Strengste Maßnahmen in Frankreich

Christian Karn. Mainz.
Wenigstens der Charterflieger der Mannschaft ist nicht vom Pilotenstreik betroffen; einige Fans des FSV Mainz 05 müssen ihre Reisepläne kurzfristig ändern. Wer es tatsächlich zum Europa-League-Spiel in Saint-Étienne schafft, steht dort offenbar vor den nächsten Problemen. Erst nach Intervention von UEFA, dem Landesinnenministerium und dem deutschen Generalkonsul gab es überhaupt Tickets für Mainzer; Fanbusfahrer werden von der Stadt jedoch wenig sehen und auch individuell anreisende Fans müssen mit inhaltlich unklaren strengen Maßnahmen rechnen. Mit der Kommunikationsbereitschaft der französischen Behörden sind die 05er nicht glücklich.

Auf Auswärtsfahrt haben es die 05-Fans ohnehin nicht leicht; zuletzt gab es in Leipzig (Foto), Brüssel, Fürth und Gelsenkirchen vier schmerzhafte Niederlagen. Nun müssen die 05er froh sein, in Saint-Étienne überhaupt dabei sein zu dürfen; die französischen Sicherheitskräfte wollten das ursprünglich komplett verbieten. Foto: imagoDer FSV Mainz 05 hat hinsichtlich des morgigen Europa-League-Spiels bei der AS Saint-Étienne insofern Glück, dass wenigstens seine Mannschaft in Frankreich nicht unerwünscht ist. Außerdem bestätigten die 05er, die am Mittwochmorgen gegen 9 Uhr aufbrechen, dass ihr Pilot sie nicht sitzen lassen wird; ihr Charterflieger ist nicht vom aktuell auf zwei Tage angelegten Lufthansa-Streik betroffen. Der eine oder andere Fan wurde durch den Ausstand der Pilotengewerkschaft dazu gezwungen, seine Reisepläne kurzfristig über den Haufen zu werfen, zu improvisieren.

Die Meldungen, die derweil die Presseabteilung der 05er versendet, klingen zunehmend beleidigt. Bereits vor zwei Wochen erläuterten die 05er, dass sie selbst die 1.300 Gästekarten, die die französischen Sicherheitskräfte ihnen anstelle der von der UEFA vorgeschriebenen 2.100 Tickets zugestehen wollten, nur nach Intervention hoher diplomatischer Stellen erhielten: "Unter Berufung auf eine ausstehende Entscheidung der zuständigen Sicherheitsbehörden wurden Mainz 05 die Tickets jedoch nicht direkt zugeschickt und in der vergangenen Woche das eigentlich zugesagte Kontingent plötzlich in Frage gestellt", schrieben die 05er, am 7. November "teilte der französische Erstligist Mainz 05 mit Verweis auf eine Entscheidung der Behörden mit, es gebe nun überhaupt keine Karten für Mainzer Fans."

Die 05er nahmen Kontakt mit der UEFA auf, involvierten auch den Landesinnen- und Sportminister Roger Lewentz und den deutschen Generalkonsul in der Nachbarstadt Lyon Klaus H.D. Renner und setzten mit deren Hilfe durch, das reduzierte Kontingent zu bekommen. "Es wäre für uns undenkbar gewesen, in diesem wichtigen Spiel auf die Unterstützung unserer Fans zu verzichten", zitierten die 05er ihren Präsident Harald Strutz. "Wir haben daher alle Hebel in Bewegung gesetzt, diese Tickets zu erhalten. Ich möchte mich ausdrücklich bei unserem Innenminister und dem Generalkonsul für ihre kurzfristige Hilfe bedanken." Auch das Auswärtige Amt hat offenbar eine Rolle gespielt.

Am Dienstag legten die "französischen Sicherheitskräfte" noch einmal nach und übermittelten den 05ern und ihren etwa 1.200 mitreisenden Fans strengste Einschränkungen. So ist die Innenstadt Saint-Étiennes für die mit Fanbussen anreisenden Mainzer gesperrt. "Die französischen Sicherheitskräfte haben kurzfristig auf einen Treffpunkt dieser Busse an einer Autobahnraststätte am Spieltag um 18 Uhr verwiesen. Ausschließlich die dort zu diesem Zeitpunkt versammelten Busse erhalten Zufahrt zum Stade Geoffroy-Guichard", teilen die 05er mit. "Für die beiden von Mainz 05 gemeinsam mit Partner Bohr angebotenen Fanbusse, die in der Nacht auf Donnerstag an der OPEL ARENA starten und eigentlich um die Mittagszeit in Saint-Étienne eintreffen sollten, prüft der Verein die Option eines alternativen Zwischenstopps in Lyon."

Für die auf eigene Faust anreisenden Fans liegt den 05er noch kein schlüssiges Konzept vor. Offenbar müssen auch diese in der Stadt mit strengen Maßnahmen rechnen. Im Laufe des heutigen Tages wollen die 05er vor Ort offene Fragen zu klären versuchen; allzu optimistisch klingen sie nicht: "Dem 1. FSV Mainz 05 sind ob der unbefriedigenden Kommunikation von Seiten der französischen Sicherheitskräfte und des Vereins in der Weitergabe der Informationen an die Fans die Hände gebunden." Der gewünschte Marsch der Fans zum Stadion wurde untersagt. Die 05er versprachen, über ihre Online-Kanäle über alle aktuellen Entwicklungen fortlaufend zu informieren. In dringenden Fällen stünden die Fanbeauftragten David Moschner (+49 176 1905 0099) und Ben Praße (+49 170 5790 906) als Ansprechpartner zur Verfügung.

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