Tuchel: „Eine hochinteressante Verpflichtung“

Jörg Schneider. Mainz.
Zwei Heimspiele, beide nicht gewonnen, aber zweimal einen Punkt ertrotzt gegen Mannschaften, die in der Tabelle weiter vorne stehen. Und dabei nur ein Gegentor gefangen. Der FSV Mainz 05 hat einen ordentlichen Start ins neue Jahr hingelegt und war beim 1:1 am Sonntagabend in der ausverkauften Opel Arena einem Sieg gegen Borussia Dortmund so nahe, wie schon lange nicht mehr. Weil der Treffer von Yoshinori Muto fälschlicherweise wegen Abseitsstellung annulliert wurde, Pablo De Blasis mit dem Schlusspfiff das BVB-Tor um Zentimeter verfehlte, mussten sich die Mainzer dank des Ausgleichstreffers von Danny Latza mit dem Punktgewinn begnügen. Damit waren alle Beteiligten zufrieden. Die Stimmen – auch zu Bojan Krkic.

So feierten die 05-Profis Danny Latzas Treffer zum 1:1-Ausgleich. Foto: Ekkie Veyhelmann „Ein gerechtes Ergebnis, das sollte man schon festhalten“, sagte Rouven Schröder nach dem Abpfiff. „Es waren nicht viele Chancen im Spiel. Das erste Tor, das haben wir alle gesehen, da haben wir im Aufbau einen Fehler gemacht, der so nicht passieren darf. Wir hatten da einige Situationen im Spielaufbau, in denen wir ungenau waren, den Ball verloren haben und Konter gekriegt haben. Dann haben wir uns gefangen, ohne uns große Chance  herauszuarbeiten. Aber man hatte im Spiel immer das Gefühl, wenn der letzte Pass sauberer ist, wenn wir es besser zu Ende spielen können, dass da was gehen könnte.“ Der BVB habe in der zweiten Halbzeit auch keine große Möglichkeit mehr gehabt, betonte der Sportdirektor. „Beide Abwehrreihen haben sehr konzentriert und sauber gearbeitet. Für uns fühlt es sich gut an. Wenn man zurückliegt und den Punkt holt, gibt das Auftrieb. Wir sind da sehr zufrieden. Wenn Pablo das Ding am Ende gemacht hätte, das wäre schön, aber vielleicht auch des Guten zu viel gewesen. Ähnlich wie Aaron Seydel, der sich schön Zeit genommen, schön geladen hat und dann wie beim Tipp-Kick abgeschlossen hat. Die Mannschaft hat sich diesen Punkt verdient. Sie hat sich geschüttelt, hat an sich geglaubt, ist nicht hektisch geworden. Das war ein sehr gutes Zeichen. Wir haben jetzt in der Offensive mit Bojan Krkic nochmal zugelegt, Jhon Cordoba kommt jetzt zurück. Das muss uns Auftrieb geben.“

Danny Latza, der umjubelte Torschütze, hat nun die letzten vier 05-Treffer alle selbst erzielt. „André Ramalho spielt einen guten Ball nach außen auf Levin Öztunali. Ich gehe intuitiv auf den langen Pfosten. Ich wollte den Ball haben. Er kam, und ich habe versucht, ihn irgendwie zu platzieren. Das habe ich zum Glück geschafft“, schilderte der Sechser die Situation zum Ausgleich. „Wir können alles in allem zufrieden sein. Die ersten 15 Minuten haben wir verschlafen, ein Gegentor bekommen, was uns gar nicht gepasst hat. Dann ist mehr Stabilität reingekommen. Wir standen gut, haben nicht viel zugelassen. Schade, dass wir nicht mit dem 1:1 in die Pause gehen. In der zweiten Hälfte waren wir sehr aggressiv und haben viele Zweikämpfe gewonnen. Wenn wir ganz viel Glück haben, macht der Pablo das 2:1 und wir behalten drei Punkte hier. Wir hatten uns für die beiden Spiele zu Hause natürlich mehr vorgenommen, aber ich denke, alles in allem können wir zufrieden sein. Wir haben nur ein Gegentor kassiert gegen solche Mannschaften, was auch sehr gut ist. Natürlich haben Yunus und Jhon gefehlt, das sind zwei Zielspieler von uns. Im nächsten Spiel ist Jhon wieder dabei. Ich hoffe, dass er dann vorne richtig wirbeln wird. Ich denke auch, dass der neue Mann uns sehr weiterhelfen wird. Ich hoffe dass er sich schnell integriert und wir ihn schnell aufnehmen können. In Hoffenheim wollen wir was mitnehmen.“

Bedient nach dem Ausgleichstreffer: Thomas Tuchel. Foto: Ekkie VeyhelmannEr habe es so empfunden, sagte Thomas Tuchel, „dass wir einen guten Start hatten mit einem frühen Tor und einem ordentlichen Auswärtsspiel in der ersten Halbzeit. Vor allen Dingen mit zwei großen Umschaltmöglichkeiten auf ein 2:0 und eine kleine Vorentscheidung. Wir hatten eine super Zweikampfquote vor der Pause, die haben wir dann verloren. So hat es sich auch angefühlt. In der zweiten Halbzeit konnten wir gar nicht mehr das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagern. Es wurde ein Spiel, das in der Luft stattgefunden hat. Damit hat Mainz das Spiel auf eine Ebene gebracht, die nicht unseren Stärken entspricht. Aber auch da haben wir sehr aufmerksam verteidigt in der letzte Reihe, keine Chancen bis zum Ausgleichstreffer zugelassen. Auch die Konter haben wir gut verteidigt“, sagte der BVB-Trainer. „Es ist dennoch ärgerlich. Der Schlüssel liegt darin, dass wir nur 1:0 geführt haben und uns nicht auf unsere Stärken im eigenen Ballbesitz verlassen und uns vorne nicht mehr durchsetzen konnten. Wir hatten ja nach der Pause auch keine Möglichkeiten mehr auf ein zweites Tor. Das kann passieren und so gibt es ein Unentschieden. Es ist immer kompliziert selber Ballbesitz zu haben in Mainz. Es bleiben fast immer beide Stürmer von ihnen in der letzten Reihe vorne stehen. Es sind immer die Halbspieler wie Öztunali und Jairo, die vorne mit großem Tempo dabei sind. Deshalb musst du immer den schnellen Zugriff haben im Umschalten. Das haben wir insgesamt gut gemacht.“

