt soll der erste Schritt zur Wende sein und ein deutliches Signal im Abstiegskampf geben. „Wir haben bisher zwei Tage sehr intensiv trainiert“, sagt Yunus Malli. „Wir versuchen, einige wichtige Dinge schnellstens hinzubekommen. Der Trainer hat uns verdeutlicht, auf was er Wert legt. Es geht viel um Gegenpressing und Umschalten.“

Der Mittelfeldspieler der 05er ist sicher, dass dies alles am Samstag auf dem Platz zu sehen sein wird. „Die Wichtigkeit dieses Spiels ist jedem klar“, sagt Malli. „Das ist ein besonderes Spiel, in dem wir die drei Punkte unbedingt brauchen und mit aller Macht wollen. Wir werden von der ersten Minute an Gas geben und zeigen, was Sache ist.“

Auf zwei Spieler muss Schmidt allerdings mit großer Wahrscheinlichkeit verzichten. Jonas Hofmann und Junior Diaz haben sich verletzt. Hofmann musste bereits am Dienstag das Training vorzeitig abbrechen. Der Mittelfeldspieler, der beim 2:4 in Dortmund sein Comeback nach langer Verletzungspause gab, hat erneut Probleme mit dem operierten Knie. Hofmann erklärte später, er sei irgendwie im Rasen hängen geblieben, habe einen Schmerz verspürt. Beim nachfolgenden Sprint kam dann das Aus.

Eine Reizung am Fibulaköpfchen am operierten Knie lautete die erste Diagnose. Die 05er schickten den Spieler zum MRT und dann mit den Bildern zum Operateur Dr. Peter Angele nach Regensburg, um die Bilder abzugleichen. Es handele sich nicht um eine Neuverletzung, auch nicht um eine Verschlimmerung, doch in Regensburg soll entschieden werden, ob der Profi einige Tage länger pausieren muss oder mit etwas Ruhe gleich wieder ins Training einsteigen kann.

Junior Diaz hatte sich in Dortmund beim Aufwärmtraining das Knie verdreht. Das MRT zeige aber keine Verletzung. Auch bei Diaz handelt es sich offenbar um eine Kniereizung, die eine Trainingspause erfordert. Dafür ist Jairo seit ein paar Tagen nach überstandener Verletzung wieder im Mannschaftstraining. Christoph Moritz absolviert nach wie vor sein Spezialprogramm mit Reha-Coach Axel Busenkell auf dem Nebenplatz und hofft auf einen baldigen Wiedereinstieg.

► Alle Artikel zum Trainingsbetrieb

► Zur Startseite