Transfers im Endeffekt einfach zu teuer

Jörg Schneider. Mainz.
Wenn um 18 Uhr am heutigen Donnerstag die Transferperiode in der Bundesliga endet, wird der FSV Mainz 05 anschließend keinen weiteren Neuzugang mehr vermelden können. „Wir haben uns Tag und Nacht damit beschäftigt, wer kann uns verstärken, wer kann uns besser machen. Und dann mussten wir feststellen, es gibt keinen, der das alles erfüllt und bezahlbar ist. Bevor wir irgendwas veranstalten und verrückte Dinge machen, vertrauen wir auf diesen Kader, der jeden Tag bereit ist Feuer zu geben“, sagt Sandro Schwarz. Weil in einigen Ländern das Transferfenster noch länger offen ist, dürfte dagegen der Abgang von Jairo Samperio und José Rodriguez in den kommenden Tagen noch über die Bühne gehen.

Die Transferperiode in der Bundesliga endet am heutigen Donnerstag um 18 Uhr. Der FSV Mainz 05 wird bis dahin keinen weiteren Neuzugang mehr unter Vertrag nehmen. Weder einen Stürmer noch einen Profi für eine der anderen Positionen. Rouven Schröder und Sandro Schwarz vertrauen dem in diesem Sommer zusammengestellten Kader zu 100 Prozent und sind überzeugt davon, dass die Mannschaft schnell in der Lage ist von der jetzigen Besetzung her, die nötigen Punkte zu holen, Tore zu schießen und eine vernünftige Saison zu spielen. Das bekräftigten der Sportvorstand und der Cheftrainer am Mittag in einer Medienrunde. Auf einen Nenner gebracht heißt das, der Klub hätte zwar Spielerprofile gesehen, die den Kader hätten verstärken können, die aber, obwohl die 05er finanziell gut aufgestellt sind, wirtschaftlich nicht zu stemmen gewesen wären.  

Profile für mögliche Vertsärkungen hätte es gegeben, doch die seien nicht finanzierbar gewesen für Mainz 05. Deshalb haben Rouven Schröder und Sandro Schwarz nicht mehr auf dem Transfermarkt zugegriffen. Foto: Imago„Wenn wir was machen, dann muss das bei uns hundertprozentig passen und derjenige, der kommen soll,  muss uns verstärken gegenüber denen, die da sind. Wir haben aber jetzt noch mal bemerkt, wenn du dich mit solchen Leuten beschäftigst, dass die Latte deutlich höher liegt“, erläuterte Schröder. „Wir haben gute und namhafte Neuzugänge geholt. Wir sehen unseren Kader, der hat ein gewisses Niveau, und wer da drüber springen will, der steht sofort in einem anderen, höheren Regal. Da geht’s finanziell nochmal eine ganze Etage höher. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen, die von den gleichen Dingen berichten. Die Preise werden hoch gehalten bis zum Schluss und werden teilweise noch höher. Da muss man dann sehen, dass das Verhältnis nicht mehr stimmt“, so der Sportvorstand. „Die Spieler, die uns sportlich überzeugen und uns weiterbringen, sind dann einfach nicht mehr finanzierbar. Das Gesamtpaket muss immer stimmen. Entweder kannst du die Ablösesumme stemmen, aber der Spieler ruft eine zu hohe Summe auf. Oder du kannst dir den Spieler leisten, aber der abgebende Verein sagt, legt da mal noch ein paar große Scheine mehr drauf.“

"Das ist die Realität"

Das Ziel sei nicht, den Kader einfach nur zu ergänzen. „Wenn wir uns verstärken, müssen wir das sportlich und wirtschaftlich in Einklang bringen. Wir sind immer bemüht, uns zu verstärken, aber wir müssen dann auch so ehrlich sein, dass das, was wir erlebt haben mit Rene´ Adler vom Namen her, mit Bojan, mit Maxim, das kann funktionieren, ist aber nicht die Normalität. Wir sind ja heute schon so weit, dass wir keine reinen Entwicklungsspieler geholt haben, sondern solche, die in anderen Vereinen etwas vorgewiesen haben. Wenn wir jetzt noch einen dazu nehmen, dann muss der in die Kabine kommen und muss denselben Effekt erzielen wie wenn René Adler in die Kabine kommt. Diesen Spieler zu finden, das ist einfach, weil wir uns ständig viele Gedanken machen. Das Profil gibt es. Aber das Thema ist doch das, wenn es um die Butter auf dem Brot geht, dass wir in Anführungszeichen nur Mainz 05 sind. Das ist die Realität. Wir können nichts tun, nur um das Umfeld zu beruhigen und dass wir nochmal eine Rückennummer vergeben haben. Sondern das Gefühl muss da sein in der Mannschaft, gut dass der bei uns ist. Und nach zwei Trainingseinheiten müssen die Jungs wissen, der bringt uns weiter, bringt uns Punkte und im Endeffekt auch Punkteprämie“, betont der 41-Jährige. Dieses Paket sei nicht zu finden gewesen.

Sandro Schwarz beurteilt die Lage ähnlich. „Wenn es sportlich und finanziell machbar gewesen wäre, dann hätte man was machen können. Aber wir wollen nicht einfach nur ergänzen, sitzen dann in vier Wochen hier und reden über diesen Spieler, der es bis dahin vielleicht gerade auf die Bank geschafft hat und wir müssen uns fragen, war das überhaupt sinnvoll, den zu holen“, so der 05-Trainer. Beispiele dafür gab es in der Vergangenheit genügend. „Wir haben uns Tag und Nacht damit beschäftigt, wer kann uns verstärken, wer kann uns besser machen. Und dann mussten wir feststellen, es gibt keinen, der das alles erfüllt und bezahlbar ist. Bevor wir irgendwas veranstalten und verrückte Dinge machen, vertrauen wir auf diesen Kader, der jeden Tag bereit ist Feuer zu geben.“

Was mögliche Abgänge betrifft, ist das letzte Wort dagegen noch nicht gesprochen. „Da können wir um 18 Uhr noch nicht die Linie ziehen“, sagt der Sportvorstand. „Dafür sind noch drei, vier interessante Märkte da. Wir haben da schon noch ein paar Fenster offen.“ In Spanien läuft die Transferperiode noch einen Tag länger. Die Türkei, Portugal oder Israel haben das Fenster noch länger offen. „Schauen wir mal, was da passiert. Wir machen uns da nicht verrückt“, sagt Schröder. Im Endeffekt geht es dabei nur noch um Jairo Samperio und José Rodriguez, die einen anderen Klub suchen und die der Bundesligist gerne transferieren möchte. Mögliche Überraschungen werde es ansonsten nicht mehr geben. Für Jairo ist damit das Kapitel Bundesliga zu Ende. Der Spanier hatte wie Schröder bestätigte, neben dem geplatzten Deal mit Hannover 96, noch eine weitere Möglichkeit, innerhalb der Liga zu wechseln, die aber ebenfalls nicht funktioniert hat.

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