Torwart, Malli-Nachfolger und ein Stürmer?

Jörg Schneider. Marbella.
Noch eine intensive Trainingseinheit im Stadion von San Pedro am Vormittag, dann ist die Arbeitswoche des FSV Mainz 05 in Andalusien zu Ende. Martin Schmidt hat in einer abschließenden Medienrunde im Teamhotel in Marbella erklärt, dass der Bundesligist neben der Suche nach einem Nachfolger für Yunus Malli die Augen offen hat für die Verpflichtung eines weiteren Stürmers. Und erstmals hat der 05-Trainer davon gesprochen, zudem auch noch über einen neuen Torhüter nachzudenken. Diese Entwicklung ist neu.

Torhüter-Trainer Stephan Kuhnert und die 05-Keeper Jannik Huth, Jonas Lössl und Florian Müller bei der Trainingsvorbereitung. Foto: Jörg SchneiderErstmals in dieser Saison ist beim FSV Mainz 05 die Rede davon, dass der Bundesligist zumindest darüber nachdenkt, noch einen Torhüter zu verpflichten. Martin Schmidt schloss jedenfalls eine solche Personalie in der abschließenden Medienrunde im Mannschaftshotel von Marbella nicht aus und erklärte, dass sich eine solche Konstellation durchaus ergeben könne. „In den nächsten drei Testspielen werden wir unsere Erkenntnisse verbreitern. Bis dahin werden wir auch wissen, wie es mit Gianluca Curci weiter geht. Je nachdem wissen wir dann, ob wir handeln müssen“, sagte der 05-Trainer vor der Heimreise heute Nachmittag im Anschluss an die abschließende Trainingseinheit in San Pedro.

Der Italiener absolviert derzeit ein Probetraining beim englischen Drittligisten Bristol Rovers. Sollte der Wechsel auf die Insel klappen oder Curci, der in der Rangordnung der 05-Keeper hinter Jonas Lössl und Jannik Huth steht, oder Curci einen anderen Verein finden, würde ein Gehaltsplatz frei im Kader. Schmidt ließ allerdings offen, ob  er in diesem Fall nur einen Ersatz für Curci sucht oder einen Torhüter, der die Position von Lössl im 05-Gehäuse angreift. Der Däne müsse einiges tun in dieser Winter-Vorbereitung, hatte der Coach noch im alten Jahr angedeutet und von einem Konkurrenzkampf im Tor gesprochen, in den neben Lössl und Huth auch der junge Florian Müller eingreifen solle. In Marbella sagte Schmidt nun: „Wir werden die Augen offen halten. Wenn es da eine Lösung gibt, ist das eine Option.“ Offenbar ist die sportliche Leitung am Bruchweg nicht komplett überzeugt von den Keepern. Der 28-jährige Sommer-Neuzugang Lössl hat eine durchwachsene Vorrunde gespielt. Huth, der Herausforderer, hatte jetzt seine Probleme im Testspiel gegen Feyenoord Rotterdam. „Es braucht auch oft das Momentum“, so Schmidt. „Du kommst in ein Spiel rein, hast zwei gute Paraden und wir gewinnen 2:0, dann sieht dasselbe Spiel komplett anders aus als es jetzt aussieht. Das Glück brauchst du halt auch als Torwart. Irgendwo zwischen Qäbälä und Rotterdam liegt die Wahrheit bei ihm.“ Im Europapokal-Heimspiel hatte Huth sein Mainzer Profi-Debüt gegeben. Der 19-jährige Müller, den die 05er als größtes Torwarttalent ansehen, braucht nach Ansicht des Trainers noch Zeit. „Florian hat mit Drittligaspielen begonnen im Sommer. Die Einsätze tun ihm gut, um sich dran zu gewöhnen. Er hat die Perspektive, in den nächsten eineinhalb Jahren hier zum Bundesligaspieler zu reifen. Ob er jetzt schon so weit ist, das müssen wir sehen“, sagte der 49-Jährige und fügte hinzu: „Ich glaube aber, dass er noch nicht ausdefiniert ist. Er hat ein Riesenpotenzial in allen Belangen, aber er braucht schon noch dieses Jahr zur Feinabstimmung. Allerdings weiß man bei den Torhütern nie genau, wann der Punkt da ist. Das wussten wir bei Loris Karius damals auch nicht. Irgendwann wird die Chance kommen, dann muss man sie am Schopf packen - oder eben nicht.“ Die anstehenden Begegnungen beim Telekom-Cup in Düsseldorf am Samstag und gegen den FC Thun am Sonntag im Bruchwegstadion (14 Uhr) sollen weitere Erkenntnisse liefern.

