Steiler Einstieg in den Berg

Jörg Schneider. Mainz.
Der Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt hat die Situation des FSV Mainz 05 in diesem dichtgedrängten Abstiegskampf-Getümmel ein wenig beruhigt. Ein Erfolg, der bitter nötig war und immerhin ein dünnes Polster von drei Punkten bis zum Relegationsplatz geschaffen hat. Doch Martin Schmidt weiß, dass die Aufgaben in der nächsten Zeit nicht eben leichter werden. Sein Team muss sich nicht nur auf harte Arbeit einstellen, sondern auch auf massive Leistungsaufforderung und einen scharfen Konkurrenzkampf.

Martin Schmidt im Dialog mit Ja-Cheol Koo. Auch der Koreaner muss sich strecken. Der teuerste Mainzer Einkauf spielt bisher eine eher durchwachsene Saison. Foto: Jörg SchneiderDer neue Trainer am Bruchweg hat viel Arbeit vor sich. Zwar stecken in einem Teil der Mannschaft die Gewohnheiten und das Know how drin, das zu einer kollektiven Vorwärtsverteidigung gehört, zum Pressing, zur Balleroberung und zu schnellen Umschaltüberfällen. Doch diese Herangehensweise muss Martin Schmidt vertiefen und die Mängel, die im Spiel gegen die Eintracht mit enormer Laufbereitschaft Aggressivität und Einsatz sowie einer Portion Matchglück, nicht stärker ins Gewicht fielen, abstellen.

Da sitzt auch bei denen, die diese Herangehensweise aus der Vorsaison noch kennen, längst nicht alles wieder so, wie es sein sollte. Und der 05-Kader ist groß. Vielen Profis muss Schmidt diese Prinzipien in intensiven Trainingsformen beibringen und sich verfestigen lassen. Im Derby bemängelte der Coach die Raumaufteilung seiner Spieler gegen und mit dem Ball.

Der Auftritt, so der 47-Jährige, sei geprägt gewesen von großer Begeisterung, Leidenschaft und Mut der Spieler. „In der ersten Halbzeit kam es mir manchmal vor wie ein Jugendspiel. Da musst du bremsen und ihnen ständig sagen, sie sollen nicht alle nach vorne rennen. Ich hatte das Gefühl, dass sie da einen sehr steilen Einstieg in den Berg gewählt haben“, sagt der Mann aus dem schweizerischen Kanton Wallis, der sich mit Bergtouren auskennt.

„Das ist alles noch nicht gefestigt. Es wäre aber auch ein Kunststück, wenn das alles schon drin gewesen wäre. Diese Fehler müssen raus. Das müssen wir der Mannschaft aufzeigen.“ Das Verhalten defensiv wie offensiv vereinen und möglichst schnell auf einen Nenner bringen. Schmidt sagt, er sei ein Trainer, der sich mehr über die Defensive definiere. „Wir müssen die Kiste verteidigen. Wenn uns Bälle vor die Füße fallen, dann geht es ab. Dann wollen wir angreifen. Wenn wir den Ball erobern, dann ist freies Spiel. Dann darf  man die kreativen Spieler im Kopf nicht allzuviel einschnüren, denn Denken hemmt in diesem Fall“, erklärt der 05-Coach. Zuerst aber müsse die Verteidigung stehen, die Blockmannschaft, wie Schmidt sagt.

Raum-Manndeckung mit klarer Zuteilung

Gegen die Eintracht hat der Coach seine Innenverteidiger die Positionen tauschen lassen. Niko Bungert rechts, Stefan Bell links. Ein erster neuer Reiz. „Das kam zum Teil von ihnen selbst heraus“, berichtet Schmidt. In Gesprächen habe sich herausgestellt, dass sich Bell mit dem linken Fuß vielleicht etwas leichter tue, obwohl er wie Bungert Rechtsfüßer sei. Eine weitere Änderung betraf die Standardsituationen. „Da haben wir umgestellt auf Raum-Manndeckung mit klarer Zuteilung.“ Eine Maßnahme, die erforderlich war, weil die 05er zuletzt zu viele Gegentore aus Standardsituationen kassiert hatten.

Der Kader, mit dem der neue Trainer arbeiten kann, ist groß und wird auch in dieser Breite benötigt. Denn das Programm im Abstiegskampf ist hart. Alleine die nächsten sechs Begegnungen sind auf dem Papier nicht gerade Spiele, die massenhaft Punkte versprechen: Hoffenheim, Mönchengladbach, Augsburg, Wolfsburg, Bremen, Leverkusen lautet die Liste. Da ist der Ansatz, den Konkurrenzkampf zu schüren, Profis, die zuletzt nicht so richtig in die Gänge gekommen waren, massiv und energisch zur Leistung aufzufordern, nur logisch. „Kernkompetenz herausfiltern“, sagt Schmidt. „Sehen, mit welchen Spielern wir glauben, in den nächsten Wochen erfolgreich Fußball spielen zu können.“ Da könne es schon passieren, dass der eine oder andere Nichtberücksichtigte halt im Training noch mehr Gas geben müsse, um sich aufzudrängen. „Wir betreiben Leistungssport“, sagt der 05-Trainer. „Da gibt es ganz klare Leistungsprinzipien und -strukturen, die ich hoch halten möchte.“

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