Sonderstatus: Elkin Soto darf ablösefrei wechseln

Jörg Schneider/Christian Karn. Mainz.
Die Ferien sind zu Ende, am Bruchweg beginnt nach gut drei Wochen Pause wieder der Trainingsalltag. An diesem Montag startet der FSV Mainz 05 sein fast vierwöchiges Vorbereitungsprogramm auf die Rückrunde der Bundesliga. Und das mit einem veränderten Kader: Philipp Wollscheid verabschiedet sich nach einem halben Jahr schon wieder aus Mainz und wechselt zu Stoke City. Julian Koch wird zum Zweitligisten FC St. Pauli ausgeliehen. Das gravierendste Thema ist jedoch, dass sich Elkin Soto möglicherweise dafür entscheidet, seine Karriere in Mainz sofort zu beenden und die Rückrunde bei Once Caldas, seinem Heimatverein, zu absolvieren.

Der Führungstreffer gegen Bayern München könnte das letzte Tor Elkin Sotos in Deutschland gewesen sein. Die Mainzer müssen sich daran gewöhnen, einen ihrer beliebtesten Spieler loszulassen. Foto: imagoSeit diesem Wochenende nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Bayern München zum Abschluss der Vorrunde in der Bundesliga ist es extrem ruhig geworden am Bruchweg. Spieler, Trainer und Verantwortliche des FSV Mainz 05 verabschiedeten sich in die wohlverdienten Ferien. In eine Pause zum Jahreswechsel, in der es im Klub so still geworden ist wie selten zuvor. Doch in den vergangenen Tagen mehrten sich die Gerüchte und Indizien, dass Trainer Kasper Hjulmand zum Start der Rückrundenvorbereitungen, die am Montagmorgen mit dem obligatorischen Laktattest beginnen, nicht mehr denselben Kader zur Verfügung haben wird wie vor eine paar Wochen.

Das in Mainz gravierendste Thema ist dabei nicht der Überraschungswechsel von Philipp Wollscheid zu Stoke City in die englische Premier League. Die Nachricht, dass Elkin Soto möglicherweise und wahrscheinlich seine Karriere bei Mainz 05 vorzeitig beendet, dürfte Verantwortliche wie Anhänger der 05er gleichermaßen traurig und wehmütig stimmen. Der Publikumsliebling, der seit 2007 für die Mainzer aktiv ist, wird seinem Klub in den nächsten Tagen mitteilen, ob er bereits die Rückrunde für seinen kolumbianischen Ex-Verein Once Caldas absolviert oder doch erst im Sommer in seine Heimat zurückkehren wird.

Park und Koo gewinnen die Generalprobe

Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park, die beiden Südkoreaner des FSV Mainz 05, haben in Australien mit ihrer Nationalmannschaft die Generalprobe vor der Asienmeisterschaft gewonnen: 2:0 gegen die ebenfalls qualifizierte Mannschaft Saudi-Arabiens. Sechs Tage vor ihrem Auftaktspiel gegen Oman (Samstag, 6 Uhr deutscher Zeit; weitere Gruppengegner sind Australien und Kuwait) stellte der Nationaltrainer Uli Stielike beide Mainzer in die Startelf. Koo wurde zur Halbzeit ausgewechselt, Park spielte die erste Hälfte im defensiven Mittelfeld und die zweite als Linksverteidiger. Wie in den zurückliegenden Spielen hatten die Koreaner gewisse Mühe, torgefährlich zu werden; zwar schalteten einzelne Spieler immer gut um, aber die Kollegen rückten schlecht nach. In der letzten halben Stunde wurden die Koreaner besser, setzten den Gegner unter Druck, gingen aber nur durch ein Eigentor nach Standard in Führung (68.). Der Debütant Jung-Hyup Lee erhöhte in der Nachspielzeit auf 2:0. In den Minuten zuvor kam Saudi-Arabien dem Ausgleich mehrmals nahe. Japan mit Shinji Okazaki bereitet sich ohne Testspiele auf die Gruppenpartien gegen Palästina, Jordanien und Irak vor.

„Wir würden uns riesig freuen, wenn Elkin die Rückrunde noch bei uns bleibt“, sagte Christian Heidel am Sonntagabend der nullfünfMixedZone. „Elkin hat sich nach den vielen Jahren als Leistungsträger bei uns genauso wie Nikolce Noveski einen Sonderstatus erarbeitet. Er darf selber entscheiden, was er tun will“, sagt der 05-Manager. Der 34-Jährige hatte Heidel zu einem langen Gespräch gebeten. Der Kolumbianer hatte ohnehin beschlossen, seine Karriere in Mainz nach dieser Saison zu beenden und mit seiner Familie in die Heimat zurückzukehren. Sotos Ex-Verein Once Caldas hat dem Profi inzwischen aber ein Angebot unterbreitet, sich bereits in der Rückrunde dem kolumbianischen Klub anzuschließen und Soto noch einmal einen Vertrag angeboten, der über die Saison hinausgehen und dem Profi noch ein bis zwei Jahre ein Auskommen in Kolumbien sichern würde.

