Strutz: Abschied nehmen, ob man will oder nicht

Jörg Schneider. Mainz.
Christian Heidel hat im Rahmen einer Pressekonferenz am Montagmittag noch einmal über die Hintergründe seines Wechsels zum FC Schalke 04 gesprochen. Harald Strutz, der Präsident des FSV Mainz 05, teilte dabei mit, dass sich der Verein mit Rouven Schröder als Nachfolger auf der Manager-Position einig sei und es derzeit mit Schröders Klub Werder Bremen Gespräche gebe, damit der 40-Jährige zügig nach Mainz wechseln könne, um eingearbeitet zu werden. Strutz rechnet in den nächsten Tagen mit Vollzug. Unterdessen soll U23-Teammanager Darius Salbert Nachfolger von Axel Schuster werden, der Heidel nach Gelsenkirchen begleitet.

05-Chef Harald Strutz: "Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu finden nach einer 24-järhigen, großartigen Zusammenarbeit." Foto: Jörg SchneiderDieser Termin ist Beiden offensichtlich nicht ganz leicht gefallen. Christian Heidel musste ein paarmal schlucken während seiner Ausführungen im Rahmen der recht kurzfristig anberaumten Pressekonferenz in der Coface Arena. Harald Strutz wirkte ebenfalls etwas angefasst angesichts der Endgültigkeit dieser einschneidenden Geschichte für den FSV Mainz 05. Natürlich auch, weil sich eine Zusammenarbeit von fast einem Vierteljahrhundert dem Ende entgegen neigt.

„Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu finden nach einer 24-jährigen, großartigen Zusammenarbeit“, sagte der 05-Präsident. Der Erfolg des Klubs sei stark mit dem Namen Heidels verbunden. „Manchmal aber kommt die Zeit, an dem man Abschied nehmen muss, ob man will oder nicht. Man kann von Traurigkeit sprechen, man kann auch davon sprechen, dass es im Fußball vielleicht heute ganz normal ist, dass es Veränderungen gibt. Wenn dann eine solche Entscheidung getroffen ist, dann ist das schon ein besonderer Tag für Mainz 05“, erklärte der 05-Präsident.

„Wenn mir vor 24 Jahren einer gesagt hätte, dass es wegen mir mal eine Pressekonferenz geben würde in Mainz, hätte ich ihn für verrückt erklärt“, sagte der 05-Manager. Eine Pressekonferenz, die in den Augen vieler längst überfällig war. Die aber erst durch die Entscheidung des Aufsichtsrats bei Schalke 04 am Sonntag möglich wurde. Weil erst dadurch, dass sich das Gremium des Bundesligisten dafür entschied, Heidel ab der kommenden Saison als Manager und Vorstand Sport und Kommunikation zu installieren, der Wechsel des 52-Jährigen in den Ruhrpott definitiv wahr geworden ist. Heidel erklärte nun noch einmal seine Beweggründe für diesen Schritt. „Die Frage nach dem Warum ist mir überall gestellt worden. Es hatte nur sekundär etwas mit Schalke 04 zu tun und war für mich eine besondere Geschichte. Ich hätte mir bis vor zwei Jahren nicht vorstellen können, weg zu gehen von Mainz und von Mainz 05, weil das ein großer Teil meines Lebens ist. Ich habe vor etwa anderthalb Jahren aber für mich privat und persönlich entschieden, und ich glaube, das ist auch legitim, dass ich noch einmal etwas Anderes machen will in meinem Leben im Bereich Fußball. Das war eine innere Entscheidung.“ Zu diesem Zeitpunkt habe es keine Anfrage eines anderen Klubs gegeben. Verschiedene Umstände, wie der plötzliche Tod von Freunden, hätten ihn nachdenklich gemacht. „Das Leben ist endlich. Ich wollte mir nicht irgendwann vorwerfen, dass ich mich hätte fragen müssen, warum ich dies und das nicht gemacht habe. Ich habe mir gesagt, wenn etwas kommt, was dich reizt, was eine Herausforderung darstellt, wo du glaubst, das ist noch einmal ein Schritt in deinem Leben, dann versuchst du diesen Weg zu gehen“, so der Manager.

Herausforderung Schalke reizt besonders: Christian Heidel in der Pressekonferenz am Montag. Foto: Jörg Schneider„Irgendwann kam dann im vergangenen Juni der Anruf von Schalke 04. Ich gebe offen zu, da habe ich angefangen darüber nachzudenken. Ich habe sofort den Verein darüber informiert. Es war mir wichtig, dass, egal, was passiert, alles sehr sauber über die Bühne gehen muss. Dass es nun so lange gedauert hat, unterstreicht auch die Wichtigkeit der ganzen Sache für mich persönlich. Es wäre eher Kritik angebracht gewesen, hätte ich nach dem Schalker Anruf beschlossen, ich verlasse Mainz 05 sofort. Das war für mich dann aber eine Entscheidung nach 24 Jahren, dich ich nicht von heute auf morgen treffen konnte, nach Schalke zu gehen. Mir war auch wichtig, dass beim neuen Verein jeder weiß, wer kommt da, was macht er, was will er? Das hat einfach eine gewisse Zeit gedauert, war aber sicher der bessere Weg als eine ad-hoc-Entscheidung.“ Trotzdem sei ihm diese Entscheidung extrem schwer gefallen. „Ich weiß, was ich hier aufgebe und dass es eigentlich keinen Grund dafür gibt. Private und persönliche Gründe sind auch nichts, was man hätte beeinflussen können. Es gibt auch nichts, was man mir hier hätte anbieten können. Das Geld hat dabei nullkommanull eine Rolle gespielt. Deshalb war es auch für Mainz 05 schwer, mich von etwas anderem zu überzeugen, denn gegen diese Gründe, die für mich entscheidend waren, kann man nichts tun.“

