Tuchel: Ein Angriffs-Maschinchen

Jörg Schneider. Dortmund.
Zufriedenheit und Enttäuschung hielten sich die Waage beim FSV Mainz 05 nach dem Start in die neue Bundesliga-Saison. Zufriedenheit, weil das Team von Martin Schmidt den gefürchteten Angriff von Borussia Dortmund aus dem Spiel heraus mit starker Leistung und guter Systematik weitgehend kaltstellte. Enttäuschung deshalb, weil die 05er vor 81.360 Zuschauern ihre guten Chancen nicht nutzten und sich zwei dumme, vermeidbare Gegentore einhandelten. 1:2 verloren – ein Punkt wäre drin gewesen.

Die Stimmungslage war gemischt. Auf der einen Seite empfanden alle Beteiligten vom FSV Mainz 05 eine gewisse Portion Stolz und viel Zufriedenheit über die Leistung, die das Team beim Saisonauftaktspiel im mit über 80.000 Zuschauern ausverkauften Westfalenstadion abgeliefert hatte. Auf der anderen Seite ärgerten sich die 05er alle mächtig darüber, dass diese starke Vorstellung vor allen Dingen im Defensivbereich nicht zu einem möglichen Punktgewinn gereicht hatte. Und am Ende sogar noch mehr darüber, dass zwei Nachlässigkeiten der Elf von Thomas Tuchel, dem großen Favoriten, einen 2:1-Sieg beschert hatte.

„Beim Elfmeter haben wir uns dämlich angestellt, beim ersten Dortmunder Tor haben wir die Zuordnung verloren“, sagte Martin Schmidt nach der Startniederlage. „Wenn mir vorher einer gesagt hätte, wir kriegen hier in Dortmund aus dem Spiel heraus so gut wie alles verteidigt, hätte ich das sofort unterschrieben. Aber in Dortmund holst du zwei Tore Rückstand nicht mehr auf. Trotzdem war das für uns ein guter Bundesligastart. Den nehmen wir so mit. Heute müssen wir uns geschlagen geben gegen einen guten BVB. Wenn wir diese Moral und diese Defensivstruktur halten können, dann sind wir für diese Saison bereit“, so der 05-Trainer. Er müsse seiner Mannschaft ein großes Kompliment machen. „Unsere Systematik im Spiel war richtig gut. Der BVB hat das ganze Spiel über die Lösung nicht gefunden, um uns richtig auszuspielen.“

"Die Systematik war richtig gut", sagte 05-Trainer Martin Schmidt nach der knappen Niederlage in Dortmund. "Aber wir haben unsere Umschaltchancen nicht sauber ausgespielt." Foto: imagoDennoch gab‘s auch Kritik vom 49-Jährigen. „Wir haben unsere guten, vorhandenen Umschaltchancen nicht sauber ausgespielt. Wir waren vor allem in der ersten Hälfte einige Male in der Box, doch uns hat die Passqualität und die Effizienz letztlich gefehlt. Da hatten wir zu wenig Killerinstinkt.“

Rouven Schröder stellte ebenfalls die Leistung der Mannschaft in den Vordergrund. „Auf diesen Auftritt bei einem Spitzenklub können wir aufbauen“, sagte der Sportdirektor. „Im Endeffekt ist es schade, dass wir hier keinen Punkt mitgenommen haben. Wir haben ein sehr ordentliches Spiel gemacht, hatten in der ersten Halbzeit sogar ein leichtes Chancenplus. Es wäre schön gewesen, wenn wir hätten punkten können, aber mit der Leistung bin ich zufrieden.“

Einer, der den fälligen Treffer gleich mehrfach auf dem Fuß hatte, war Christian Clemens. „Ich habe gedacht, ich wäre mehr unter Druck gewesen und hätte nicht so viel Zeit“, sagte der Außenstürmer zu seiner Großchance in der 48. Minute, die den Ausgleich für die 05er hätte bringen müssen. „Es tut mir leid für die Mannschaft. Hätte ich getroffen, hätten wir uns belohnt für ein sehr gutes Spiel. Hier hätten wir einfach was mitnehmen müssen.“

Zufrieden war auch Thomas Tuchel. Nicht mit dem Spiel seiner Profis, aber mit dem Ergebnis. „Es ist ein guter Start, wenn man in nicht so guter Tagesform doch noch verdient gewinnt“, sagte der Ex-05-Coach nach den Abpfiff. „Wir waren heute eher ein Angriffs-Maschinchen. Wir haben alle ein Stückweit nervös gewirkt und sind nicht sauber in die Räume gekommen. Umso mehr freuen wir uns über einen Sieg über einen aufopferungsvoll verteidigenden Gegner, der auch richtig zur Sache ging. Im Endeffekt haben wir die Mainzer Konter dann sehr gut verteidigt. Deshalb konnten wir es uns lange erlauben, kein zweites Tor zu schießen.“

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