Seriös, souverän

Christian Karn. Lüneburg.
Mit einem nur in Nuancen spektakulären, aber auch unter schwierigen Bedingungen sehr seriösen und vollkommen souveränen Auftritt hat der FSV Mainz 05 das erste Pflichtspiel der Saison hinter sich gebracht und die zweite Runde des DFB-Pokals erreicht. Yoshinori Muto und Daniel Brosinski schossen die drei Tore gegen den Regionalligaklub Lüneburger SK Hansa, der zwar mit einem glücklich abgefälschten Schuss zwischendrin ausglich, aber eigentlich keine ernsthafte Chance hatte gegen den kontrollierten Auftritt des Bundesligisten.

Lüneburger SK Hansa - FSV Mainz 05 1:3 (1:2)

Samstag, 12. August 2017, 4.000 Zuschauer.

Lüneburger SK Hansa: Springer - Deichmann, Pägelow (80. Hunold), Eden, Büchler - Pauer (74. Kobert), Wolk - Treu, R. Monteiro (63. Zazai), Vobejda - Krottke.
Reserve: Wulf, E. Monteiro, Kunze, Ilgner. Trainer: Otte.

FSV Mainz 05: Adler - Donati, Bell, Diallo, Brosinski - Frei, Latza - de Blasis, Maxim (82. Klement), Fischer (65. Onisiwo) - Muto (72. Kodro).
Reserve: Zentner, Balogun, Quaison, Serdar. Trainer: Schwarz.

Schiedsrichter: Jablonski (Bremen).

Tore: 0:1 Muto (13., Maxim), 1:1 Vobejda (31., Krottke), 1:2 Brosinski (44., Foulelfmeter, Wolk an Muto), 1:3 Muto (60., Brosinski).

Gelbe Karte: Eden.

Mit einem topseriösen Auftritt und einem 3:1, das auch in den 13 Minuten zwischen dem Ausgleich und der erneuten Führung nie ernsthaft gefährdet aussah, hat sich der FSV Mainz 05 beim Lüneburger SK Hansa für die zweite DFB-Pokalrunde qualifiziert. Yoshinori Muto (13., 60.) und Daniel Brosinski (44., Elfmeter) schossen die Tore gegen den LSK, der in den kompletten 92 Minuten bis auf den tückisch abgefälschten Ball von Felix Vobejda (31.) keinen einzigen Schuss aufs Mainzer Tor abgab. In der zweiten Runde droht natürlich ein Spiel gegen einen Zweitligaklub. Das ging in den vergangenen Jahren immer wieder schief.

Die Partie in den Lüneburger Sülzwiesen hatte am Vormittag noch ein bisschen auf der Kippe gestanden. Zwar hatten die Norddeutschen großen Aufwand betrieben, um das Stadion des Stadtrivalen VfL für den DFB-Pokal herzurichten, jedes freie Eckchen in einen Zuschauerbereich zu verwandeln, aber das Wetter hätte das Spiel fast gekippt. Erst gegen 10 Uhr am Spieltag war klar: Es findet statt. Der bis zum Abpfiff strömende Regen und der zwangsläufig glitschige Boden machten es den Spielern nicht leicht, immer wieder rutschten sie aus. Den Klassenunterschied nivellierte der Platz jedoch nicht weg.

Sandro Schwarz hatte sich bei seinem ersten Pflichtspiel als 05-Cheftrainer für eine recht konservative Aufstellung entschieden. Gerrit Holtmann, der vor einer Woche noch als ein Kandidat für die Linksverteidiger-Position gegolten hatte, war nach seiner leichten Verletzung aus dem letzten Testspiel nicht rechtzeitig fit geworden und fehlte ebenso im Kader wie der erkrankte Levin Öztunali. Beide Außenbahnen besetzte Schwarz mit den am Ende auch nicht rein defensiv denkenden Brosinski und Giulio Donati; immerhin waren bis auf Kenan Kodro, der erst in der Schlussphase eingewechselt wurde, alle Neuzugänge in der Startelf. Und bis auf René Adler, der im Tor fast nichts zu tun und beim 1:1 keine Chance hatte, hinterließen die Neuen in der Offensive einen sehr interessanten Eindruck.

