„Solche Zehner fallen nicht vom Baum“

Jörg Schneider. Mainz.
Der VfL Wolfsburg feiert die Partie am sechsten Spieltag gegen den FSV Mainz 05 als Jubiläumsspiel. Der Konzern-Klub bestreitet aktuell seine 20. Bundesliga-Saison nach dem Aufstieg im Juni 1997 mit diesem denkwürdigen 5:4-Erfolg gegen die 05er. Nach dem bisher eher mäßigen Start herrscht beim VfL aber eine gewisse Sorge, dass die auswärtsstarken 05er die Feierlichkeiten empfindlich stören könnten am Sonntag ab 15.30 Uhr. Die Favoritenrolle ist klar verteilt, aber Rouven Schröder sagt: „Wir werden uns so vorbereiten, dass wir natürlich auch dort die Chance sehen und nutzen wollen. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir eine Chance haben.“

Der VfL Wolfsburg hat diese Partie am Sonntagnachmittag zum Jubiläumsspiel erklärt. Zu einem besonderen Spiel, das der Klub mit einem Fan-Fest, einem Marsch der Anhänger und einem entsprechenden Rahmenprogramm feiert. Den Anlass dafür liefert eine Partie, die auch im Geschichtsbuch des FSV Mainz fest verankert, in der Landeshauptstadt aber eher negativ besetzt ist: Am 11. Juni 1997 verloren die 05er im alten VfL-Stadion am Elsterweg das letzte Saisonspiel, das gleichzeitig über den Aufstieg in die Bundesliga entschied. Mit jenem denkwürdigen 5:4-Spektakel gegen die 05er stiegen die Wolfsburger seinerzeit auf, absolvieren nun ihre 20. Bundesligasaison und nehmen sich die Freiheit, das Treffen mit den Mainzern am sechsten Spieltag als großes Jubiläum zu zelebrieren. Die 05er brauchten anschließend drei weitere Anläufe und einen Bundesliga-Abstieg, um sich in der deutschen Eliteliga fest zu etablieren.

Aktuell herrscht in Wolfsburg jedoch eine gewisse Sorge, dass diese Mainzer Mannschaft zum Party Crasher werden und die Feierlichkeiten empfindlich stören könnte. „Mainz kann ein unangenehmer Gegner sein. Das haben sie in dieser Saison bisher gezeigt. Sie rufen ihre Tugenden ab, zeigen mannschaftliche Geschlossenheit, gepaart mit individueller Qualität“, sagt Trainer Dieter Hecking. Das Team von Martin Schmidt reist nach zwei Auswärtssiegen in der Bundesliga und dem 3:2-Erfolg im Europapokal in Baku mit viel Selbstbewusstsein zu einem Gegner, der mit seinem qualitativ hochwertig besetzten Kader noch erhebliche Schwierigkeiten hat, seine hohen Ansprüche zu belegen. Fünf Punkte aus fünf Spielen, Platz 13, die 1:5-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund und die 1:2-Pleite bei Werder Bremen sorgen für Unruhe in der Autostadt. Da kommt ein auswärtsstarkes Team mit einer augenblicklich bestens aufgelegten und torfreudigen Offensivreihe nicht gerade zum günstigsten Zeitpunkt.

„Ich denke, die Favoritenrolle dürfte trotzdem klar sein“, sagt Rouven Schröder. „Nicht um sich klein zu machen, sondern weil es Fakt ist. Wolfsburg hat einen hohen Anspruch und einen sehr guten individuellen Kader. Die haben ein klares Ziel vor Augen. Wir werden uns so vorbereiten, dass wir natürlich auch dort die Chance sehen und nutzen wollen. Ich bin auch überzeugt davon, dass wir eine Chance haben.“ Der Sportdirektor weiß allerdings auch: „Bei denen ist es so, wenn es da einmal Klick macht und anfängt zu laufen, dann hast du ein Problem.“

