„Viele gefrorene Füße“

Jörg Schneider. Mainz.
Für das zweite Heimspiel in Folge in der Opel Arena, am Sonntag gegen Borussia Dortmund, hat der Trainer des FSV Mainz 05 personelle Änderungen in der Startelf ins Auge gefasst und angekündigt. Die Herangehensweise für die Partie gegen den Spiel- und Offensivstarken BVB erfordern einen anderen Matchplan als beim 0:0 gegen die Kölner. Im ersten Wochentraining unterstrichen vor allem die zuletzt zurückgestuften Giulio Donati, Jean-Philippe Gbamin und André Ramalho mit großem Engagement, dass sie die Ersatzbank nicht als neue Heimat betrachten. „Das sind Vollprofis“, sagt Martin Schmidt. „Die nehmen das als Auftrag an, nicht als Bestrafung. Damit bin ich sehr zufrieden.“

Das Phänomen tritt häufig auf, dass im ersten Mannschafstraining der Woche nach einem Bundesligaspiel und einem freien Tag das fußballerische Niveau der Mannschaft klar hinter den Möglichkeiten zurückbleibt. Und der Trainer an solchen Tagen relativ oft laut werden muss im Rahmen einer Trainingseinheit. Martin Schmidt schimpfte am Dienstagmorgen etliche Male wie ein Rohrspatz, unterbrach, kritisierte den Ballvortrag und pickte sich einzelne Profis dabei heraus. „Heute waren viele gefrorene Füße drin“, sagte der Trainer des FSV Mainz 05 nachher, relativierte seinen Unmut jedoch auch schnell wieder. „Der Platz war sehr schwierig, deshalb gab’s viele technische Fehler aus Platzgründen. Das Ballbesitzspiel war wild und holprig. Ich glaube aber, dass sehr viel Druck auf dem Ball war. Sehr viel Pressing, so dass der ballbesitz etwas schlecht weg kam. Das können wir sicher besser.“

05-Trainer Martin Schmidt kündigte am Dienstag bereits Startelf-Änderungen fürs Dortmund-Spiel an. Foto: Jörg SchneiderBemerkenswert war jedoch und das kehrte der 49-Jährige später als Positivum heraus, dass sein Team mit enormer Leidenschaft, Aggressivität in den Zweikämpfen und hohem Engagement zu Werke ging. „Da war sehr viel Power drin. Manchmal ist es so, wenn du keine Power im Training hast, sieht es fußballerisch gut aus. Heute war mehr Arbeit gegen den Ball dabei, darunter leidet der Ballbesitz. Aber das erste Training in der Woche nach einem freien Tag, da darf man nicht zu viel verlangen. Inhalte abarbeiten, fußballspezifische Ausdauer mit Ball trainieren. Weniger Taktisch-Technisches.  Den Punkt haben wir erfüllt“, betonte Schmidt.

Auffallend dabei war, dass vor allem diejenigen, die beim 0:0 gegen den 1. FC Köln auf der Bank schmorten oder nur zum Kurzeinsatz kamen, dem Trainer deutlich signalisierten, dass sie nicht gewillt sind, dieses Schicksal am Sonntag im Heimspiel gegen Borussia Dortmund noch einmal zu teilen. Giulio Donati, Jean-Philippe Gbamin, André Ramalho. Das Trio haderte offenbar nicht lange mit der Zurückstufung auf die Ersatzbank, sondern blies zum Angriff im Positionskampf. „Das sind Vollprofis in dieser Beziehung“, sagte Schmidt. „Da wird nicht rumgeklüngelt. Da merkt man im Training sofort, dass sie den Auftrag angenommen haben. Die wissen, wenn sie nicht spielen, dann war irgendwas nicht gut und es wird mehr erwartet. Das sind Spieler, denen man da nicht groß was erklären muss. Der Druck momentan auf den einzelnen Positionen ist groß. Dadurch wird denen eher der Auftrag gegeben, im Training mehr zu zeigen. Die Einheiten, die ich seit dem Spiel gesehen habe, zeigten schon, dass es so ist. Die nehmen das als Auftrag an, nicht als Bestrafung. Damit bin ich sehr zufrieden.“