Ein paar Minuten brauchten die 05er, um sich auf die Platzverhältnisse einzustellen. Abdou Diallo, linker Innenverteidiger, hatte in der elften Minute die erste Torchance, einen Kopfball, der aber zu sehr auf den Mann ging. Lüneburgs Torwart Ole Springer bekam nicht mal die Hände rechtzeitig hoch, wehrte den Ball mit dem Gesicht ab, hielt ihn im Nachfassen fest. Ein bisschen Stückwerk war's bis dahin, vieles funktionierte noch nicht richtig bei den 05ern, aber die arbeiteten sich sehr ernsthaft ins Spiel und gingen bald tatsächlich in Führung. Viktor Fischers Steilpass auf den umtriebigen Zehner Alexandru Maxim wurde abgefälscht, der Neuzugang vom VfB Stuttgart nahm den Ball aber mit dem Rücken zum Pfosten sehr geschickt an, schnickte ihn fast blind hinüber an den anderen Pfosten, wo ihn Muto, aus dem Rücken der Verteidiger gekommen, per Kopf über die Linie drückte. Für das anschließende Feuerwerk im Gästeblock wird's mal wieder eine Geldstrafe geben.

"Der war's", zeigt Giulio Donati kurz vor der Halbzeit. Daniel Brosinski hat die 05er gerade wieder in Führung gebracht. Foto: imagoPablo de Blasis hätte die 05er mit 2:0 in Führung bringen können. Der Argentinier kam mit einem Solo und dem eingeschobenen Doppelpass mit Muto in eine schöne Schussposition, Springer hielt. Hielt eine ganze Menge, nicht nur de Blasis' Schuss in der 19. Minute, auch im zweiten Versuch einen weiterne Abschluss von Diallo (28.), einen Kopfball von Fischer nach Flanke von de Blasis (60.), einen Fernschuss von Maxim (79.) - vor allem lag es am ehemaligen Jugendtorwart des FC St. Pauli, dass der LSK Hansa mit einem glimpflich knappen Ergebnis aus dem Pokalspiel kam. Eine Chance hatte der Regionalligist nie.

Nicht mal nach dem Ausgleich, diesem von Diallo abgefälschten Ball, den René Adler noch mit den Fingerspitzen streifte, aber nicht mehr vom äußersten oberen Torwinkel weg bekam. Der Linksaußen Vobejda hatte ein kleines Bisschen Platz vor dem Strafraum gehabt, einfach draufgehalten - es blieb der einzige Torschuss der Lüneburger.

Die weiterhin großes Glück hatten: In der 36. Minute verweigerte der unterm Strich überzeugende Zweitliga-Schiedsrichter Sven Jablonski den 05ern einen total klaren Elfmeter. "Vorteil" entschied Jablonski nach dem Foul von Linus Büchler an Maxim, tatsächlich kam de Blasis noch zum Schuss, aber aus aussichtsloser Lage. Als kurz darauf dem Rumänen ein Schuss völlig abrutschte, johlte das Lüneburger Publikum vielleicht ein bisschen zu hämisch, reizte es den Fußballgott vielleicht ein bisschen zu sehr - bisher war es ein enorm glücklicher Zwischenstand für die Gastgeber. Auf die Tour, das sah man deutlich, würden die 05er das Spiel locker mit zwei, drei Toren Unterschied gewinnen, es war ja noch früh. Und offenbar war auch Jablonski klar, dass er gerade Unsinn gemacht hatte, dass die Vorteilauslegung nicht die beste Entscheidung war. Denn Stefan Wolks Schubser gegen Muto in der 44. Minute war viel weniger eindeutig, aber diesmal gab's den Elfmeter, den Brosinski locker oben links ins Netz schoss.

Die zweite Hälfte begann etwas ruppiger, es gab mehr Fouls als zuvor, wenig Boshaftes, mehr Taktisches. Das machte das Spiel zwischendrin etwas kaputt, das gab den Lüneburgern optisch ein paar mehr Spielanteile, das änderte aber am Ende nichts am Gesamtbild. Die erste Chance hatte Danny Latza - vorbei (56.). Die zweite hatte Fischer - gehalten (60.). Die dritte hatte Sekunden später Muto. Weit im (irrelevanten) Abseits nahm de Blasis den Einwurf von Brosinski an, legte ihn zurück zum nachrückenden Linksverteidiger. Der flankte, der Japaner setzte sich vom Verteidiger ein bisschen ab, hatte Platz, traf aus der Drehung zum Endstand.

Die 05er ließen jetzt ein bisschen nach, ließen Lüneburg etwas kommen, gerieten aber nicht unter ernsthaften Druck. Weiterhin seriös, weiterhin sehr souverän, weiterhin mit dem gelegentlichen Versuch, ein viertes Tor zu herauszuspielen, aber nicht mehr mit dem allergrößten Offensivwillen brachten sie den Vorsprung letztlich locker über die Zeit. Der Mannschaftsvorstellung beim morgigen Sommerfest steht damit nichts mehr im Wege. Auf die Auslosung der zweiten Runde müssen die 05er länger warten; die findet erst am Sonntag kommender Woche statt.

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