Starkes Debüt gegen schwachen Gegner

Christian Karn. Mainz.
Der FSV Mainz 05 hat die Generalprobe gewonnen: 1:0 gegen den harmlosen 1. FC Köln durch ein frühes Tor von Danny Latza; der Sieg hätte auch höher ausfallen können. Dass Yunus Malli nicht dabei war, bedeute nichts Besonderes, betonten die 05er, der offenbar von Borussia Dortmund umworbene Zehner war lediglich angeschlagen. Gonzalo Jara hingegen wird nicht mehr für die 05er spielen; der Vertrag des Chilenen wurde vorzeitig aufgelöst. Karim Onisiwo wiederum zeigte ein gutes 45-Minuten-Debüt.

FSV Mainz 05 - 1. FC Köln 1:0 (1:0)

Samstag, 16. Januar 2016.

FSV Mainz 05: Karius - Brosinski (61. Bell), Balogun, Hack, Bussmann (73. Bengtsson) - Baumgartlinger, Latza - Onisiwo (46. Clemens), Serdar (61. Córdoba), Jairo (61. de Blasis) - Muto (73. Frei).

1. FC Köln: Horn - Olkowski, Maroh, Heintz, Hector - Risse, Lehmann, Gerhardt, Bittencourt - Modeste, Zoller.
Ab 61. Minute: Horn - Klünter, Sörensen, Mavraj, Mladenovic - Vogt - Hartel, Osako, Jojic, Svento - Hosiner.

Tor: 1:0 Latza (12., Jairo).

Ein bisschen Aufregung gab's schon am Samstagnachmittag auf den Bruchweg-Presseplätzen. Warum ist Yunus Malli nicht im Kader fürs Testspiel gegen den 1. FC Köln? Nimmt da der viel besungene Wechsel nach Dortmund Gestalt an? Alles Quatsch, wiegelten die 05er ab. "Wir halten ihn nicht warm, weil er unter Umständen wechseln wird", sagte Manager Christian Heidel. "Er war angeschlagen, morgen ist Trainingsspiel, da kann er wieder mitspielen." Mit der gleichen Begründung fehlten gegen den FC auch Henrique Sereno, Niko Bungert, Christoph Moritz, Maximilian Beister, Florian Niederlechner, anzunehmen ist, dass sie nicht alle zum BVB gehen. "Sie haben heute den Härtetest im Training gebraucht", sagte 05-Trainer Martin Schmidt. "Morgen spielen sie." Zweimal 30 Minuten gegen die eigene U23.

Ebenfalls nicht dabei war Gonzalo Jara. Der Verteidiger wechselt wie am Vormittag in der nullfünfMixedZone angekündigt nach Chile; der ursprünglich bis Ende Juni dieses Jahres laufende Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst. Mehr dazu sowie zur Vertragsverlängerung von Philipp Klement (bis 2018) morgen in der nullfünfMixedZone.

Das Testspiel gegen den Tabellennachbarn, die Generalprobe eine Woche vor dem Rückrundenauftakt in Ingolstadt, endete mit einem 1:0 (1:0) für die Gastgeber. Es war das typische Heimspiel gegen Köln: Der FC war über fast das komplette Spiel hinweg völlig harmlos, die 05er brauchten gar keine überragende Leistung, um relativ ungefährdet zu gewinnen. Es hätte auch ein höheres Ergebnis dabei herauskommen können.

Zehn Minuten lang passierte wenig auf dem Platz, dann gab tatsächlich ein Kölner, der Linksaußen Leonardo Bittencourt, den ersten Torschuss ab. Rechts vorbei. Im Gegenangriff gingen die 05er schon in Führung. Danny Latza nahm einen Ball am linken Strafraumeck volley und man sah sofort: Der passt. Hoch ins lange Eck, nicht erreichbar für den Kölner Torwart Timo Horn.

Karim Onisiwo - hier von Jonas Hector und Leonardo Bittencourt in die Zange genommen - hinterließ einen guten ersten Eindruck bei seinem 45-Minuten-Debüt im 05-Trikot mit der Nummer 21. Foto: imagoDie Antwort des FC? Kam nicht. Statt dessen ging der Debütant Karim Onisiwo nach einem Pass von Suat Serdar rechts durch, spielte scharf vors Tor, da fehlte allerdings der Stürmer. Der Neuzugang aus Österreich hatte es direkt mit einem deutschen A-Nationalspieler zu tun, mit Jonas Hector, und machte gegen diesen ein gutes Spiel. Onisiwo kannte seine Rolle und seine Aufgaben auf der rechten Offensivseite, wirkte nicht wie ein Fremdkörper, nicht wie einer, der sich erst eingewöhnen muss. Der 23-Jährige arbeitete defensiv gut mit, übernahm auch mal unaufgefordert den Außenverteidigerposten, wenn Daniel Brosinski ein Backup brauchte, das sah gut aus. Seinen wuchtigen Körper brachte der Mann mit der Rückennummer 21 gut ein, er nahm Zweikämpfe an und gewann sie, er war gut am Ball - das muss er als nächstes auch unter Pflichtspielbedingungen zeigen. Erster Eindruck: Das kann was werden.