Das einzige, was Heidel wohl zum Einlenken gebracht hätte, wäre gewesen, wenn Mainz 05 sowohl sportlich als auch wirtschaftlich anders als heute dagestanden hätte. „Wäre der Verein in Nöten gewesen, hätte ich es nicht gemacht“, erklärte der 52-Jährige. Warum aber ausgerechnet Schalke 04? Ein Klub, dessen Verschleiß an Trainern und Managern relativ groß ist. „Auch bei mir ist die Historie Schalke natürlich angekommen. Doch das ist für mich ein Grund, der mich gereizt hat als Herausforderung. Ich sehe es weniger als Chance, sondern als große Herausforderung. Eine Chance habe ich nicht gebraucht. Mir ist bewusst, dass es Skeptiker gibt und ich weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist, aber ich muss zugeben, eine leichte Aufgabe hätte ich auch nicht angenommen.“

Strutz machte noch einmal deutlich, dass die geplante und zuletzt häufig diskutierte Strukturreform des Vereins in Gange und in Planung sei und unabhängig von der Person Heidels intern zu diskutieren sei. „Es wird weiter gehen bei Mainz 05. Da können Sie sicher sein“, sagte der 05-Chef. Es sei jedoch nicht so, dass jetzt im täglichen Geschäft neue Wunderdinge zu erfüllen seien. Der Vorstand arbeite an einem Konzept, „aber wir brauchen ein klares Votum unserer Mitglieder. Wenn wir so weit sind, werden wir das klar sagen, das Konzept offenlegen und hoffen, dass wir die Mitglieder für unsere Ideen gewinnen können.“ Das werde im Rahmen der Amtsperiode des Vorstands bis Herbst 2017 geschehen.

Strutz über Schröder: Gute Wahl

Rouven Schröder, der bisher als Direktor Profi-Fußball und Scouting beim SV Werder Bremen arbeitete, wird Heidels Nachfolger am Bruchweg. Strutz bestätigte, dass sich der Verein mit dem 40-Järhigen einig ist. Jetzt müssten nur noch alle Dinge geregelt werden, dass Schröder schnellstmöglich in Mainz anfangen könne, um eingearbeitet zu werden. Heidel selbst hatte als Vorstandsmitglied seinen Kollegen den Namen vorgeschlagen, weil er davon überzeugt war, dass der ehemalige Profi-Fußballer gut passen würde. „Es gab auch noch einen anderen Namen. Ich habe Kontakt aufgenommen und Hintergrundgespräche geführt“, sagte der 05-Chef, der sich bereits im Januar mit Schröder zu ausführlichen Kennenlern-Gesprächen getroffen hatte. „Den anderen Kontakt haben wir daraufhin nicht mehr weiterverfolgt“, sagte Strutz, der hofft, dass er bereits in den nächsten Tagen Vollzug melden kann in Sachen Schröder. „Wir sind der Auffassung, dass wir eine gute Wahl getroffen haben.“ Zu den konkreten Verhandlungen mit Werder Bremen, auch darüber, ob die 05er eine Ablösesumme für Schröder zahlen müssen, dessen Vertrag noch bis 2017 läuft, wollte Strutz keine Auskünfte geben.

Axel Schuster, 05-Teammanager, langjähriger Heidel-Gehilfe und -Intimus, wird seinen Chef nach Gelsenkirchen begleiten. Schusters Nachfolger soll Darius Salbert werden, der in dieser Funktion seit langem bei der U23 arbeitet und einen Teil seiner Tätigkeit auch bereits bei den Profis ausübt, wie es heißt. Ein endgültiges Gespräch mit Salbert steht noch aus. „Er ist sehr erfahren und betreibt das Geschäft schon jahrelang. Es wird einen nahtlosen Übergang geben, aber ein bisschen Zeit braucht es halt schon dazu“, sagte Strutz.

Über Schalke-Themen will Heidel nicht sprechen, solange er in Mainz ist. Das soll mindestens bis zum Ende der Saison sein. „Ich kann nicht sagen, dass mich Schalke bis zum 15. Mai nicht interessiert. Das wäre Blödsinn“, sagte der 52-Jährige. „Aber ich werde hier die Basis dafür schaffen, dass Mainz 05 auch in der folgenden Saison erfolgreich sein wird.“  

Der 05-Vordtand hat seinem Manager, dessen Vertrag bis 2017 läuft, die Freigabe im Übrigen erteilt, ohne auf einer Ablösesumme für Heidel zu bestehen. „Darüber haben wir uns keine Gedanken gemacht“, so Strutz. „Wir haben Christian gesagt, dass wir ihm keine Steine in den Weg legen, wenn die Sache steht. Dabei bleibt es.“ Ein solcher Übergang im Management, wie er nach dieser Saison anstehe, haben laut Strutz genügend andere Vereine nicht hinbekommen. „Bei uns werden Sie erleben, dass es funktioniert.“

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