Testspiele gegen die Holländer stehen an

Jörg Schneider. Marbella.
Mit großer Motivation und Energie haben sich die Profis des FSV Mainz 05 in Andalusien in die Rückrunden-Vorbereitung gestürzt und den Kampf um die Stammplätze aufgenommen. Der Konkurrenzkampf im Kader ist knallhart, das zeigt sich bereits in den ersten Trainingseinheiten im spanischen Frühling. Im Rahmen der sechstätigen Arbeitsreise stehen nun die Testspiele auf dem Programm. Heute um 15 Uhr trifft der Bundesligist im Stadion von San Pedro auf ADO Den Haag. Am Samstag folgt die Partie gegen Hollands Spitzenreiter Feyenoord Rotterdam.

Mit viel Motivation und Einsatz sind die Fußballprofis des FSV Mainz 05 (hier José Rodriguez in Aktion) in Andalusien in ihre Vorbereitung gestartet. Foto: Jörg SchneiderDer Kader ist groß. Die Anzahl der Stammplätze ist begrenzt. Maloche ist angesagt. Es scheint so, als hätten sich die Profis des FSV Mainz 05 in den Ferien zum Jahreswechsel diese drei Kurzformeln mantramäßig vorgebetet. Denn die Spieler des Bundesligisten legten zum Auftakt der Trainingswoche in Marbella ein Tempo und eine Intensität vor, einen Einsatz und eine Aggressivität an den Tag, die selbst den Trainer überraschte, aber auch ansteckte. Martin Schmidt führte am Donnerstag im Stadion von San Pedro Alcántara ein strenges Regime, kritisierte, korrigierte und schimpfte mitunter lautstark. Auch der Coach zeigt sich motiviert und energiegeladen. Das bekam dann auch schon mal ein übereifriger Platzwart zu spüren, der das vom 05-Trainer an einem der Übungstore befestigte Netz kurzerhand wieder abhing, weil er dachte, das Gehäuse würde nicht gebraucht. „I need three goals“, wetterte der 49-Jährige. Ein Satz, der zum Motto für die Rückrunde werden könnte, sollte es dem Coach nicht gelingen in Andalusien und in den Vorbereitungstagen danach die Abwehrschwächen der Hinrunde abzustellen.

Seine Mannschaft schien dieses Vorhaben jedenfalls an einem Tag erledigen zu wollen. Krachende Zweikämpfe, Balljagd, Einsatz bis zur Erschöpfung prägten den Auftakt dieses Trainingslagers. „Einige der jungen Spieler sind nervös, das merkt man. Andere sind übermotiviert. Wenn man sich viele Vorsätze nimmt in der Pause, hat man anscheinend das Gefühl, in den ersten Trainingseinheiten muss das alles raus“, sagt Schmidt dazu. „Viele wollen sich neu positionieren. Die wissen alle, dass sich alles jetzt neutralisiert hat, dass alles nicht bei null, aber bei 0,5 anfängt. Es gibt wieder Chancen. Die Positionen sind nicht mehr fixiert. Da ist dann mehr Hektik als sonst drin im Training, mehr Übermut.“ Der Trainer registriert dies zufrieden, auch wenn nach der Weihnachtspause die Mentalität im Team momentan noch besser ist als das, was die Profis qualitativ auf den Platz bringen. „Alles in allem war ich zufrieden mit den ersten Einheiten“, sagt Schmidt. „Klar, die Qualität muss jetzt von Training zu Training gesteigert werden, was Passqualität und Passsicherheit angeht. Dass da direkt noch nicht alles funktioniert ist normal. Doch die Einstellung ist sehr gut. Momentan sind die Spieler hochaggressiv gegen den Ball. Der Spieler, der den Ball hat, wird von drei Seiten angelaufen. Viele Fouls, viel Aktionen, keiner will den Zweikampf verlieren. Dass man das so früh spürt, ist schon ein gutes Zeichen. Da sieht man, dass unheimlich viel Motivation und Power drin ist. Wenn das gegeben ist, ist es viel einfacher das Ganze auszubauen, als wenn du in der ersten Einheiten draufdrücken müsstest, um Emotionen und Mentalität zu schüren.“ Die äußeren Umstände beflügeln das Ganze zusätzlich. Ein Rasen im Top-Zustand. Frühlingshaftes Wetter mit Sonnenschein und Temperaturen um die 20 Grad. „Das kommt alles volles Rohr mit rein.“

