Strutz: Der Verein wird nicht führungslos

Jörg Schneider. Mainz.
Der Präsident des FSV Mainz 05 feiert am heutigen Dienstag seinen 65. Geburtstag. Nicht mit einem großen Fest, sondern im kleinen Familienkreis. Die jüngste Entwicklung deutet daraufhin, dass Harald Strutz auch mit 65 noch viel Kraft, Energie und Führungsqualitäten braucht in seinem Amt als Klub-Chef. Nicht zuletzt wegen der Thematik Christian Heidel. Sein wichtigstes Ziel sei es, den Manager davon zu überzeugen in Mainz zu bleiben, sagte Strutz der nullfünfMixedZone. „Sollte Christian jedoch kommen und sagen, dass er gehen will, werden wir entscheiden müssen, ob wir dem zustimmen oder nicht.“

Harald Strutz steht auch im Alter von 65 Jahren noch vor großen Herausforderungen als Präsident des FSV Mainz 05. Foto: Jörg Schneider Harald Strutz feiert am heutigen Dienstag seinen 65. Geburtstag. Nicht mit einem großen Fest, sondern eher in aller Stille im Familienkreis. Der Präsident des FSV Mainz 05 empfindet diesen Jahrestag nicht als bedeutenden Lebens-Einschnitt. „Ich glaube, es kommt auf die eigene Einstellung an, wie man selbst im Leben steht. Daran orientiere ich mich“, betont der Rechtsanwalt im Gespräch mit der nullfünfMixedZone. „Für mich ist dies kein besonderes Alter. Die 65 ist für mich wirklich nur eine Zahl.“

Strutz ist Vize-Präsident des DFB, im Vorstand des Ligaverbandes DFL und Mitglied des Stadtrates. Vor allen Dingen aber steht der ehemalige deutsche Spitzen-Leichtathlet an der Spitze des Mainzer Fußball-Bundesligisten. Und zwar erfolgreich seit nunmehr 27 Jahren. Die jüngste Entwicklung deutet daraufhin, dass dieses Amt dem 65-Jährigen in näherer Zukunft noch viel Kraft, Energie und Führungsqualitäten abverlangt. Trotz oder gerade der Erfolge wegen und der sportlich wie wirtschaftlich guten Situation, die der Klub unter seiner Regie geschaffen hat. „Man muss wirklich sehen, dass so unendlich viel passiert ist bei uns in den zurückliegenden Jahren. Unsere wirtschaftliche Situation, die gesamte Infrastruktur, unser Nachwuchs-Leistungszentrum, der Bau der Coface Arena und natürlich die Stabilisierung in der Bundesliga“, sagt der 05-Chef. „Das hätte man sich doch damals in den neunziger Jahren alles gar nicht vorstellen können. Doch das, was geschaffen worden ist, darf nicht zu Träumereien und irgendwelchen unrealistischen Vorstellungen führen. Wir haben das aus eigener Kraft aufgebaut, aber es bleibt weiterhin eine große Herausforderung. Es ist unsere Hauptaufgabe, das Erreichte zu bewahren und den Verein für die Zukunft gut aufzustellen. Da muss man mit einer guten Vereinspolitik überzeugen und eine besondere Vereins-Philosophie bereithalten, um eine Balance zwischen Anspruchsdenken und Realität zu finden.“

