Überzeugende Herausforderer

Jörg Schneider. Darmstadt.
Der FSV Mainz 05 hat mit einer ansprechenden Leistung das Testspiel am Donnerstagabend beim SV Darmstadt 98 gewonnen. Der ohne sämtliche National- und Stammspieler angetretene Bundesligist setzte sich in einer interessanten Partie beim Zweitligisten SV Darmstadt 98 vor rund 2000 Zuschauern im Stadion am Böllenfalltor mit 2:0 (2:0) durch. Die Treffer für die fußballerisch klar überlegenen Mainzer erzielten Jairo und Benedikt Saller. Torhüter Jannik Huth parierte einen Foulelfmeter.

Jairo traf zum 1:0 und bereitete das 2:0 vor. Foto: imagoEs hat sicherlich schon schlechtere Testspiele bei strömendem Regen an einem Herbstabend gegeben, als diese Partie am Böllenfalltor. Die beiden Teams lieferten sich ein interessantes, schnelles, fußballerisch anspruchsvolles Duell. Auffallend dabei: Sowohl der SV Darmstadt 98 als auch der FSV Mainz 05 zeigten von Anfang ihre Absicht in diesem Spiel auf. Die Handschriften der Trainer Dirk Schuster und Kasper Hjulmand waren klar erkennbar. Der Zweitligist stand eher etwas tiefer im klassischen 4-4-2, legte viel Wert auf die Organisation der Defensive, verschob kräftig und rückte nach Balleroberung schnell raus, um mit überfallartigen Kontern, über die Flügel aufgelöst, zum Erfolg zu kommen.

Die 05er dagegen pflegten ihr Ballbesitzspiel, bauten im 4-2-3-1 von hinten heraus ruhig mit ansehnlichen Kombinationen auf. Hjulmand schickte eine veritable Elf aufs Feld mit Philipp Wollscheid in der Innenverteidigung, umgeben von den U23-Leuten Fabian Kalig und Damian Roßbach sowie dem A-Jugendlichen Malte Moos, der eine gute Vorstellung als Rechtsverteidiger bot.

Im Zentrum zog Elkin Soto die Fäden mit dem etwas offensiveren Ja-Cheol Koo neben sich, der später weiter nach vorne rückte und in der Pause ganz raus auf die Bank. Benedikt Saller tauschte die Zehnerposition mit dem Koreaner, der keinen nachhaltigen Eindruck an diesem Abend hinterließ. Auf den Flügel spielten Jairo und Pablo De Blasis, ganz vorne Petar Sliskovic. Die 98er hatten die erste Chance: Jannik Huth im 05-Tor rettete gegen Julius Biada. Quasi im Gegenzug gingen die 05er in Führung. Sliskovic hielt aus 20 Metern drauf, der Ball knallte an die Latte, Jairo vollstreckte mit rechts zum 1:0 (7.).

Die Führung schien nach 14 Minuten dahin. Milan Ivana hatte sich durch die 05-Abwehr gestohlen, lief alleine auf Huth zu. Der Keeper ging zu Boden klärte den Ball recht eindeutig mit der Hand. Der Stürmer fiel, der Schiedsrichter pfiff Elfmeter. Und wieder war Huth der Sieger, blieb lange stehen und klärte den von Benjamin Gorka getretenen Strafstoß mit ausgereckter Hand. Klasse.

