Verpasste Chancen

Christian Karn. Mainz.
Yoshinori Muto hatte bei seinem Comeback nach längerer Nationalmannschaftspause die zumindest theoretische Chance, sich in der Abwesenheit dreier Konkurrenten für eine größere Rolle in der bereits für die WM qualifizierten japanischen Elf aufzudrängen. Jean-Philippe Gbamin hatte die Möglichkeit, mit der Elfenbeinküste einen großen Schritt hin zur Weltmeisterschaft zu machen. Beides misslang: Auf ungewohnten Positionen in schlecht funktionierenden Mannschaften hatten die beiden Profis des FSV Mainz 05 wenig mit ihrem jeweiligen Spiel zu tun.

Alle Spiele

Do., 5. Oktober
05 - SVS 2:1
U21 FRA - MNE 2:1
MNE - DEN 0:1

Fr., 6. Oktober
JPN - NZL 2:1
MLI - CIV 0:0

Sa., 7. Oktober
18.00: NGR - ZAM
18.00: BIH - BEL
20.45: SUI - HUN

So., 8. Oktober
18.00: DEN - ROM

Di., 10. Oktober
12.30: JPN - HAI
19.00: U21 NOR - GER
20.45: EST - BIH
20.45: POR - SUI

In Japan ist man nicht so recht zufrieden. Vorigen Monat erst, so hieß es, sei die Entlassung von Nationaltrainer Vahid Halilhodzic für den Fall einer Niederlage im WM-Qualifikations-Topspiel gegen Australien bereits beschlossene Sache gewesen. Zu sehr erinnert man sich an die vergangene Weltmeisterschaft, in der die Japaner unter Alberto Zaccheroni mit einem 1:2 gegen die Elfenbeinküste, einem 0:0 gegen Griechenland und einem 1:4 gegen Kolumbien Letzter einer nominell nicht überragend anspruchsvollen Gruppe wurden. Zu sehr erinnert man sich an den attraktiven, erfolgreichen Fußball, den Javier Aguirre spielen ließ, bis dieser wegen einer Korrupionsaffäre aus früheren Tagen nicht mehr tragbar war. Und zu wenig kann man den ausrechenbaren, innerhalb Asiens immer noch erfolgreichen, aber hinsichtlich der kommenden Weltmeisterschaft nicht vielversprechenden Fußball seines Nachfolgers leiden. Dieser rettete sich mit einem 2:0 gegen die Australier, das die Qualifikation im vorletzten Spiel klar machte, verlor dann aber das abschließende, für den Rest der Gruppe durchaus bedeutende Spiel gegen Saudi-Arabien.

Yoshinori Muto war Augenzeuge der beiden Partien, mehr nicht. Gegen die Australier war der Mittelstürmer des FSV Mainz 05 nicht mal im Kader, in Saudi-Arabien immerhin auf der Bank. "Ehrlich gesagt", teilte der Japaner nun mit, "hatte ich so einen Frust noch nie erlebt. Ich hatte schon ein paar Enttäuschungen, aber ich kann gar nicht beschreiben, wie das geschmerzt hat."

Yoshinori Muto ärgert sich: Die Chance, die sich durch die Abwesenheit der Konkurrenten ergab, hat der 05er im japanischen Nationalteam nicht nutzen können. Foto: imagoIn diesen Tagen hat Muto eine bessere Ausgangssituation. Der alternde Topstar Keisuke Honda und der langjährige Mittelstürmer Shinji Okazaki sind nicht fit, wurden von Halilhodzic daher nicht nominiert. Weil auch der Berliner Genki Haraguchi über Probleme mit dem linken Bein klagte, war die Bahn frei für Muto - die linke Außenbahn. "Das ist eine große Chance für mich", sagte der Mainzer, der bis dahin 19 Länderspiele absolviert hatte, das letzte im September 2016 in Form einer neun-Minuten-Einwechslung beim Qualifikationssieg in Thailand, das vorletzte im November 2015 in der Startelf beim 3:0 in Singapur. Die beiden langen Verletzungen kosteten ihn dazwischen und danach einige Nominierungen. "Diese Chance kann ich auf keinen Fall auslassen" - zumal der Angreifer die Situation weiterhin eher pessimistisch einschätzt: "Wenn Honda und Okazaki hier wären, wäre ich vielleicht nicht mal nominiert worden."