Im Moment schwankt diese Balance aufgrund der ungeklärten Situation des Managers und Christian Heidels Ambitionen, irgendwann zum FC Schalke 04 wechseln zu wollen. „Seine großartige Transferpolitik ist eine Grundlage unseres Erfolges, die man nicht hoch genug einschätzen kann.  Ich betone immer wieder, dass es mein wichtigstes Ziel ist, Christian Heidel davon zu überzeugen, dass er bleibt. Uns verbindet sehr viel gemeinsame Verantwortung für den Verein. Wir haben sehr viel gemeinsam erreicht“, sagt Strutz. „Wir können aber auch nicht hingehen und das Thema Heidel zur Schicksalsfrage der Nation machen. Er hat eine herausragende Position in diesem Verein, das darf man nicht verkennen. Das tut auch keiner, ich am wenigsten. Ich setze alles daran, ihn  zu halten. Sollte er den Verein zu irgendeinem Zeitpunkt verlassen, wäre das ein großer Verlust für uns und eine große Herausforderung, das aufzufangen. Es kann aber genauso wenig sein, dass sich der Verein selbst aufgibt und sagt, es bricht hier alles zusammen, sollte Christian wirklich gehen. Es ist eine besondere Situation, mit der ich auch persönlich umgehen muss.“

Der 05-Chef weist jedoch darauf hin, dass der Verein nicht führungslos sein werde. Jeder habe seinen Schwerpunkt in der Tätigkeit für Mainz 05. Die Arbeit sei immer Teamwork gewesen im gesamten Vorstand. „Das wird mir im Moment zu wenig dargestellt“, sagt Strutz. „Wir haben eine gute Basis im operativen Geschäft. Wir sind in der Geschäftsführung in allen Bereichen bestens aufgestellt. Das ist ein wichtiger Teil in der Gesamtbesetzung des Vereins. Dann kommt der sportliche Bereich, den es zu regeln gilt. Wenn es am Ende dazu kommen sollte, dass Christian Heidel gehen will, dann verstehe ich es aus seiner persönlichen Situation. Dennoch muss ich die Verantwortung meinerseits dokumentieren und Ruhe bewahren bei der Suche nach Lösungen. Das Ergebnis ist das Entscheidende. Das Ergebnis muss aber wachsen. Das hat nichts mit Untätigkeit zu tun. Ein bisschen mehr Vertrauen würde dem ganzen Präsidium gut tun.“

Strutz betont, er hoffe nach wie vor darauf, dass Heidel sage, er entscheide sich, seine Arbeit in Mainz in den kommenden Jahren fortzusetzen. Das Angebot von Schalke stehe zwar im Raum, aber die Situation erfordere nicht, Druck auf Heidel ausüben zu müssen. Es gebe da auch keinen zeitlichen Rahmen, selbst wenn das für manche schwer nachvollziehbar sei. „Ich dränge ihn nicht zu einer Entscheidung. Warum? Wir wollen, dass er bleibt und seinen Vertrag erfüllt. Deshalb haben wir ihm ja auch ein neues Vertragsangebot unterbreitet. In der Ruhe liegt die Kraft. Christians Vertrag läuft bis 2017. Ich kann jetzt nicht draußen herumfahren und einen Nachfolger suchen, wenn ich ihn als die beste Lösung sehe. Sollte Christian jedoch kommen und sagen, dass er gehen will, werden wir entscheiden müssen, ob wir dem zustimmen oder nicht.“ Dass der Manager unterdessen bereits selbst an einer Nachfolge-Regelung arbeite, will der 05-Präsident nicht kommentieren, sagt aber: „Die Frage eines möglichen Nachfolgers entscheidet der Verein.“

Man müsse die Heidel-Thematik auch getrennt behandeln von etwaigen Struktur-Überlegungen. „Bei allem, was im Moment diskutiert und kritisiert wird, darf man eines nicht vergessen. Wohin sind wir denn gekommen mit unserer Vereinsstruktur? In unvorstellbare Dimensionen. Natürlich geht es uns darum, dass wir uns damit beschäftigen, was wir für die Zukunft des Vereins tun müssen“, sagt der 65-Jährige. „Dass der Zeitpunkt kommt, ist unabhängig von Christian Heidels Situation zu betrachten. Wir müssen in Ruhe abwägen, welche Vorteile uns eine Umstrukturierung bietet. Wir müssen uns mit den Themen wie einer Kapitalgesellschaft beschäftigen. Wir haben natürlich bereits entsprechende Überlegungen angestellt. Wir stehen da nicht am Anfang.“

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