„Ein solch verdienter Spieler hat es sich erarbeitet, dass wir ihm diese Möglichkeit nicht verwehren können“, erklärt Heidel. „Wir schicken ihn ganz bestimmt nicht weg. Wir würden ihn gerne bis zum Ende der Saison behalten und ihn wie einen Helden verabschieden, aber ich habe ihm versprochen, wenn er diese Chance hat, kann er ablösefrei wechseln. Und wir finden einen Weg, ihn im Sommer nach Mainz zu holen, um ihn gebührend zu verabschieden.“

Doch die Entscheidung steht bislang aus. In den kolumbianischen Medien haben sich die Once-Verantwortlichen zwar zu diesem Transfer bekannt, mit den 05ern hat es in den vergangenen Tagen laut Heidel aber keine Gespräche über Wechselformalitäten gegeben. „Elkin wird in jedem Fall bei unserem Trainingsauftakt dabei sein. Dann sehen wir weiter, welche Entwicklungen er mitbringt.“

Wie es scheint, wird Kasper Hjulmand künftig auf Philipp Wollscheid verzichten müssen. Den ausgeliehenen Innenverteidiger soll es weiter zu Stoke City ziehen. Foto: Jörg Schneider

Gegen diese in Mainz eher traurig stimmende Personalie fällt der Überraschungs-Abgang von Philipp Wollscheid, mit dem diverse Medien bereits spekuliert hatten, etwas hinten runter. „Philipp und Bayer Leverkusen hatten den Wunsch, sich zu verändern“, sagt Heidel. „Ich kann deshalb nicht sagen, dass Wollscheids Wechsel zu Stoke City perfekt ist, weil wir damit nichts zu tun haben. Ich kann nur sagen, wir haben mit Leverkusen die Voraussetzungen geschaffen, dass er wechseln kann.“

Der 25-Jährige Innenverteidiger war im Sommer vom Bundesligarivalen ausgeliehen worden, weil Nikolce Noveski sich verletzt hatte und die 05er Bedarf in der Abwehr hatten. Wollscheid war, teilweise ebenfalls aus Verletzungsgründen, aber nur zu fünf Einsätzen im 05-Team gekommen. „Aus seiner Sicht war das sicher nicht glücklich. Aber aus unserer Sicht war die Ausleihe gut, weil ein guter Innenverteidiger da war. Er war da, als wir ihn gebraucht haben.“ Mit den Leverkusenern sei im Sommer bereits ein solches Szenario vertraglich aufgenommen worden. Allerdings ging dies eher in die Richtung, dass Bayer den Spieler eventuell zurückholen könnte. Da sich aber nun in Mainz die Situation ergeben hat, dass Wollscheids Einsatzzeiten in der Rückrunde nicht unbedingt steigen müssen, die 05er auch wenig Sinn darin sahen, mit fünf Innenverteidigern anzutreten, kam die Leverkusener Anfrage ganz gelegen.

Julian Koch spielt in der Rückrunde in Hamburg, soll aber im Sommer zunächst zurückkommen. Foto: Jörg Schneider.

„Wenn wir Philipp unbedingt hätten behalten wollen, hätte Leverkusen ihn jetzt nicht zurückgeholt. So ist es eine Win-win-Situation“, sagt Heidel. „So stelle ich mir Zusammenarbeit unter Bundesligavereinen vor. Ich hoffe, dass er in Stoke die Spielpraxis erhält, die er sich wünscht und braucht. Wir sparen ein halbes Jahr die Ablösegebühr.“

Julian Koch ist von sich aus ans 05-Management herangetreten. „Er kam vor der Pause und hat gefragt, ob es nicht sinnvoll wäre, ihn ein halbes Jahr auszuleihen, weil seine Einsatzchancen in der Rückrunde wahrscheinlich nicht größer werden“, bestätigt der 05-Manager. „Wir waren derselben Meinung. Vielleicht war der Sprung für ihn nach den vielen Verletzungen in dieser Saison bei unserer Konkurrenz einfach zu groß.“

Der FC St. Pauli zeigte Interesse und will sich den Spieler bis zum Ende der Saison sichern. Der Wechsel soll offenbar am Montag über die Bühne gehen. Offiziell bestätigen möchte Heidel den Transfer jedoch noch nicht. Fakt ist, dass Koch, von dessen Potenzial alle überzeugt sind, im Sommer zurückkehrt und erneut die Chance suchen soll.

Das Fußballjahr am Bruchweg beginnt also gleich ähnlich temperamentvoll und aufregend wie das letzte endete. Am Montagmorgen beginnen die Vorbereitungen. Pierre Bengtsson wird allerdings erst am Dienstag ins Mannschafstraining einsteigen. Anschließend wird der Neuzugang vom FC Kopenhagen öffentlich vorgestellt. Spannend wird sein, welche der zuletzt wegen Verletzung ausgefallenen Spieler wieder ins Training einsteigen und welche erst im Trainingslager, das die 05er vom 13. bis 20 Januar im spanischen Marbella absolvieren, ihr Comeback feiern. Einen Großteil, eventuell sogar die gesamte Vorbereitung verpassen die drei Asiaten. Shinji Okazaki, Ja-Cheol Koo und Joo-Ho Park sind bekanntlich für ihre Nationalmannschaften abgestellt, die am Asien-Cup teilnehmen.

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