Die Verbesserung der Defensiv-Stabilität stand in der Partie gegen die Kölner im Vordergrund. Zum Rückrunden-Auftakt gegen den BVB in der Opel Arena wird das ähnlich sein. Doch gegen ein Team, das selbst auf Angriff ausgerichtet ist, selbst das Spiel macht, kommt dann auch die offensive Variante, in diesem Fall das schnelle und zielstrebige Umschalten auf Offensive dazu. Das wird zwangsläufig zu Veränderungen in der Mainzer Startelf führen. „Es gibt immer zwei Optionen“, sagt der Trainer. „Alles lassen, wie es war oder einen neuen Reiz setzen.“ Im Prinzip setzt der Schweizer in der Rückrunde verstärkt auf eine Stammelf. Das heißt, auf einen etwa achtköpfigen Spielerkreis, der gesetzt ist. In der Praxis kann das den Anforderungen entsprechend trotzdem relativ stark abweichen vom theoretischen Ansatz. „Vom Frankfurt-Spiel bis Köln waren sechs neue Spieler auf dem Platz. Davon war ich selbst überrascht“, gestand der Coach ein. „Da merke ich dann wieder, dass ich die nehme, die in Form sind, die zusammen passen und als Konstrukt am besten passen im taktischen Hintergrund. Da geht’s auch darum, dass wir Sicherheit brauchen, Vertrauen. Deshalb denke ich auch nicht, dass wir genau mit demselben Personal ins nächste Spiel rein gehen. Dortmund wird ganz anders vom Ansatz sein.“ Der Gegner hat auf jeder Position eine Qualitätsstufe mehr zu bieten als die Kölner. „Wir müssen gucken bei den BVB-Stürmern, wer von uns da am besten dagegen passt. Das erfordert eine andere Herangehensweise. Neben der Defensivorganisation brauchen wir den Konterfußball. Da müssen auf die Außenbahnen die zwei Schnellsten. Der Neuner darf auch nicht langsam sein, sonst kommen wir nicht hin. Deshalb gibt’s halt diese Wechsel von einem Spiel zum anderen. Deshalb kannst du nicht sagen diese elf passen immer. Da muss man variieren. Dazu kommt, dass man den Kader bei Laune halten muss. Es braucht eine Mischung aus guter Stimmung im Team und Griffigkeit auf dem Platz.“

Das Unentschieden gegen die Kölner sei ein guter Anfang gewesen, um darauf aufzubauen. „Ich war zufrieden, dass das, was wir trainiert haben, zu sehen war. Wenn du drei Wochen lang kreative Lösungen trainierst in des Gegners Hälfte und in der letzten Zone, dann gibt das ein 3:3 in diesem Spiel. Dann schießen wir zwar Tore, kriegen aber auch hinten welche. Der Fokus war umgelagert, weil jetzt die Spiele gegen Dortmund und in Hoffenheim kommen. Da müssen wir klare Prinzipien darlegen, und die sind über die Defensive strukturiert: Gut stehen, Räume eng halten, Umschaltspiel. Daran müssen wir arbeiten“, sagte Schmidt.

Personell gibt’s trotz dichter Kaderbreite noch einige Ausfälle. Karim Onisiwo, der schnelle Flügelmann, ist noch immer nicht auf dem Platz. Der Österreicher ist inzwischen schmerzfrei, beginnt aber jetzt erst mit dem Lauftraining. Onisiwo hat die komplette Vorbereitung mehr oder weniger verpasst und wird noch eine Weile benötigen, um wieder ins Mannschaftstraining und in Wettkampfform zu kommen. Auch Leon Balogun ist noch ein Stück entfernt vom Teamtraining. Der Verteidiger absolviert nach einer Oberschenkelverletzung ein Spezialtraining zum Aufbau und dürfte frühestens im Auswärtsspiel in Hoffenheim wieder in den Kandidatenkreis rücken. Fabian Frei fehlte am Dienstag auf dem Rasen. Der Mittelfeldspieler, der im Köln-Spiel einen Pferdekuss an der Wade kassierte, wurde geschont, absolvierte nur eine Athletikeinheit und muss sehen, dass er bis zum Wochenende fit wird. José Rodriguez musste wegen einer Oberschenkelverhärtung ebenfalls passen. Suat Serdar ist inzwischen wieder im Mannschaftstraining. Der junge Sechser hat aber noch eine Menge Rückstand im läuferischen Bereich aufzuholen. Laut Schmidt braucht Serdar noch zwei Trainingswochen, um wieder komplett bereit zu sein.

Gegen Dortmund fehlt bekanntlich erneut, dann aber zum letzten Mal der rotgesperrte Jhon Cordoba. Der Mittelstürmer wird derzeit in Form für das Auswärtsspiel in Hoffenheim gebracht.  „Jhon langweilt sich im Moment ganz bestimmt nicht“, sagt Schmidt. „Der absolviert Zusatz-Trainings, ist sehr hart belastet. Er ist jetzt in den letzten zwei Wochen seiner Vorbereitung. Der wird nicht auf Frische belastet, sondern höher. Wir haben ihn langsam reinkommen lassen, in den ersten zehn Tagen der Vorbereitung einige Male geschont. Jetzt ist er seit einer Woche intensiv drin und volles Rohr dabei. Den brauchen wir in 14 Tagen.“

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