Video-Assistent und doppelte Wechseltafel

Christian Karn. Mainz.
Die Bundesliga geht am Freitag in ihre 55. Saison und vieles wird neu sein: Zwei Aufsteiger ersetzen zwei Absteiger, acht deutsche A-Nationalspieler haben neue Vereine, drei Schiedsrichter wurden ausgetauscht. Es gibt (wenige) neue Anstoßzeiten, viele minimale Veränderungen, die die Fans gar nicht wahrnehmen werden, vor allem aber erstmals die Möglichkeit, eine Schiedsrichterentscheidung von Fernsehbildern abhängig zu machen. Die nullfünfMixedZone erklärt die neu eingeführten Videoassistenten und die vielen weiteren Neuerungen in den Stadien.

Die Saison 2017/18 hat in vielen Ligen schon begonnen, auch im Pokal wurde die erste Runde mit wenigen Überraschungen und vielen Favoritensiegen ausgespielt. Am Freitag eröffnen Bayern München und Bayer Leverkusen die 55. Bundesligasaison; der FSV Mainz 05 steigt am Samstag (15.30 Uhr) mit dem Heimspiel gegen den Aufsteiger Hannover 96 ein. Die nullfünfMixedZone fasst die vielen Veränderungen zusammen, die die Fußballfans in der neuen Saison erwarten.

Neue Mannschaften, Spieler, Trainer

Einiges ist bekannt. Die beiden Absteiger der Saison 2015/16, Hannover 96 und der VfB Stuttgart, haben den direkten Wiederaufstieg geschafft und nehmen die Plätze der Aufsteiger der Saison 2014/15 ein; Darmstadt 98 und der FC Ingolstadt sind wieder ausgeschieden. In der Relegation hat sich wie fast immer der Bundesligist durchgesetzt. Einige Spieler haben die Liga verlassen; zu den Prominentesten gehören Philipp Lahm, Xabi Alonso (beide Bayern München), die ihre Karriere beendet haben, und Claudio Pizarro (Werder Bremen), der mit seinen 38 Jahren noch über eine Fortsetzung nachdenkt, und Bojan Krkic, der in Mainz nicht zu halten war. Anthony Modeste hat dem 1. FC Köln mit seinem Wechsel nach China einen großen Sack Geld gebracht, den der FC mit der Verpflichtung von Jhon Córdoba teils an die 05er weitergereicht hat, auch Leverkusen hat für Hakan Calhanoglu etliche Millionen kassiert. Ob Dortmund für Ousmane Dembelé oder sogar Pierre-Emerick Aubameyang eine neue Bundesliga-Rekordablöse bekommen wird, wissen wir vielleicht erst am Monatsende. Neue Spieler sind gekommen, zum Beispiel der aktuelle Bundesliga-Rekordeinkauf Corentin Tolisso, für den die Bayern über 40 Millionen gezahlt haben, zum Beispiel der kolumbianische WM-Held James Rodríguez (ebenfalls Bayern), zum Beispiel der ehemalige Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, der nach einem Jahr bei Leicester City nach Stuttgart wechselte. Auch innerhalb der Liga muss man sich an viele Verschiebungen gewöhnen - beschränken wir uns ausschließlich auf deutsche A-Nationalspieler, finden wir außerdem die Wechsel von Niklas Süle und Sebastian Rudy von Hoffenheim nach München, Serge Gnabrys Leihe in umgekehrte Richtung, Matthias Ginters Transfer von Dortmund nach Gladbach, Sven Benders Wechsel vom BVB zu seinem Bruder nach Leverkusen, André Hahns Wechsel von Gladbach nach Hamburg, René Adlers Wechsel von Hamburg nach Mainz - und die Transferperiode ist noch lange nicht vorbei. Außerdem haben vier Vereine neue Cheftrainer: In Leverkusen ist Heiko Herrlich (zuletzt Jahn Regensburg) der Nachfolger von Tayfun Korkut, in Dortmund folgt Peter Bosz (zuletzt Ajax Amsterdam) Thomas Tuchel nach. Auf Schalke ist nun Domenico Tedesco (zuletzt Erzgebirge Aue) als Nachfolger von Markus Weinzierl zuständig und in Mainz wurde bekanntlich der vorherige U23-Coach Sandro Schwarz in die Bundesliga befördert, damit folgt er schon zum zweiten Mal auf Martin Schmidt.

Neue Schiedsrichter

Wolfgang Stark hat seine lange Schiedsrichterkarriere beendet. Foto: imagoWechsel gab es auch im Schiedsrichterteam: Der Mainzer Jochen Drees, der Münchner Günter Perl und der Landshuter Wolfgang Stark haben die Altersgrenze von 47 Jahren erreicht und beenden ihre Karriere. Neu sind die 38-jährige FIFA-Frauenfußballschiedsrichterin Bibiana Steinhaus (Langenhagen/Niedersachsen), die bereits seit 2007 in der 2. Bundesliga eingesetzt wird und 2012 und 2013 jeweils das Pokal-Erstrundenspiel der 05er (4:0 in Roßbach, 2:1 bei Fortuna Köln) pfiff, der 27-jährige Bremer Sven Jablonski, den die 05er erst am vergangenen Samstag im Pokalspiel in Lüneburg kennenlernten, und der 28-jährige Westfale Sören Storks, dem die 05er noch nicht begegnet sind. Alle Schiedsrichter dürfen sich über eine Erhöhung ihrer Spielhonorare freuen.

