Vieles funktioniert, aber die Torgefahr ist nicht da

Jörg Schneider. Marbella.
Am Dienstagmorgen endet das Trainingslager des FSV Mainz 05 in Marbella mit einer letzten kleinen Auflockerungseinheit vor der Abreise. Am Montag hat Julian Baumgartlinger für zufriedene Mienen im Lager des Bundesligisten gesorgt. Der Österreicher absolvierte die erste richtige Trainingseinheit mit der Mannschaft. Wie sieht es aus personell bei den 05ern nach den Tagen an der Costa del Sol? Wo liegen die Stärken und Schwächen zwölf Tage vor dem Rückrundenstart. Die nullfünfMixedZone gibt eine Zwischenanalyse.

Die Arbeitswoche des FSV Mainz 05 an der Costa del Sol neigt sich dem Ende entgegen. Am Montagmorgen gab’s die letzte intensive Trainingseinheit des Bundesligakaders auf dem Gelände des Marbella Football-Centers, wo viel Betrieb herrschte. Gleichzeitig mit den 05ern trainierten dort Dynamo Kiew und die Grashoppers aus Zürich, die den Platz vom FC Basel übernahmen, der schon zur frühen Stunde unterwegs war.

Endlich von der Leine gelassen: Julian Baumgartlinger (hier mit Daniel Brosinski) trainiert wieder mit dem Team. Foto: Jörg SchneiderDas Positive dieser Einheit: Julian Baumgartlinger absolvierte sein erstes richtiges Mannschaftstraining seit vielen Wochen und zeigte sich nachher sehr zufrieden damit. „Ich habe komplett mittrainieren können ohne irgendwelche Probleme. Deswegen kann ich sagen, mir geht es jetzt richtig gut“, erklärte der Österreicher, der so lange wegen einer schwierigen Sehnengeschichte im Knie ausgefallen war.

Da Jonas Hofmann und Niko Bungert schon seit ein paar Tagen wieder fest zum Kader gehören und voll im Trainingsbetrieb stecken, Stefan Bell die gesamten Tage in Marbella zur Rückrundenvorbereitung nutzen konnte, ist immerhin die zuletzt doch arg angespannte Personalsituation deutlich besser geworden. Jetzt wartet nur noch Christoph Moritz auf eine Besserung seiner Rückenprobleme, um ins Training mit der Mannschaft einsteigen zu können. Die drei Asiaten im 05-Kader, der bei der Asien-Meisterschaft in Australien am Arm verletzte Ja-Cheol Koo, dessen Landsmann Joo-Ho Park sowie Shinji Okazaki fallen bekanntlich aus für die Vorbereitung im Klub.

Die große Frage zwölf Tage vor dem Bundesligastart ist allerdings, wer von den Wiedereinsteigern tatsächlich zur Verfügung stehen wird im ersten Spiel gegen den SC Paderborn und in der Englischen Woche mit den folgenden Begegnungen in Hannover und gegen Hertha BSC. Die große Frage ist zudem auch, ob es Kasper Hjulmand gelingt oder in diesen Tagen in Andalusien schon gelungen ist, eine Lösung zu finden für die Offensivprobleme und dafür, dass Torjäger Okazaki am Anfang nicht zur Verfügung stehen wird.

Größte Belastungsphase der Vorbereitung

Die Trainingseindrücke in Marbella und die Testspiele, die das 05-Team absolvierte, haben den Optimismus im Umfeld nicht gerade gefördert. Weder beim 0:1 gegen den SC Freiburg noch beim 1:1 gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig ist es den 05ern gelungen, mehr als zwei bis drei halbgare Torchancen herauszuarbeiten. Hjulmands Mannschaft, das zeigt das bisherige Auftreten schon ganz deutlich, ist gegen den Ball sehr gut organisiert, das Spiel aus dem eigenen Ballbesitz heraus funktioniert, die Übergänge aus dem Mittelfeld nach vorne sitzen schon recht gut. Raumaufteilung, Passverhalten, die ganze Struktur des 05-Spiels ist sehr ordentlich, aber je näher die Mainzer dem gegnerischen Strafraum kommen, desto weniger wird das, was dann dabei herausspringt.

Starke leistungen im Trainingslager, aber Loris Karius als Nummer eins wird Stefanos Kapino zum Rückrundenstart nicht verdrängen. Foto: Jörg SchneiderNatürlich muss man berücksichtigen, dass Hjulmands Kader im Augenblick in der größten Belastungsphase der Vorbereitung steckt. Da sind die Beine schwer, die Müdigkeit ist groß und die Inspiration entsprechend gering. Doch die großen Signale, unbedingt den Platz des fehlenden Okazaki für sich zu behaupten, hat kaum einer der 05-Angreifer geben können in diesem Trainingslager. Pablo De Blasis hat gegen die Braunschweiger einige Lichtblicke durchschimmern lassen, ohne dabei die große Torgefahr auszustrahlen. Christian Clemens hat angedeutet, dass der Ex-Schalker mit seiner Schnelligkeit, seiner Physis, seinem Zug zum Tor und seinem Durchsetzungsvermögen eine echte Verstärkung sein kann. Doch auch der 23-Jährige braucht die Arbeit in den nächsten Tagen und Wochen, um sich einzugewöhnen, um die Anforderungen des Mainzer Spiels zu verinnerlichen.

Jairo hat taktisch zugelegt, arbeitet viel, wenn der Gegner von hinten heraus spielt, gegen den Ball, ist immer bemüht, Aktionen zu schaffen, aber der große Durchbruch ist dem kleinen Spanier noch nicht gelungen. Ähnlich geht es Sami Allagui und Filip Djuricic, denen trotz eifrigster Bemühungen und Engagement das Glück in diversen Szenen und Aktionen fehlt.

Die Abwehr dürfte keine großen Probleme haben, den Wiedereinstieg in die Runde zu finden. Daniel Brosinski zeigte sich stark in Marbella. Stefan Bell und Gonzalo Jara ebenfalls, auch wenn der Chilene immer für einen Klops im Spiel gut ist. Doch Jara fällt auf mit viel Übersicht und Technik und als unnachgiebiger Verteidiger. Nikolce Noveski drängt, Niko Bungert arbeitet am Comeback. Und Pierre Bengtsson hat gezeigt, dass er den 05ern auf Anhieb weiterhilft.

Dennoch gibt Hjulmand dem Schweden keine Einsatzgarantie. „Pierre ist ein sehr cleverer Spieler, gut ausgebildet. Er weiß, wie Fußball geht“, sagte der Trainer am Montag. „Er braucht nicht viel Zeit bei uns, aber er hat Konkurrenz. Junior Diaz tut alles dafür, Spielzeit zu bekommen. Er macht seinen Job sehr gut, etwas anders als Bengtsson, aber er ist körperlich stark und immer präsent. Die beiden müssen kämpfen um den Platz.“

Johannes Geis und Elkin Soto haben einen guten Eindruck hinterlassen, dürften erste Wahl als Sechser sein. Baumgartlinger wird schnell dahin drängen. Yunus Malli wird die besten Karten als Start-Zehner haben. Loris Karius wird trotz guter Leistungen von Stefanos Kapino als Nummer eins in die Rückrunde gehen. Alles andere, vor allen Dingen die Offensivbesetzung, erscheint im Moment sehr offen.

► Alle Artikel zum Trainingsbetrieb

► Zur Startseite