Hat Muto die Chance genutzt? Die erste zumindest eher nicht. "Es ist essentiell, Tore im Wettkampf zu schießen", hatte er angekündigt, "und als ein Angreifer muss ich an Toren beteiligt sein und Resultate bringen. Ich weiß nicht, in welcher Position ich spielen werde, aber wenn ich vorne bin, werde ich Tore anstreben." Ganz vorne war Muto beim 2:1 gegen Neuseeland nicht; Halilhodzic schickte ihn als Linksaußen einer 4-1-4-1-Formation ins Spiel. Mit diesem hatte der Mainzer fast gar nichts zu tun. Die Kollegen banden Muto freilich kaum ein. Das ist das gewohnte Schicksal eines Außenstürmers dieser Mannschaft. Das auf lange Bälle in die Mitte fixierte Spiel Japans ist ein Grund, weshalb Halilhodzic so umstritten ist.

Der Kölner Yuya Osako brachte Japan in der 50. Minute eines unansehlichen Spiels durch einen Handelfmeter in Führung. Den Ausgleich in der 59. Minute hätte Muto womöglich verhindern können; der Ex-Stuttgarter und -Fürther Marco Rojas, der die Flanke zum Tor schlug, kam aus Mutos Raum, der Mainzer hatte ihn laufen lassen. Beim Siegtor in der 87. Minute war Muto bereits ausgewechselt; sein Nachfolger Takashi Inui, der langjährige Bundesligaspieler, schlug die Flanke, die den Treffer einleitete. Das könnte eine weitere schlechte Nachricht für Muto sein. Am Mittwoch kann es immerhin gegen Haiti eine weitere Chance geben.

Jean-Philippe Gbamin war als Zehner durchaus fleißig, aber das Spiel fand in anderen Räumen statt. Foto: imagoÄhnlich seltsam war auch der Auftritt von Jean-Philippe Gbamin beim Qualifikationsspiel der Elfenbeinküste in Mali. Der belgische Defensivdenker Marc Wilmots, der seit einem halben Jahr für die Ivorer verantwortlich ist, stellte den Mainzer Verteidiger ins offensive Mittelfeld, was dieser offenbar nicht kannte und nicht konnte. Gegen den Ball war Gbamin eher nutzlos, weil es in seiner Zone bei allem schönen Anlaufverhalten keine vielen Bälle zu erobern gab - Mali hielt sich nie lange mit Ballverschiebereien in der Abwehr auf, ihr Spiel fand vor allem in Gbamins Rücken statt. Eigene Offensive war kaum vorhanden, daher konnte der 05er auch nach vorne wenig beitragen. Hin und wieder ließ er sich aus seiner Position weiter nach hinten fallen, dann sah er besser aus. Mit dem 0:0 gegen das Nachbarland, das kein bisschen so wirkte wie ein Gruppenletzter gegen einen Tabellenführer, das zielstrebiger, angriffslustiger, erfolgversprechender spielte, vergaben die Ivorer die Chance, sich an der Tabellenspitze der Gruppe C abzusetzen. Marokko kann sie heute mit einem Sieg gegen Gabun überholen. Die Entscheidung fällt so oder so erst im November im direkten Duell.

Unterdessen hat Dänemark mit einem 1:0 in Montenegro auf den 6:1-Sieg Polens in Armenien geantwortet und damit die Chance auf die direkte WM-Qualifikation gewahrt. Am Sonntag werden die Polen gegen Montenegro ihren Drei-Punkte-Vorsprung ein letztes Mal verteidigen müssen, Dänemark spielt gegen Rumänien. Der 05er Viktor Fischer wurde in Podgorica nicht eingesetzt. Abdou Diallo hat mit der französischen U21-Nationalmannschaft das EM-Qualifikation gegen Montenegro 2:1 gewonnen, spielte dabei durch. Und Levin Öztunali konnte wegen einer Beckenblessur das deutsche U21-Länderspiel gegen Aserbaidschan (6:1) nicht bestreiten. Heute geht die Länderspielserie der 05er weiter mit den Partien zwischen Nigeria und Sambia (Leon Balogun ist Abwehrchef der Nigerianer), Bosnien und Belgien (Kenan Kodro wird eher nicht in der Startelf sein) sowie Schweiz und Ungarn (Fabian Frei ist einer von mehreren möglichen Vertretern des verletzten Valon Behrami).

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