Neue Kleinigkeiten

Viele formale Änderungen spielen für die Fans keine große Rolle. So dürfen die Vereine den linken Trikotärmel und den Rahmen der Auswechseltafeln ab sofort individuell vermarkten - bisher klebte dort das Logo eines Ligasponsors. Von diesen Tafeln, die bei einer Auswechslung in Rot und Grün die Rückennummern anzeigen, gibt es nun zwei in jedem Stadion, die nicht mehr vom Vierten Offiziellen eingestellt werden, sondern von den Mannschaftsverantwortlichen - der Assistent des Schiedsrichters wird so nicht vom Spiel abgelenkt. Unüberdachte Tribünen darf es in der Bundesliga nicht mehr geben, ein neuer Spielball wurde eingeführt, außerdem dürfen die Vereine ab sofort das komplette Spiel live auf den Videowänden ihres Stadions zeigen. Der FSV Mainz 05 wird das nicht tun: "Wir zeigen's live auf dem Rasen", teilte die Presseabteilung auf Anfrage der 05MixedZone mit.

Neue Anstoßzeiten

Neue Anstoßzeiten betreffen wenige Partien. Die späten Sonntagsspiele werden künftig eine halbe Stunde später angepfiffen, nicht mehr um 17.30 Uhr, sondern um 18 Uhr. Insgesamt wird es in der kompletten Saison erstmals fünf Montagsspiele geben (Anstoß: 20.30 Uhr - das Zweitliga-Montagsspiel wird in dem Fall auf den Samstag verlegt) sowie fünf frühe Sonntagsspiele (Anstoß: 13.30 Uhr). Hoffenheim gegen Hertha am 4. Spieltag ist das einzige bereits terminierte Frühspiel, Montagsspiele sind an den ersten sechs Spieltagen nicht vorgesehen. Die neuen Termine sollen die Europa-League-Teilnehmer entlasten, die erst am Donnerstag ihre internationalen Partien spielen, gegebenenfalls am Freitag noch eine lange Heimreise haben; ihre Gegner müssen halt mit dem ungewohnten Termin leben. Diese frühen Sonntagsspiele, die Montagsspiele und alle Freitagsspiele werden nicht wie der Rest der Liga von Sky übertragen, sondern von Eurosport - dazu später mehr.

Neue Technik

Der Videoassistent und sein Assistent am Arbeitsplatz: Vier Bildschirme bieten dem Helfer des Schiedsrichters 17 Kameraperspektiven. Foto: imagoDie spektakulärste Änderung in den Stadien ist die Einführung des Video-Assistenten. Dieser wird nicht einmal persönlich beim Spiel anwesend sein, sondern in einem Studio in Köln seine jeweilige Partie verfolgen. Binnen weniger Sekunden sollen die Assistenten dem Hauptschiedsrichter eine ihrer Meinung nach richtige Entscheidung einflüstern können, vorgesehen ist das für vier sogenannten "spielrelevanten Situationen": Tore. War der Ball drin oder doch nicht? Elfmeter: War's Foul oder Schwalbe, Hand oder nicht? Rote Karten und Spielerverwechslungen. Zumindest Fernsehzuschauer werden die entscheidende Kameraperspektive - 17 verschiedene kann der Assistent sich auf den Bildschirm holen - eingespielt bekommen. Grundsätzlich kann sich der Schiedsrichter auch selbst die Situation noch einmal auf einem Monitor ansehen, aber das soll eine Ausnahme bleiben.

Hellmut Krug, FIFA-Schiedsrichter von 1991 bis 2001 und Projektleiter beim DFB, erhofft sich eine dramatische Reduktion von spielrelevanten Fehlentscheidungen - bis zum 29. Spieltag der vergangenen Saison soll es nicht weniger als 90 gegeben haben. Aufgezählt hat Krug sie nicht, man kann sicher davon ausgehen, dass zum Beispiel die Roten Karten gegen Gaetan Bussmann (gegen Hoffenheim) und Jhon Córdoba (in Frankfurt) und das nicht anerkannte Ausgleichstor von Pablo de Blasis in Gladbach dazu zählen. Entscheidend dafür ist natürlich, dass das System auch funktioniert und die Assistenten gut vorbereitet sind. Beim Confederations Cup richteten sie mehr Schaden an als Nutzen zu bringen, bei der deutschen Generalprobe beim Super Cup streikte die Technik lange. Auch in jedem Bundesligastadion gab es einen Testlauf - das 05-Testspiel gegen Newcastle United fand deshalb nicht am Bruchweg, sondern in der Opel Arena statt. Grund zum Eingreifen gab es in jener Partie nicht.

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