Sichtbare Qualitäten

„Ein ganz guter Abend“, sagte Kasper Hjulmand nach der Partie. „Gut zu sehen, dass wir sehr viele Spieler aus der U23, aus der U19 und aus der ersten Mannschaft zusammenbringen können und dann ein gutes Spiel machen. Am Anfang haben wir zu viele lange Bälle schlecht vertedigt, doch das wurde besser und dann waren wir dominant“, so der 05-Trainer. „Es war gut für die jungen Spieler und auch sehr gut für die Profis, dass wir ihnen viel Spielzeit geben konnten.“ Zu Pablo de Blasis sagte Hjulmand: „Seine Qualitäten waren zu sehen. Er braucht nur noch ein besseres taktisches Verständnis. Diese Fähigkeiten hat er, nur sollte er noch mehr in Richtung Strafraum machen. Er ist sehr fleißig, aber mir gefällt, dass er kein normaler Spieler ist. Er hat etwas besonderes.“ Auch der junge Rechtsverteidger Malte Moos hatte den 05-Coach beeindruckt. „Er ist schnell, er hat auch in der U19 sehr gute Laufdaten. Wir haben heute gesehen: er kann viel laufen, er kann schnell laufen, er kann oft schnell laufen. Wir müssen an seinem taktischen Defensivverständis arbeiten, aber er ist sehr interessant. Er hat etwas. Das ist gut zu sehen.“

Es war sowieso nicht der Tag des Abwehrspielers des Zweitligisten. Nach einem Zusammenprall nach Ecke musste Gorka mit einer stark blutenden Kopfwunde ausgewechselt werden. Und die 05er erhöhten den Vorsprung. Der starke Jairo passte flach von rechts vors Tor, Saller ging zum kurzen Pfosten und ließ mit dem Innenspann abtropfen zum 2:0 (16.). Ja-Cheol Koo hatte vor der Pause die große Chance zum 3:0, umkurvte nach Saller-Pass den Torhüter, kam dabei jedoch zu weit nach außen und verfehlte das leere Tor.

Die Darmstädter hatten noch Möglichkeiten durch Ronny König und vor allem durch Maurice Exslager, der die längst nicht immer stabil wirkende 05-Abwehr ausspielte und auch den Torhüter, vor dem Abschluss jedoch vom einrückenden Moos entscheidend gestört wurde.

Elkin Soto überzeugte als Chef im Mittelfeld. Foto: Jörg Schneider

Die zweite Hälfte bot weniger Höhepunkte als die 45 Minuten zuvor. Die 05er dominierten die Partie, waren fußballerisch klar überlegen, hatten aber zu wenig klare Abschlüsse. Pablo De Blasis machte mit guter Ballverteilung in der Offensive auf sich aufmerksam und scheiterte mit einer spektakulären Angriffsaktion. Nach der schönsten Kombination des Spiels über Saller aus dem Mittelfeld und Jairo auf rechts, kam der Pass zum Argentinier, der sich mit einer sensationellen Drehung durch zwei Innenverteidiger durchtanzte, frei vor dem Tor stand, aber die Kugel neben den Pfosten platzierte. Das war in der 75. Minute. Zwei Minuten später war es wieder der junge Moos, der einen Gegentreffer verhinderte, nach einer Ecke den Ball von der Linie klärte. Pech hatte noch Ronny König mit einer Aktion in der 87. Minute. Der Stürmer überspielte von halbrechts den herauslaufenden 05-A-Jugend-Keeper Denis Wieszolek, traf aber nur den Außenpfosten. 

Was fiel ansonsten auf? Die Souveränität von Elkin Soto als Chef im Mittelfeld, der eine starke Partie als Sechser bot. Auch Jairo lieferte eine sehr überzeugende Vorstellung ab, De Blasis deutete mit etlichen guten Szenen an, dass er auf einem guten Weg ist. Überzeugend auch Malte Moos als Rechtsverteidiger. Philipp Wollscheids Auftritt nach längerer Verletzungspause dagegen war eher durchwachsen. Glänzend im Spielaufbau und im Luftkampf, aber im Zweikampf fehlte dem Innenverteidiger etwas Aggressivität und Nachvorneverteidigung.

FSV Mainz 05: Huth (70. Wieszolek) – Moos (81. Weil), Kalig (81. Ihrig), Wollscheid, Roßbach – Koo (46. Klement), Soto – Jairo, Saller (81. Bohl), De Blasis – Sliskovic (70. Seydel).