Stimmiges Gesamt-Paket

Jörg Schneider. Mainz.
Christian Heidel hat einen weiteren Big Deal eingetütet. Mehr als zehn Millionen Euro in der ersten Rate, plus millionenschwere Nachzahlungen in den kommenden vier Jahren spült der Verkauf von Johannes Geis an den FC Schalke 04 dem FSV Mainz 05 in die Vereinskasse. „Das ist mit Sicherheit der werthaltigste Transfer, den wir je getätigt haben“, sagt der 05-Manager, der auch sofort einen Nachfolger für den Leistungsträger präsentierte: Für eine Ablöse von rund 3,6 Millionen Euro kommt der international erfahrene Schweizer Nationalspieler Fabian Frei vom FC Basel an den Bruchweg. Die Hintergründe.

Duell künftiger Teamkollegen: Johannes Geis im Zweikampf mit dem Schalker Sead Kolasinac beim 2:0 der 05er in der Coface Arena. Foto: Bernd EßlingUnd dann ging auf einmal alles doch ganz schnell. Nach dem wochenlangen Spekulationen um den künftigen Klub von Johannes Geis verkündete Christian Heidel am Dienstag „The Winner is: Schalke 04“. Der 21-jährige Leistungsträger wechselt von der Coface- in die Veltins-Arena. Und nur wenige Minuten später gab der FSV Mainz 05 bereits die Verpflichtung des Nachfolgers bekannt: Der Schweizer Nationalspieler Fabian Frei kommt vom FC Basel.

Der 05-Manager hat den nächsten großen Millionen-Deal eingetütet. „Das ist mit Sicherheit der werthaltigste Transfer, den wir je getätigt haben“, sagt Heidel und meint damit die Basis-Ablöse, die der Revierklub für Geis hinblättern muss und die durch etliche Zusatzleistungen wie internationale Einsätze, eventuelle Länderspiele, Tabellenplätze sowie etwaigem Weiterverkauf massiv aufgestockt wird. Über zehn Millionen fließen in der ersten Rate in die 05-Kasse, mindestens zwei weitere Millionen plus diese Zusatzleistungen folgen. Heidel sitzt in diesem Geis-Geschäft vier Jahre lang mit im Boot. Dieser Transfer ist damit noch einmal erheblich größer als der von André Schürrle seinerzeit nach Leverkusen (8,5 Millionen plus 1,5 Millionen nachfolgende Bonuszahlungen, plus rund drei Millionen Nachschlag beim Weiterverkauf des Nationalspielers zum FC Chelsea).

„Die Schmerzgrenze für uns war genau erreicht“, sagt der 52-Jährige, der bei aller Sympathie und Wertschätzung für seinen Profi Geis mit einem lachenden Auge ziehen lässt. „Wir als Verein machen ja nichts, was wir nicht wollen. Wir hatten keinen wirtschaftlichen Zwang. Das war jetzt ein absolutes Vernunftgeschäft, weil das Paket insgesamt sehr stimmig war.“ Mit etwa zwölf Millionen hatte Heidel vor geraumer Zeit diese Schmerzgrenze angesetzt. Diesen Betrag kriegt er – und einiges mehr. Und auch die SpVgg Greuther Fürth, von der die 05er Geis seinerzeit loseisten, ist im geringen Maße an diesem Geschäft beteiligt.

Gestählt in vielen Champiuons-League-Einsätzen: Fabian Frei (hier im Zweikampf mit Christiano Ronaldo). Foto: ImagoErwartungen, dass ein noch höherer Betrag zu erlösen gewesen sei, bezeichnet der 05-Manager als nicht realistisch. Geis ist 21 Jahre alt, seit zwei Jahren Stammspieler in der Bundesliga und Leistungsträger. „Aber er ist Mittelfeldspieler und nicht Stürmer. Solche Wechsel sind innerhalb Deutschlands eher selten, weil sich das nur wenige leisten können.“ Nationalspieler Max Kruse, der bisher teuerste innerdeutsche Transfer in dieser Periode, wechselte beispielsweise für eine festgeschriebene Ablösesumme von zwölf Millionen von Gladbach nach Wolfsburg.

