Viel Grundlagenarbeit

Jörg Schneider. Mainz.
Laktattest, taktisches Training, individuelle Arbeit und eine Reihe von Einzelgesprächen. Das war im Groben das Programm des Wochenauftaktes beim FSV Mainz 05. Kasper Hjulmand kann in diesen Tagen erstmals mit seinem kompletten Profikader arbeiten und hat ein intensives Pensum aufgelegt. Denn nach dem 3:1-Sieg in Berlin erwartet die 05er eine harte Bundesligaphase mit drei schweren Begegnungen in sieben Tagen.

Einzelgespräche, aber wer erklärt da wem etwas? Philipp Wollscheid und Trainer Kasper Hjulmand. Foto: Jörg SchneiderDie Gruppe, die am Dienstagmorgen auf dem Trainingsrasen hinter dem Bruchwegstadion ihre taktischen Spielformen übte, war überschaubar. Zwölf Profis praktizierten spezielle Übungen für den Spielaufbau. Die Nationalspieler, die zuletzt auf Reisen waren, absolvierten auf dem benachbarten Kunstrasenplatz den Laktattest, den der Rest der Gruppe vor einer Woche schon hinter sich gebracht hatte. Und eine Reihe von Spielern fehlte ganz. Loris Karius pausierte leicht angeschlagen. Robin Zentner, Todor Nedelew, Patrick Pflücke, Damian Roßbach und Devante Parker reisten mit der U23 der 05er zum Drittliga-Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart. Am Nachmittag war auf  den Sportplätzen noch weniger los. Einige der Profis drehten ein paar Runden. Ansonsten standen individuelle Trainingsformen auf dem Plan. Aufgeteilt in zwei Gruppen gab‘s Kraft-, Athletik- und Konditionsübungen.

Etliche Einzelgespräche

Dazwischen führte Kasper Hjulmand immer wieder Einzelgespräche. Beispielsweise mit Philipp Wollscheid, mit dem sich der 05-Trainer nach der Morgeneinheit lange unterhielt. „Wir haben über unser Spiel gesprochen“, erklärte der Coach, „wie wir spielen wollen, wie wir von hinten aufbauen wollen. Vor dem Training habe ich mit drei anderen Spielern geredet. Das ist ein normaler Prozess.“

Der eigene Spielaufbau, den der Däne beim 3:1-Sieg in Berlin als durchaus verbesserungswürdig einstufte, war Gegenstand einer intensiven Taktikeinheit. „Wir haben in unserem Passspiel immer einen taktischen Gedanken“, erklärte der 05-Trainer. In zwei Gruppen mit jeweils einem Aufbauspieler ging es in der Spielform darum, aus der Viererkette heraus mit hoher Qualität zielgerichtet zu passen. „Wir brauchen mehr Geduld im Aufbauspiel. Die richtigen Lösungen aus der Abwehr heraus. Es geht darum, die richtigen Bälle zu spielen, wenn der Gegner kompakt steht“, erläuterte Hjulmand. In Berlin habe die Mannschaft oft, wenn sie den Ball rechts gehabt habe, weiter auf der rechte Seite gespielt. Ziel sei es aber, durch Geduld mehr bespielbare Räume zu sehen und diese zu vergrößern. Durch Diagonalpässe, oder Außen vorbei zu spielen, den Tiefenball durch die Mitte zu platzieren, damit der letzte Pass mit Qualität in den Strafraum gelange. Dafür markierte der Coach mit einigen Linien, sehr enge, aber breite Korridore.

Basis für kommende Aufgaben

Das von Sami Allagui in Berlin erzielte Tor zum 2:0 lieferte dem 05-Trainer Anschauungsmaterial. Mit dem letzten Ball die Chance zu vergrößern, so, wie Jonas Hofmann dies in der Vorarbeit zu diesem Treffer getan habe. Spielverlagerung, Gefühl im Strafraum, Tiefenläufe. Hofmann habe seine Qualität und sein Spielverständnis dabei demonstriert. „Er hatte das Gefühl, das Junior Diaz kommt, hielt den Ball im Strafraum, täuschte etwas rechts an, spielte dann aber nach links.“

Der Däne bezeichnete diese Trainingsformen als Grundlagenarbeit, die immer wieder praktiziert werden müsse. Und die als Basis diene für die kommenden Aufgaben. Denn die haben es in sich. Am Samstag kommt bekanntlich Borussia Dortmund in die Coface Arena, am nächsten Dienstagabend steht das Derby bei Eintracht Frankfurt auf der Agenda, und schon am Freitag danach stellt sich die TSG Hoffenheim in Mainz vor. Drei Spiele in sieben Tagen. Der 05-Trainer möchte seine Vorbereitungen auf diese drei Begegnungen größtenteils im Paket durchziehen und auf die unterschiedlichen Anforderungen, die diese Spiele bieten, jeweils noch einmal gezielt hinarbeiten.

„Unsere Planung gilt für alle drei Spiele. Nach jeden einzelnen Auftritt müssen wir analysieren und den Kader mit in die Überlegungen einbeziehen. Sind alle bereit für diese Aufgabe? Wer hat die Energie für alle drei Begegnungen? Wer hat die Beine dafür? Das alles ist wichtig.“ Er werde aber in diesen Spielen auch einiges wechseln müssen. Er habe definitiv einen Plan für diese drei Aufgaben. „Ich mache es nicht eine Woche so und dann wieder so. Das ist keine Philosophie. Meine Philosophie heißt ganz klar, dass 85 Prozent unseres Spiels immer dasselbe Thema behandeln. Die letzten Prozente sind dann auf den Gegner ausgerichtet. Wir haben da verschiedene Möglichkeiten.“ Das eigene Spiel in den Vordergrund stellen, das ist aber die Hauptarbeit. Ständige Entwicklung und Verbesserung. Und dann an den Nuancen arbeiten, die im speziellen Fall erforderlich sind.

Die Hertha-Partie sei nicht schwierig gewesen zu analysieren. Doch die Aufgabe gegen die Dortmunder sei eine ganz andere. Plant der 42-Jährige mit personellen Veränderungen oder ganz anderen Ansätzen? „Wenn ich finde, dass wir eine größere Chance haben zu gewinnen, wenn wir etwas ganz anderes machen, dann tun wir das. Es geht nur darum, so viele Spiele wie möglich zu gewinnen. Ich finde es aber am besten, über eine längere Zeit möglichst auf sein eigenes Spiel zu achten, dies zu verbessern und darauf zu vertrauen. Dann kommen diese Nuancen dazu, die auf den Gegner abgestimmt sind.“

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