Für Martin Schmidt hatte die Partie mit einem harten Dämpfer begonnen. „Für uns ging es so los, wie wir es überhaupt nicht wollten. Wir wollten keine flachen Bälle im Halbfeld drin haben, nicht im Zentrum Ballverluste kreieren und in der zweiten Minute schon dafür bestraft werden. Das war gegen unseren Plan“, erklärte der 05-Trainer. „Ich habe den Jungs in der Pause gesagt: Das Tor wollt ihr morgen nicht sehen. Da kriegt ihr Augenkrebs. Da sind wir auf dem Platz gestanden wie die Hühner. Das war eine schreckliche Szene, die uns in Rückstand gebracht hat. Wir haben uns daraus gewunden und uns darauf konzentriert, dass dieses Spiel heftig verteidigt werden musste. Wir hatten ein paar Umschalter. Fabi Frei kontrolliert den Ball nicht gut in der ersten Szene, dann das Tor von Muto, das nicht gegeben wurde. Aber ich glaube, es ist besser gegen Dortmund den Ausgleich so spät zu schießen, sonst wäre der Weg bis zur 90. Minute lang gewesen.“ In der zweiten Hälfte habe sich sein Team stark verbessert. „Ein Schlüssel war, als André Ramalho reinkam. Damit hatten wir mehr Zugriffe im Zentrum, die zweiten Bälle haben wir mehr gekriegt. Und es war da auch kein Zufall, dass André vor dem Ausgleich den Fuß mit drin hatte. Es war von allen Spielern eine Steigerung in der zweiten Halbzeit. Von daher nehmen wir den Punkt gerne mit. Die Effizienz war heute gar nicht so schlecht. Unterm Strich ein guter, wichtiger Punkt.“

Selbstverständlich stand nach der Partie die spektakuläre Verpflichtung von Bojan Krkic im Raum. Der Neuzugang verfolgte die Partie aus einer Loge heraus zusammen mit seinem Berater, der Barcelona-Legende Carles Puyol. „Hochinteressant finde ich das“, sagte Tuchel dazu. „Wir haben es mitbekommen. Ich bin gespannt, was passiert. Wir kennen den Spieler natürlich auch. Eine wirklich hochinteressante Verpflichtung. Es ist jetzt an Martin, das Beste draus zu machen.“ Schmidt sah es ähnlich. „Wir haben gesehen, dass uns ein Zwischenspieler vorne fehlt, der mit dem Ball was anfangen kann. Immer kann man nicht den Ball nur oben drüber spielen. Man muss auch mal im Halbfeld jemanden finden. Wir haben drei Namen gehabt, haben uns damit befasst und sind sehr froh, dass es mit Bojan geklappt hat“, betonte der 05-Trainer. „Der andere Ansatz war, dass wir sehr viele junge Spieler haben. Spieler die wir weiterentwickeln müssen. Für die Ausgewogenheit des Kaders, da waren Rouven Schröder und ich uns einig, war es notwendig, dass wir auch mal einen brauchen, der Erfahrung hat, auch in schwierigen Spielen. Einen komplexen Spieler. Jetzt sind wir gespannt, wie er die Bundesliga annimmt. Das wird eine spannende Angelegenheit sein. Und ich muss einen Weg finden, ihn ins Team zu integrieren. Er ist kein klarer Konterspieler, aber einer, der das Spiel lenken kann. Ab Montagmorgen gehen wir in die Umsetzung. Er ist ein Spieler, der uns was bringt, was wir nicht haben.“

Die Verpflichtung habe allerdings auch einen weiteren Aspekt gehabt. „Uns war klar, dass wir einen Spieler holen müssen, der eine Reputation hat. Ich wollte auch mal ins Team hinein etwas bewirken. Dass ein Spieler zur Kabinentür reinkommt und alle denken, oho, da kommt jetzt aber einer. Es kann auch mal sein, dass, wenn du Clemens und Malli abgibst und nur Talente dazu holst, die Mannschaft sagt: Haben wir nicht auch Ziele? In welche Richtung geht’s hier? So kann man im Team was provozieren. Bojan hat sehr gute Standards, sehr gute Elfmeter, den letzten Pass. Das ist ein Profil, das mir jetzt etwas gefehlt hat. Ich glaube, dass uns das im Laufe der Rückrunde helfen wird. Er wollte unbedingt hier her. Bei ihm wusste ich, dass er nicht groß rum guckt. Er hat mit niemand anderem geredet, sondern wollte zu uns. Wir waren überrascht, dass er uns sehr gut gekannt hat und davon überzeugt war, dass es für ihn der richtige Schritt ist. Das war für uns ein Zeichen.“

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