Für 05-Sportdirektor Rouven Schröder ist Yunus Malli der richtige Zehner für die Mainzer, der sich bestens mit Yoshinori Muto ergänzt. Ob der Japaner für Wolfsburg fit wird, ist aber noch fraglich. Foto: ImagoDie Partie in Wolfsburg ist das siebte Spiel für das 05-Team innerhalb von drei Wochen. Trotz der Belastung und der Verletztenliste kann Schröder jedoch noch nicht die ganz großen Ermüdungserscheinungen im Kader erkennen. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir da gar nicht groß drüber reden. Wenn du viel drüber sprichst, bist du auf einmal wirklich müde. Wir wissen, dass derjenige der spielt, sich nur ungern ausruht, weil er weiß, da ist schon der nächste hinten dran, der den Platzt im Team haben möchte. Das ist das, was wir wollen. Wir haben eine Konkurrenzsituation, in der man sagen kann, es spielt der, der am ausgeruhtesten ist und am besten passt zum kommenden Gegner.“

Dennoch gibt es ein paar Probleme. José Rodriguez ist für die Bundesliga weiterhin gesperrt. Jean-Philippe Gbamins Einsatz nach der Verletzung ist sehr vage. Yoshinori Muto hat sich im Europapokal am Knie verletzt. „Wir können es noch nicht richtig bewerten, wie schwer die Verletzung ist“, sagte der Sportdirektor am Freitag. Man hoffe weiter, dass der Japaner fit werde fürs Auswärtsspiel. „Es wäre schade, wenn er ausfallen würde, denn Yoshi hat in Baku ein wirklich gutes Spiel gemacht. Er hat sich unglaublich gut bewegt, war fleißig gegen eine gefühlt 2,40 Meter große Abwehr, hat denen alles abverlangt und ein Tor gemacht. Er ist sehr teamorientiert und auf einem richtig guten Weg.“

Außerdem bricht Schröder eine Lanze für Yunus Malli, der bislang alle Spiel bestritten, vier Tore in Bundesliga und Pokal erzielt und etliche vorbereitet hat. Der 24-Jährige zeige keine Anzeichen von Ermüdung. „So lange Yunus so drauf ist, wie er ist, ist alles gut“, sagt der 40-Jährige. „Ich muss ihm ein Extra-Lob zollen für die Art, wie er die Spiele absolviert in dieser Konstanz. Er ruht in sich. Er ist in sich stimmig, spürt ein absolutes Vertrauen vom Verein und vom Trainer. Das ist etwas, was uns richtig gut tut. Yunus ist der richtige Zehner für Mainz 05. Solche Zehner, das muss man ganz klar sagen, fallen nicht vom Baum.“ Das gilt auch für die Innenverteidiger. Da hat sich die Situation unterdessen verbessert. Leon Balogun fällt zwar noch verletzt aus, aber Niko Bungert ist fit, und Alexander Hack hat sich mit den Leistungen gegen Leverkusen und Qäbälä nachdrücklich für mehr empfohlen. „Man muss wirklich sagen, er hat das beeindruckend gemacht. Länger nicht im Kader oder nur auf der Bank, dafür aber sehr ruhig und konzentriert gespielt. In Baku hat er schnell die gelbe Karte bekommen und sich danach gesteigert. Sehr, sehr ruhig auch im Spielaufbau. Das war ein sehr gutes Zeichen auch für ihn selbst. Wir haben gesehen, wir werden, wie wir gesagt haben, jeden Spieler brauchen.“

Möglich, dass dadurch Stefan Bell eine Pause erhält. Der nominelle Abwehrchef hatte in den vergangenen Spielen das Pech gepachtet. „Wir wissen alle, was Bello für uns wert ist und welche Leistungen er für uns zeigt“, sagt der Sportdirektor. „Er ist ein Typ, der solche Sachen selbst am besten für sich beleuchtet, ohne, dass wir es ihm aufs Butterbrot schmieren müssen. Wir sind hundertprozentig von ihm überzeugt. Es kommt mal vor, dass ein Spieler solche Fehler macht. Es ist halt immer die Crux bei denen, die hinten drin stehen. Wenn er mal falsch steht, ist er derjenige über den dann alle schimpfen. Aber meist ist es doch so, dass davor einer etwas nicht zugelaufen hat, den Fehlpass gespielt oder die Flanke nicht verteidigt hat. Stefan wird aus dieser Phase schnell wieder rauskommen.“  

 

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