Slapstick-Tor bringt erste 05-Pleite

Jörg Schneider. Wiesbaden.
Der FSV Mainz 05 hat seine erste Niederlage in der Saisonvorbereitung kassiert. Die Mannschaft von Sandro Schwarz unterlag am Samstag vor rund 1500 Zuschauern in der Brita Arena dem SV Wehen Wiesbaden mit 0:2. Der Drittligist, der nächste Woche in die Saison startet, war den 05ern in Sachen Frische und Schnelligkeit voraus, benötigte jedoch zwei Abwehrfehler, um zum Erfolg zu kommen. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte Torhüter René Adler. „Da sind auch die schweren Beine keine Ausrede. Darüber werden wir sprechen und uns verbessern. Vielleicht ist aber gerade so ein Dämpfer lehrreich.“

SV Wehen - FSV Mainz 05 2:0 (0:0)

Samstag, 15. Juli 2017, 1.600 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Adler (46. Huth) - Donati (46. Holtmann), Scheithauer, Bell, Brosinski - Frei (46. Rodríguez), Serdar (46. Klement) - de Blasis, Maxim (46. Seydel), Jairo (46. Onisiwo) - Kodro (46. Muto).

SV Wehen: Kolke – Mrowca, Mockenhaupt (76. Ruprecht), Dams, Reddemann – Andrich, Funk (63. Diawusie), Blacha (63. Andrist), Mintzel, Müller (63. Lorch) – Schäffler (76. Mvibudulu).

Tore: 1:0 Schäffler (70., Mintzel), 2:0 Schäffler (73.).

Für das Niveau der beiden Regionalliga-Klubs in den ersten beiden Testspielen hat es gerade noch für jeweils einen Sieg gereicht. Gegen den Drittligisten aus der Nachbarschaft kassierte der FSV Mainz 05 nun seine erste Niederlage in der Vorbereitungsphase. 0:2 beim SV Wehen Wiesbaden, der zwar trotz des bevorstehenden Saisonauftaktes nächste Woche zu Hause gegen Carl Zeiss Jena nicht eindeutig besser war, der aber die Nachlässigkeiten der 05-Profis - und davon gab es eine Menge – gnadenlos ausnutzte. „Damit können wir nicht zufrieden sein“, sagte Torhüter René Adler nach der Partie vor rund 1500 Zuschauern in der Brita Arena. „Da sind auch die schweren Beine keine Ausrede. Darüber werden wir sprechen und uns verbessern. Vielleicht ist aber gerade so ein Dämpfer lehrreich.“

Es war nicht alles schlecht, was die 05er anboten. Doch insgesamt fehlten besonders im Spiel nach vorne wie schon in den Begegnungen zuvor oft die Idee, das Tempo und die Präzision. Immer wieder waren es die Unzulänglichkeiten im Passspiel oder die halbherzige Vorwärtsverteidigung, mit der sich das Team von Sandro Schwarz das Leben gegen den präsenten Drittligisten schwer machte. Der 05-Trainer hatte allerdings auch auf eine ganze Reihe von Spielern verzichtet. Insgesamt zehn Profis schonte der Trainer, weil sie die vergangenen Trainingseinheiten mit Blessuren beendet hatten. „Wir wollten vor dem Trainingslager kein Risiko eingehen“, betonte der 38-Jährige. Neuzugang Abdou Diallo war ebenfalls nicht dabei. Der Franzose ist noch einmal zurück nach Monaco geflogen, steigt aber am Montag in Grassau in den Betrieb ein.

Vermasselte sich selbst das Geburtstagsgeschenk zum 25. Yoshinori Muto verschoss beim 0:2 der 05 in Wiesbaden einen Foul-Elfmeter. Foto: René VigneronImmerhin hatte der Auftritt der Mainzer diesmal etwas mehr Struktur. Suat Serdar sorgte im Mittelfeld für Ordnung und leitete einige ganz gute Angriff ein. Hier und da blitzte auch die Qualität von Kenan Kodro und Alexandru Maxim auf, die einige Direkt- und Doppelpass-Aktionen hatten, allerdings ohne erfolgreichen Abschluss. Kodro hatte die erste Chance nach einem Ballverlust eines Wehener Abwehrspielers, der Bosnier hatte am Strafraum die Option, Pablo De Blasis halbrechts in die Gasse zu schicken, entschied sich aber für den eigenen Abschluss und verzog knapp. Doch der Mittelstürmer zeigt deutlich aufsteigende Form, nachdem Kodro in der ersten Woche doch stark mit der Anpassung beschäftigt gewesen war. Kodro war es dann auch, der die beste Mainzer Aktion der erste  Hälfte abschloss: Serdar passte diagonal aus dem Mittelfeld auf die rechte Seite, Giulio Donati brachte den Ball flach auf den Elfmeterpunkt, Kodro verzog allerdings erneut. Dennoch sah die Kombination gut aus. Kurz vor der Pause hatte Maxim eine Chance nach ähnlicher Machart: De Blasis rechts raus auf Donati, Pass vors Tor, Maxim setzte den Ball aus kurzer Distanz über die Latte.

Böse Patzer von Rodriguez und Huth

Die Wiesbadener hatten weniger hochkarätige Möglichkeiten, wirkten jedoch aufgrund ihres Vorbereitungsstands etwas direkter, schneller im Umschalten. Dennoch lag das Chancenplus beim Gegner. José Rodriguez sah in der 55. Minute, dass der Keeper zu weit vor dem Tor stand, hielt von der Mittellinie aus drauf und zwang Markus Kolke dazu, den Ball - der wohl das Tor knapp verfehlt hätte - im Rückwärtslaufen sicherheitshalber noch zum Eckball vom Feld zu bugsieren. Nach einem Foul von Sebastian Mrowca im Strafraum an Yoshinori Muto gab es Elfmeter (65.). Muto, der am Samstag seinen 25. Geburtstag feierte, machte sich kein Geschenk, schoss zu unentschlossen und scheiterte an Kolke. Fünf Minuten später ließ SVWW-Mittelstürmer Manuel Schäffler die 05-Abwehr komplett schlecht aussehen, eroberte den Ball im schwachen 05-Aufbauspiel, passte auf den Flügel und verwertete den Rückpass zum 1:0. Richtig bitter wurde es in der 73. Minute: Rodriguez verlor völlig uninspiriert den Ball im Mittelfeld, Schäffler sah, das sich Jannik Huth weit vor seinem Tor aufhielt und schoss drauf. Der 05-Torhüter kam irgendwie an den Ball dran, hatte ihn schon in den Händen, aber die Kugel flutschte ihm durch die Finger und kullerte ins Tor. Eine Slapstick-Aktion.

„Ich würde sagen, dass wir in der ersten Halbzeit die eine oder andere Abschlussmöglichkeit hatten, wenn wir zielstrebig und schnell gespielt haben. Trotz allem war das viel zu selten“, sagte Schwarz nachher. „Wir hatten nicht das Tempo drin, das wir wollten. Nach der Pause hatte ich zunächst das Gefühl, dass dies unsere bessere Hälfte war. Denn gerade zu Beginn bis zum Elfmeter hatten wir die absolute Kontrolle und haben gute Sachen rausgespielt. Mit dem Gegentreffer war es sehr kopflos, wie wir agiert haben. Wir haben Dinge gesehen, die uns wichtig waren, aber auch Dinge, die weniger gut waren und an denen wir definitiv arbeiten müssen. Der Gegner war uns von der Schnelligkeit und Frische voraus.“

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