In diesen Vorbereitungsspielen haben die aktuellen 05-Profis in der Offensiv-Abteilung die Gelegenheit, ihre sportliche Leitung davon zu überzeugen, dass der Klub die Nachfolge des für 12,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselten Yunus Malli aus den eigenen Reihen kompensieren kann. Martin Schmidt nannte in Marbella diese Möglichkeit neben der Verpflichtung eines externen Malli-Nachfolgers, die der Klub anvisiert, die sich aber gerade aufgrund der im Winter immer schwierigen Markt-Situation als kompliziert erweisen könnte. „Seit dem letztem Jahr, als der Yunus-Wechsel schon mal im Raum stand, haben wir ein Scouting betrieben“, erklärte Schmidt. „Das ging im Verlaufe dieses Jahres weiter, deshalb sind wir da nicht unvorbereitet. Wir hatten einen Pool von Spielern, die wir gesichtet haben. Jetzt geht es darum, was ist machbar, was ist in Kürze machbar? Kann man die Wunschlösung machen? Gibt es eine Zweitlösung? Oder nutzten die Spieler, die da sind, die Chance, das aufzufüllen organisch aus dem eigenen Kader?“ Der Schweizer sprach davon, dass er in den eigenen Reigen drei oder vier Spieler habe, die in diese Rolle schlüpfen könnten. „Wir haben Spieler, mit denen wir im 4-3-3 die optimale Besetzung haben. Mit Yunus gab es immer nur das eine System. Er konnte nicht auf der Seite spielen, weil er dort mehr defensiv hätte arbeiten müssen und das ist nicht seine Stärke. Ich habe dem Team gesagt: Ihr seid gefordert, nehmt die Chance an.“

Der 05-Coach will die drei nächsten Testspiele noch abwarten und sich ansehen, wie seine Offensivspieler reagieren. „Ich muss nicht zwingend was machen, wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt bin, dass das die Lösung ist, die ich will.“ Nur einen Spieler verpflichten, um die Position auszufüllen und dafür Geld auszugeben, sei nicht geplant. Dennoch laufe die Suche auf Hochtouren. „Es kann  auch eine hängende Spitze sein oder ein Zehner. Ich grenze mein positionsspezifisches Anforderungsprofil nicht ein. Es muss der Spieler sein, der passt. Wir können keinen holen aus irgendeiner Liga, der ein halbes Jahr braucht, bis er in die Gänge kommt oder uns versteht. Das wäre nicht förderlich. Es muss einer sein, der direkt helfen kann. Wenn du jetzt einen holst, der läuferisch nicht fit ist, der den ganzen Herbst nicht gespielt hat, den kriegt du in den nächsten sechs Wochen nicht in Gang. Das nützt auch nichts. Dann nehmen wir lieber die interne Option.“

Ziemlich deutlich zu verstehen gab der Coach allerdings, dass er sich im Angriff neben dieser gesuchten Malli-Position noch die Verpflichtung eines zusätzlichen Angreifers vorstellen kann. „Im Moment passiert da noch nichts, was man nach außen hin mitkriegt, aber intern läuft die Maschine“, sagte der 05-Trainer. „Wir suchen in einem kleinen Kreis. Es sind insgesamt keine fünf Spieler auf unserer Liste, die wirklich in Frage kommen."

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