Weniger gut - und weniger gut als im Trainingslager - war dagegen der Auftritt von Leon Balogun. Der Innenverteidiger wirkte fahrig, wirkte unkonzentriert; wenn der FC Szenen hatte, dann hing das oft mit Stellungsfehlern oder unnötigen Ballverlusten Baloguns zusammen. Als Rechtsverteidiger war der nigerianische Nationalspieler in der Schlussphase stabiler. Zu viel hineininterpretieren wollte Schmidt allerdings nicht: "Leon tut uns gut", sagte der Trainer trotzdem. "Mit dem Ball ist er manchmal ein bisschen zu verspielt, aber seine resoluten Zweikämpfe tun uns gut." Schaden richtete Balogun letztlich ohnehin nicht an, teils bügelte er seine Fehler selbst aus.

Das zweite Tor der Partie lag in der Viertelstunde vor der Pause gelegentlich in der Luft. Jairo Samperios Schlenzer von halblinks kam nicht nahe genug an den langen Pfosten, Horn flog und hielt (30.). Der starke Latza zog einen Freistoß von rechts außen an der Mauer vorbei - ans Außennetz (37.). Anthony Modeste schoss für den FC ein Abseitstor nach einem Ballverlust von Julian Baumgartlinger am eigenen Strafraum (40.), Alexander Hack grätschte drei Meter vor dem Tor einen Schuss von Bittencourt in Loris Karius' Arme (43.), dann hielt Horn Yoshinori Mutos Schuss von halblinks aufs kurze Eck (45.). Halbzeit.

Modeste und Bittencourt waren in der zweiten Hälfte noch einmal halbwegs nahe am Ausgleich. Karius hielt den harten Schuss des Mittelstürmers und den Nachschuss des Linksaußen - der abseits stand, sein Treffer hätte nicht gezählt (51.). Mehr kam nicht mehr vom FC.

Die 05er hätten nachlegen müssen in dieser Phase. Eine der vielen guten langen Spieleröffnungen von Hack leiteten Baumgartlinger und Muto fast volley auf Serdar weiter, der aus zwanzig Metern knapp vorbei schoss (54.). Kurz darauf gab es einen Eckball, Hack köpfte links über das Tor. Die 05er drückten, kamen mehrmals auf die Grundlinie, dort drückte sich Muto beispielsweise an zwei Mann vorbei. Nur die Querpässe kamen nicht an. Die größte Chance vergab schließlich Jhon Córdoba, der ab seiner Einwechslung in der 61. Minute ein interessantes Wechselspiel mit dem auf die Zehnerposition verschobenen Muto zeigte: Nach einem wunderbaren Diagonallauf in den Strafraum inklusive Doppelpass mit Serdar kam der Kolumbianer halblinks frei vor Horn zum Schuss, trat aber offenbar ein bisschen in den Boden. Der Torwart hielt (72.).

Und die 05er kontrollierten das Spiel. Hinderten die zum Ende hin doch etwas aktiveren Kölner konsequent an weiteren Torschüssen mit einer Ausnahme: Als Karius ein paar Meter vor dem Tor stand, schoss Milos Jojic aus bald 40 Metern einfach mal drauf und verfehlte das Tor (89.). Im Gegenangriff steckte Baumgartlinger den Ball durch sämtliche Abwehrreihen auf Pablo de Blasis, aber wieder hielt Horn gut. Der Kölner Torwart war das größte Problem der 05er am Samstag, ein Geringerer hätte auch ein 0:3 kassieren können.

In Ingolstadt dürfte es ungleich hitziger werden, dafür wiederum war die Partie gegen Köln keine exakte Simulation. Dennoch näherte Schmidt sich dem Bundesliga-Alltag wieder ein Stück. Auch deshalb nämlich war auf der Ersatzbank so viel Platz, auch deshalb schafften es nur 18 Mann in den Kader und nicht 22 wie bei den beiden Spielen in Andalusien gegen die Belgier. "Ich wollte keine zehn Mann wechseln", sagte der Trainer. "Ich wollte zeigen, dass das Spiel sehr ernst genommen werden muss. Wenn ich auch ein, zwei Spieler auf dem Platz hatte, die nicht so sehr in den Abläufen drin sind, wollte ich einen Kader für ein Bundesligaspiel. Jetzt hoffe ich, dass ich die anderen kitzeln konnte, dass sie zeigen: Das war mein Platz im Kader!"

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