Sevilla-Test konkretisiert die Mängelliste

Jörg Schneider. Mainz.
Die 0:1-Niederlage im Testspiel vor 3500 Zuschauern am Bruchweg gegen Europaliga-Champion Sevilla FC hat dem Trainer des FSV Mainz 05 deutlich aufgezeigt, wo Martin Schmidt in den nächsten Wochen in seiner Arbeit ansetzen muss, um das Team bundesligatauglich zu machen. Er habe viele Erkenntnisse gewonnen und habe mit dem Team viel aufzuarbeiten in allen Bereichen, sagt der Coach, der sich mit seinem Kader von heute an eine Woche lang ins Trainingslager im italienischen Aostatal zurückzieht und ankündigt: „Wir haben intensive Wochen mit viel Arbeit vor uns.“

Die Koffer sind gepackt, am Samstagmorgen geht der Flieger nach Turin, von wo aus der FSV Mainz 05 dann per Bus ins Aostatal reist und im Kurort Saint-Vincent sein zweites Trainingslager dieser Sommervorbereitung bezieht. Eine Woche lang will sich Martin Schmidt mit seinem Team auf der Alpensüdseite der Arbeit am eigenen Spielvortrag widmen, Abläufe und Automatismen eintrichtern und so langsam in den Wettkampfmodus finden. Zwei Testspiele stehen auf dem Programm. Am Mittwoch trifft der Bundesligist auf den Schweizer Zweitligisten Servette Genf, einen Tag später auf Novara Calcio aus der italienischen Serie B. Beide Spiele werden jeweils um 18 Uhr im Stadio Perucca (Via Stazione 1, Saint-Vincent) angepfiffen, wo die 05er auch ihre Trainingseinheiten absolvieren.

Pablo De Blasis hinterließ gegen den Sevilla FC einen sehr guten Eindruck. Der Argentinier war an nahezu allen gefährlichen Aktionen der 05er beteiligt. Foto: ImagoDie 0:1-Niederlage am Donnerstagabend vor 3500 Zuschauern am Bruchweg gegen den Europaliga-Champion Sevilla FC hat dem Mainzer Trainer die Themen-Schwerpunkte gezeigt, die im Aostatal im Mittelpunkt stehen werden. „Wir nehmen viele Erkenntnisse aus dieser Partie mit ins Training“, erklärt der 49-Jährige. „Erkenntnisse, die auch das bestätigen, was man vorher gedacht und gesehen hat. Deshalb haben wir sehr viel Arbeit in den nächsten Wochen.“ Gegen die Andalusier sah es eine Halbzeit lang ganz ordentlich aus, was die Mainzer auf den Platz brachten. Die 05er behaupteten sich gegen die spielerisch besseren, klar strukturierten und extrem ballsicheren Spanier. Die Mainzer hatten ihre Chancen immer dann, wenn sie den direkten Weg in die Umschaltung nach Balleroberung fanden und mit Tempo über die Flügel vorstießen. Da zeigte sich Pablo de Blasis vor allen Dingen hellwach und in guter Frühform. Der Argentinier bereitete einige Top-Chancen vor, die allerdings von Jairo, Jhon Cordoba und Yoshinori Muto vergeben wurden. Auf der anderen Seite fehlte im zentralen 05-Mittelfeld bisweilen der Zugriff gegen die sehr variabel agierenden Spanier, die vor der Pause zwei fertige Tore liegen ließen. Nach der Pause und dem fast kompletten Personaltausch wurden die Mainzer Probleme größer. Der Gegner wurde immer stärker, dominierte die Partie mit beeindruckendem Kombinationsspiel, ging durch den Ex-Schalker Sergio Escudero in Führung und scheiterte danach etliche Male am herausragenden 05-Torhüter Gianluca Curci, der mit dieser Leistung unterstrich, dass er dem Newcomer Jonas Lössl den Platz zwischen den Pfosten nicht kampflos überlassen will. „Das Spiel hat sein Training der vergangenen Wochen bestätigt“, betont der 05-Coach. „Man sieht, dass er den Zweikampf mit Jonas gerne annimmt. Er hat seine Schnellkräftigkeit gezeigt und unterstrichen, wie schnell und reaktionsschnell er trotz seiner Größe und Statur ist. Das war ein guter Test für ihn. Er hat den Kampf eröffnet. Das wird noch spannend.“

Ansonsten führte der spanische Spitzenklub dem 05-Trainer deutlich vor Augen, wo Schmidt nun ansetzen muss. „Über Phasen sieht unser Spiel schon ganz gut aus, aber vor allem im athletischen Bereich fehlt bei vielen Spielern noch einiges“, betonte der 49-Jährige nachher und zählte weitere Defizite auf: „Die neuen Spieler sind noch nicht integriert, arrivierte Spieler sind noch nicht fit, die Späteinsteiger haben Rückstand. Am auffälligsten war aber der athletische Bereich. Da haben wir viel aufzuarbeiten. Wir haben gesehen, dass es für den Gegner ein ernstes Spiel war. Die haben wenig gewechselt, wollten gewinnen. Bei uns war das noch nicht so im Kopf. Der Nachholbedarf ist da, wir haben intensive Wochen vor uns.“

Überrascht haben Schmidt die Mängel allerdings nicht. „Man hofft natürlich, dass Spieler, die neu dazukommen oder später einsteigen, schneller dran sind, aber man sieht auch, dass da manchmal sogar 30 Minuten noch zu viel sind. Wir müssen noch viel tun für unsere Bundesligatauglichkeit.“ Von daher sei die Sevilla-Partie „super lehrreich“ gewesen. „Aber das wollten wir ja auch so. Wir wollten möglichst schnell gegen harte, gute Gegner spielen. Das war schon so gegen die Leones Negros in den USA, jetzt gegen ein spielstarkes und aggressives Team wie Sevilla, das uns direkt ans Limit gebracht hat.“ Auch wenn das Ziel laute, die Vorbereitungsspiele zu gewinnen, „ist eine Niederlage vielleicht in dieser Situation besser. Jetzt können wir in die nächste Phase ganz klare Dinge mitnehmen, unsere neuen Spieler näher ran bringen an die höheren Anforderungen. Und die anderen aus dem Kern des Teams ans Taktische ranführen. Wir haben in dem Bereich faktisch noch gar nichts gemacht. Spielabläufe. Balleroberung. Wo spielen wir die Bälle hin? Da brauchen wir intensive Einheiten.“

Voraussetzung dafür ist die Verbesserung der Athletik. Das heißt, die Kondition muss nach den intensiven Wochen im Grundlagen-Ausdauer-Bereich nun kommen. „Wenn du da besser bist, kommst du auch in die Zweikämpfe“, so Schmidt. „Man hat es gesehen. Am Ende sind wir nur noch hinterhergerannt. Wir müssen jetzt höheres Tempo kriegen, das Pressing durchstehen.“

Gegen Sevilla fehlte Gerrit Holtmann. Der Linksaußen klagte über muskuläre Probleme nach der Belastung und wurde geschont. Yunus Malli war nicht dabei, weil der Nationalspieler erst zwei Tage vorher ins Mannschaftstraining eingestiegen war. „Yunus hatte erst zwei Einheiten auf dem Platz bestritten. Ein solches Spiel mit dieser Intensität wäre zu viel für ihn  gewesen“, sagte Schmidt. „Er hat vorher trainiert und sich die Partie von der Tribüne aus angesehen. Er wird dann in den Tests im Aostatal spielen.“

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