Heute gegen ADO Den Haag

 Der Weg, den die 05er einschlagen wollen, ist jedenfalls im neuen Jahr direkt erkennbar. „Ungemütlich sein, den Ball jagen, den Gegner hetzten. Wir leben vom Laufen und schnellen Umschalten. Da hat uns im Herbst manchmal in den englischen Wochen die letzte Power gefehlt. Dahin werden wir wieder zurückkommen. Die Griffigkeit zu kriegen, die Aggressivität wieder zu kriegen, den Gegner so lange zu hetzen, bis der Ball erobert ist und wir umschalten. Das ist ein Stilmittel von uns“, betont der Walliser. Der Fokus in dieser Vorbereitung liege eindeutig auf der Erledigung des eigenen Kerngeschäftes. Sämtliche Abläufe reinkriegen in der Arbeit gegen den Ball. Prinzipien und Automatismen erarbeiten nach Balleroberungen, bei den Läufen in die Tiefe, im kompletten Anlaufverhalten. „Wir werden da nach Schwerpunkten arbeiten und nicht jetzt dem Team drei verschiedene Systeme in drei Wochen einimpfen. Wir werden knallhart an unseren Dingen arbeiten“, sagt der 49-Jährige. Diese Art Fußball zu spielen habe das Team im Vorjahr weit nach vorne gebracht. „Daran werden wir arbeiten. Im Herbst haben wir durch das fehlende Training an diesen Dingen in den Englischen Wochen auf diesem Gebiet zu wenig machen können. Jetzt können wir ständig genau darauf hinarbeiten. Es geht grundlegend darum, immer unsere Leistung abzurufen. Dann werden wir sicher da landen, wo wir am Ende zufrieden sein können.“

Eine erste Überprüfung im Wettkampf steht heute Nachmittag an. Die Mainzer treffen in San Pedro auf den holländischen Erstligisten ADO Den Haag (15 Uhr). Ein Gegner, der wie der 05-Trainer vermutet, in einem ähnlichen Stadium der Vorbereitung ist wie der Bundesligist. „Da wollen wir ebenbürtig sein und Paroli bieten. Unser Spiel wird sicher im Großen und Ganzen so aussehen, wie in den bisherigen Trainingseinheiten“, glaubt Schmidt. „Viel Leistungsbereitschaft, gieriges Zweikampfverhalten. Wenn der Ball erobert ist, wird sicher noch nicht alles klappen, aber wichtig ist, dass wir in das Spiel gegen den Ball kommen.“ Die Mainzer treten an mit zwei Formationen, die jeweils 45 Minuten spielen. „Es soll von der Belastung her ein Trainingsreiz sei und nicht ein Reiz, bei dem wir am nächsten Tag regenerieren müssen.“ Trotzdem will der Coach die angesprochenen Dinge sehen auf dem Platz. Wenigstens im Ansatz.

Die Testspiel-Gegner habe man sich bewusst ausgesucht. Zunächst einen nicht ganz so hochkarätigen Kontrahenten, der aber aggressiv und spielstark sei. Am Samstag folgt dann zur selben Zeit am selben Ort das Duell gegen Feyenoord Rotterdam. „Gegen Feyenoord, das wir schon richtig kantig. Da wollen wir wie im letzten Jahr mit Standard Lüttich wieder einen kernigen Gegner haben. Den Haag wird ein Gegner sein, der in dieser Phase der Vorbereitung für uns machbar sein muss. Am anderen Tag haben wir dann den härteren Gegner“, sagt Schmidt. Ein Testspiel gegen einen der Bundesligisten, die alle in der Nachbarschaft ihre Vorbereitungen abspulen, kam für die Mainzer nicht in Frage. Dortmund, Augsburg, Gladbach, Bremen - man trifft sich schon bald sowieso wieder in der Liga.  „Rotterdam ist Spitzenreiter in Holland, das heißt schon was. Die schätze ich sehr hoch ein. Das wird ein richtiger Prüfstein werden für uns am Samstag“, betont Schmidt.  

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