Mag sein, dass die bevorstehende Jahreshauptversammlung auf Schalke, in der der zuletzt heftig kritisierte Manager Horst Heldt einen Transfer und ein Erfolgserlebnis präsentieren muss, eine Rolle gespielt hat. Jedenfalls habe Heldt in den vergangenen Tagen mächtig Gas gegeben. Heidel sei es im Prinzip wurscht gewesen, wohin der 05-Profi letztlich wechselt, solange der Preis gestimmt habe und der Kauf eines Nachfolgers vorbereitet gewesen sei, sagt der 05-Manager. Der Preis stimmte. „Ich habe mich zu keinem der vermeintlichen Angebote anderer Klubs geäußert, über die in den Medien spekuliert worden ist“, sagt Heidel. Er habe sich nur gewundert, wer da alles was gewusst haben wollte. Der 52-Jährige lässt aber durchklingen, dass kein weiterer Klub ein konkretes Angebot am Bruchweg abgegeben habe. Auch ein Geis-Wechsel nach Dortmund habe nicht angestanden.

Und Schalke habe den Zuschlag erst dann bekommen, als die Vorbereitungen für die Verpflichtung eines Nachfolgers beendet gewesen seien. „Wir mussten uns vorbereiten für den Fall, dass Johannes geht. Vor drei Wochen hatten wir dann bei Fabian Frei das Gefühl, dass wir ihn kriegen können“, sagt Heidel. Die Verhandlungen mit dem FC Basel seien dann in den vergangen Tagen parallel mit den Schalke-Gesprächen über die Bühne gegangen. Flott und problemlos. Rund 3,6 Millionen Euro müssen die 05er für den Schweizer hinblättern und kriegen damit den erfahrensten Spieler in diesem Altersbereich, den sie je hatten. Der 26-jährige Kapitän des FC Basel ist Stammspieler, hat viele Champions-League-Duelle bestritten, ist aktueller Nationalspieler seines Landes.

„Fabian Frei wollte unbedingt zu uns. Martin Schmidt hat sich mit ihm vor einigen Wochen in Karlsruhe getroffen und ein fantastisches Gespräch geführt. Er passt überragend zu uns.“ Die Tatsache, dass mit Schmidt ein eidgenössischer Trainer in Mainz arbeitet, dürfte bei diesem Deal sicher auch eine Rolle gespielt haben. „Wir sind in der Schweiz sehr präsent als Verein, haben dort viele Sympathien. Das geht auch an den Fußballern nicht vorbei“ sagt Heidel.

„Ein solcher Wechsel wie der von Johannes Geis“, fügt der Manager hinzu, „ist das beste Werbe-Instrument überhaupt, das Mainz 05 haben kann. Spieler wie die Geise vor zwei Jahren kriege ich nur nach Mainz, weil ich solche Beispiele für einen Karrieresprung bei uns aufzeigen kann.“ Yoshinori Muto, Danny Latza, Florian Niederlechner, Leon Balogun und nun Fabian Frei. Die Kaderplanungen am Bruchweg sind weit fortgeschritten, obwohl die Transferperiode offiziell erst am 1. Juli beginnt. „Ich möchte aber nicht beschwören, dass wir mit dem Kader, wie er jetzt aussieht, das erste Bundesligaspiel bestreiten“, sagt der 05-Manager. Heidel möchte sich nicht selbst unter Druck setzen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass in den kommenden Wochen in Sachen Zugängen noch etwas passiere, sei groß. „Es wird sicher auch noch einige Abgänge geben.“ Junior Diaz und Gonzalo Jara sind auf Vereinssuche. Für bisher ausgeliehene Spieler wie Sebastian Polter oder Niki Zimling gibt es Interessenten.