Viel Arbeit vor durchlüftender Pause

Jörg Schneider. Mainz.
Schon am Freitagabend geht’s für den FSV Mainz 05 in der Bundesliga weiter mit dem Auswärtsspiel beim Aufsteiger SV Darmstadt 98. Viele Trainingseinheiten gibt’s also nicht für die Profis, um den richtigen Matchplan für dieses Derby einzustudieren. Dafür sieht’s personell am Bruchweg gut aus: Bis auf den angeschlagenen Jhon Cordoba hat der Trainer den derzeit verfügbaren Kader komplett im Training.

Viele Trainingseinheiten gibt's nicht vor dem 05-Spiel in Darmstadt. Am Dienstag ging es am Bruchweg mit Ballbesitz-Spielformen los. Am Ball: Daniel Brosinski. Foto: Jörg SchneiderViele Trainingstage gibt’s nicht beim FSV Mainz 05 in dieser kurzen Woche, die für den Bundesligisten am Freitagabend den nächsten Einsatz bereithält. Zum ersten Mal gibt es ein Derby mit dem SV Darmstadt 98 in der höchsten Spielklasse. Natürlich liege der Schwerpunkt der Arbeit auf der Partie am Böllenfalltor, sagt Martin Schmidt. Doch allzu viel kann der Trainer von der Belastungssteuerung her zwischen den Spielen mit dem Team gar nicht tun. Der Wochenanfang am Bruchweg stand noch ganz im Zeichen der 0:3-Niederlage gegen den FC Bayern München. Da gab es viel zu bereden, viel Frustabbau und mentalen Aufbau zu bewältigen, denn die Mainzer hatten an dieser Pleite doch zu kauen und übten viel Eigenkritik. Fehler bei den Gegentoren, die eigenen Chancen nicht genutzt, insgesamt den Bayern die Sache zu leicht gemacht. „Normalerweise können wir das verteidigen“, sagt der 05-Trainer.

Die Analyse ist nun abgeschlossen, ab heute geht es nur noch um den Gegner und die Partie beim Überraschungs-Aufsteiger, der mit zehn Punkten aus sieben Spielen nicht nur unerwartet gut da steht, sondern auch besser als die 05er. „Ihre Spielart ergibt, wie man selbst spielen muss“, weiß der Coach. Dessen Trainerteam war beim 2:2 der Lilien in Dortmund vor Ort. Schmidt selbst hat die 98er bereits zweimal live gesehen. „Es gibt da nicht jedesmal neue Erkenntnisse. Sie spielen nach den Erfolgen jetzt selbstbewusster, spielen mehr und besser Fußball. Alle Erkenntnisse, die wir über sie hatten, haben sich nur bestätigt. Wir erwarten da ein Spiel auf Augenhöhe.“

Gestern Vormittag stand das übliche intensive Training auf dem Wochenplan. Die zweite Einheit am Nachmittag war eine  Athletikeinheit. „Für alle, die nicht 300 Spielminuten hatten in den letzten zehn Tagen.“ Das Training heute, zwei Tage vor der Begegnung, sei eines, in dem man schon nicht mehr so richtig hinlangen wolle. Alle taktischen Dinge und Matchplan-Einübungen erfolgen am Donnerstag im Abschlusstraining. „Wir haben gesehen, dass wir topfit sind und können jetzt nicht noch komplett was Neues erfinden“, sagt Schmidt. „Wir müssen unser Spiel dort durchbringen, es besser machen als zuletzt. Deshalb haben wir auch am Dienstag in die Einheit viele Ballbesitz-Inhalte mit reingenommen. Konterfußball müssen wir nicht extra üben, obwohl das auch in Darmstadt sicher wirksam wird.“ Die Mainzer rechnen jedoch eher damit, im Auswärtsspiel mehr eigenen Ballbesitz zu haben, als dies auswärts in Leverkusen oder Schalke der Fall war.

Ein großes Thema im Abschlusstraining werden Standardsituationen sein. Die Darmstädter erzielen reichlich Treffer nach ruhenden Bällen. So auch das 2:2 in Dortmund, als Aytac Sulu nach einem Freistoß der Ball vor die Füße gefallen war und der 98-Kapitän in letzter Minute den Punktgewinn gesichert hatte. „Ich werde kein Team aufstellen, das speziell in Standards gut ist und dann Probleme mit dem Ball hat“, sagt der 05-Trainer. Solche Situationen müssten im Kollektiv mit richtiger Zuordnung und Konsequenz verteidigt werden. „Wir müssen eine gute Balance finden. Nicht die Aufstellung an den Standards ausrichten.“ Es gebe verschiedene Ansätze, wie sein Team dort auftreten wolle. Darauf will Schmidt allerdings nicht näher eingehen.

Wie sieht es personell aus in dieser Woche? Bis auf Jhon Cordoba hat Schmidt alle derzeit verfügbaren Profis im Training. Der Kolumbianer fiel schon gegen die Bayern aus wegen muskulärer Probleme hinten am Oberschenkel. „Jhon wird jetzt aufgebaut über Athletik und läuferische Belastung, dann gucken wir, wie es aussieht, ob er als Joker fungieren kann oder ob es gar nicht geht.“

Im Falle eines neuerlichen Ausfalls von Cordoba dürfte dann Florian Niederlechner wieder einen Platz auf der Bank erhalten. Die Entwicklung des Stürmers verlaufe nach Plan. „Er wusste, dass er die Nummer drei und hinten dran ist. Er kommt aus der Zweiten Liga. Dass er am Anfang gespielt hat, lag daran, dass Yoshinori Muto und Cordoba noch nicht da oder noch nicht so weit waren. Das war aber eigentlich für seine Entwicklung einen Schritt zu viel“, betont Schmidt. „Er muss übers Training, über den Rhythmus, über die Körperlichkeit kommen, die er sich noch stärker aneignen muss und in seinem Spiel wachsen.“

Nach dem Auswärtsspiel am Freitag ist dann erst mal wieder 14 Tage Länderspielpause bis zum Heimspiel gegen Borussia Dortmund. „Das Spiel in Darmstadt wird die Mannschaft noch einmal richtig fordern, deshalb ist diese Pause nach dem harten Monat gut“, sagt der 05-Trainer. „Der Oktober wird dann wieder hart genug durch die Englische Woche mit dem Pokalspiel gegen 60 München und solchen Gegnern wie  Dortmund, Bremen, Augsburg und Wolfsburg. Das wird von der Herausforderung wieder groß. Eine durchlüftende Pause tut jetzt allen gut.“

► Alle Artikel zum Trainingsbetrieb

► Zur Startseite