Über spektakuläre Saison zurück nach Madrid?

Christian Karn. Mainz.
José Rodríguez Martínez hat große Ziele: Der neue spanische Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05, der einst bei Real Madrid ausgebildet und dort noch vor seinem 18. Geburtstag jüngster Champions-League-Spieler der Vereinsgeschichte wurde, will irgendwann wieder zurück zu diesem Weltklasseklub. Das, sagt Rodríguez, geht nur, wenn er schon jetzt mit den 05ern eine spektakuläre Saison spielt. Sein alter Kumpel Omar Mascarell, neuerdings bei Eintracht Frankfurt, müsse sich derweil in Acht nehmen.

Am Ende wird José Rodríguez Martínez hellhörig: "¿Es un derbi o algo?", fragt der neue spanische Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05, "ist es ein Derby oder so etwas?" Die Rede ist gerade von Eintracht Frankfurt, wo künftig Omar Mascarell spielen wird, sein ehemaliger Mitspieler bei Real Madrid. "Le mataré", verspricht Rodríguez, "ich werde ihn töten." Eigentlich wollte er seinen alten Kumpel, seinen einstigen Partner im defensiven Mittelfel, am Freitag besuchen, aber unter den Umständen, sagt Rodríguez, überlege er es sich vielleicht nochmal anders. Aber im Ernst: "Er ist ein sehr guter Freund. Aber nicht auf dem Platz."

Klingt so, als könnten die 05er Spaß haben mit ihrem neuen Spanier. Klingt aber auch so, als müsse man ihn unter Umständen ein bisschen bremsen. Mascarell wird nicht in wirklicher Lebensgefahr sein; die anderen Ziele des 21-Jährigen sind kaum weniger ambitioniert als die Vernichtung des Gegners. "Ich will zurück zu Real Madrid", sagt Rodríguez, "das ist meine Heimat." Klar, als jüngster Champions-League-Spieler eines der größten Vereine der Welt darf man so denken. "Darum hoffe ich, dass Mainz mit mir eine noch bessere Saison spielt als die letzte", geht es weiter. "Das wird eine schwere Aufgabe, in Europa zu bestehen und diesmal den fünften Platz zu erreichen, aber die Erwartungen sind sehr hoch. Es muss eine spektakuläre Saison werden."

Seinen Vordermann Jairo Samperio kennt José Rodríguez bereits aus der spanischen Juniorennationalmannschaft. Dass es bei den 05ern noch mehr spanischsprachige Spieler gibt, war ein Grund für seinen Wechsel. Foto: Jörg Schneider.Erst einmal muss Rodríguez, in der U21-Nationalmannschaft ein Sechser, für Martin Schmidt ein Defensivspieler mit Drang nach vorne, natürlich in Mainz ankommen, sich eingewöhnen. Das sei auch nicht ganz einfach in den ersten Tagen für den Pendler zwischen Unterkunft und Trainingsplatz. "Viel Zeit hatte ich noch nicht, Mainz zu erkunden", sagt Rodríguez. Viel Zeit wird er auch vorerst nicht haben; morgen geht's zum Testspiel nach Biebrich, übermorgen schon für gut eine Woche ins Trainingslager in die USA. Man bemühe sich aber sehr um ihn, sagt der Spanier, viel mehr, als Galatasaray es vor einem Jahr getan habe. Man habe ihn ein Auto bereitgestellt, einen großformatigen Opel, man habe ihm bei der Wohnungssuche geholfen. Ganz fix ist es noch nicht, aber offenbar wird der Spanier ein Nachbar von Pablo de Blasis.

Dessen Vertrag bei den 05ern war ein kleiner Grund für Rodríguez' Wechsel nach Mainz, der von Jhon Córdoba ein größerer, vor allem aber die Anwesenheit von Jairo Samperio. "Ich kann kein Deutsch", erklärt Rodríguez, "möchte es aber lernen. Türkisch habe ich nicht gelernt, das bereue ich im Nachhinein. Den Fehler will ich hier nicht noch einmal machen." Sein Landsmann Jairo, den er aus der Juniorennationalmannschaft persönlich kennt, der Kolumbianer Córdoba, den er als Gegenspieler aus der spanischen Liga kennt - "Der war gut. Und hat sich wohl noch einmal erheblich gesteigert." - und sein neuer Nachbar können ihm einstweilen helfen. "Ich wollte sowieso nach Mainz", sagt Rodríguez, "aber dass es hier Spieler gibt, die spanisch sprechen, war mitentscheidend."

Dass die Sprachbarriere kein so großes Hindernis sein kann, das zeigt aber derweil Lukas Podolski. Rodríguez Handy sei randvoll mit Nachrichten des ehemaligen Galatasaray-Mitspielers. "Der ist durchgedreht, als ich nach Deutschland gegangen bin", lacht der Spanier, "hat mir peng! peng! peng! eine Nachricht nach der anderen geschickt! Er meint, hier würde ich gut hinpassen, weil hier mehr trainiert, härter gearbeitet wird. Der Kerl spinnt. Aber er ist ein sehr guter Typ und ein sehr guter Spieler."

Und er habe Recht, das Training sei wirklich härter als in Istanbul. "Es hängt natürlich damit zusammen, dass wir ständig unter der Woche gespielt haben", sagt Rodríguez, "und weil der Fokus dort eher auf dem Spiel liegt als auf dem Training. Ich war schon ganz schön müde nach den ersten Trainingstagen in Mainz. Aber mir ist es lieber so."

Schließlich will sich Rodríguez weiterentwickeln. "Man sieht es mir nicht an", sagt er, "aber ich bin ja noch sehr jung. Ich glaube schon, dass ich sehr aggressiv gegen den Ball bin, Spielübersicht habe, technisch gut, vor allem laufe ich aber sehr viel. Aber im Stellungs- und im Kopfballspiel muss ich noch besser werden." Und ansonsten habe er unter José Mourinho sehr viel gelernt, dem Portugiesen alles zu verdanken, zwar seien die technische Komponente und das Passspiel wichtig, aber der Fußball habe sich schon wieder revolutioniert. "Wenn man nicht physisch sehr stark ist und viel läuft, wird man nicht viel gewinnen", sagt José Rodríguez. Er will gewinnen. Und wenn sein alter Kumpel Omar das auch will, hätte er halt nicht zur Eintracht wechseln sollen.

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