Sereno überrascht positiv

Jörg Schneider. Mainz.
Die Fußballprofis des FSV Mainz 05 haben ihre Hochbelastungs-Ausflüge beendet und sind nach den Abstechern in die Schweizer Berge und die Sonne Andalusiens seit Montagabend wieder zu Hause. Wie weit die Vorbereitungs-Arbeit Früchte trägt, wird sich zeigen. Wichtig ist in jedem Fall, dass die personellen Optionen für Trainer Martin Schmidt nach diesem Trainingslager in Marbella deutlich größer sind zuvor.

Seit Montagabend sind die Fußballprofis des FSV Mainz wieder zu Hause. Die hochintensive erste Phase der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte in der Bundesliga ist zu Ende. Das anstrengende Berg-Abenteuer mit den Impulstagen in Schnee und Eis in den Bergen des Wallis, dann die sechs harten Trainingstage im warmen und sonnigen Marbella sollen in mentaler und physischer Hinsicht die Grundlagen geschaffen haben für einen erfolgreichen weiteren Rundenverlauf. Bis Mittwoch hat Martin Schmidt seinen Spielern freigegeben, dann geht’s am Bruchweg weiter mit der nächsten Trainingsstufe. „Außer dass wir jetzt sehr müde sind, bin ich sehr zufrieden“, sagte der 05-Trainer nach dem letzten der beiden Testspiele in Andalusien. „Die Spieler sprechen von Ganzkörpermüdigkeit. Das heißt, dass wir in den ersten zehn Tagen recht viel gemacht und richtig gemacht haben. Die Grundlagen haben wir geschaffen.“

Zwei starke Leistungen in den Testspielen gegen die belgischen Erstligisten haben die Voraussetzungen für Henrique Sereno im 05-Kader deutlich verbessert. Foto: ImagoUnd auch die ersten Ergebnisse sind eingefahren. Der 0:3-Niederlage nach eher schwacher Leistung im Skandalspiel in Marbella gegen Standard Lüttich, das wegen der handgreiflichen Auseinandersetzungen in Erinnerung bleiben wird, folgte eine gute fußballerische Vorstellung beim 2:0 gegen den FC Brügge in San Pedro de Alcantara. „Meine Zufriedenheit in dieser Phase ist groß. Ich denke, dass wir sehr gute Arbeit gemacht haben. Alle haben voll mitgezogen. Wir nehmen keine Verletzten mit nach Hause“, sagte Schmidt anschließend. Nur Niko Bungert ist leicht angeschlagen, der Innenverteidiger hat aber schon wieder trainiert. Und auf dem personellen Sektor, das haben die Tage in Spanien gezeigt, sind Schmidts Optionen deutlich größer geworden. Mit Karim Onisiwo ist ein vielversprechender Neuzugang im Offensivbereich dazugekommen, der im Training bislang sowohl auf dem Flügel mir Antrittsschnelligkeit und Zug zum Tor überzeugt hat als auch im Angriffszentrum, wo der Österreicher auch mit dem Rücken zum Tor als anspielbarer Mittelstürmer spielen kann. Als solcher könnte Jhon Cordoba in Marbella einen wichtigen Schritt nach vorne, hin zu einem echten Durchbruch geschaffen haben. Der Kolumbianer, der seit seiner Ankunft in Mainz immer wieder von Verletzungsproblemen geplagt war, hat sich stabil erwiesen und in den beiden Testspielen als einzige Spitze gute Leistungen gezeigt, auch wenn dem Mittelstürmer kein Tor gelang. „Jhon zu verteidigen ist aber schwer. Das hat man gesehen“, sagte der 05-Trainer. „Er hat im Moment etwas Pech im Abschluss, aber er kann die Bälle vorne festmachen und weiterleiten.“ Cordoba setzte sich auch etliche Male im eins-gegen-eins durch. „Er braucht jetzt mal ein Tor. Man sieht aber ganz klar, mit ihm hast du einen richtigen Mittelstürmer auf dem Platz. Die harten Tage sind um für ihn. Er spielt befreit und gut“, betonte Schmidt.

Wenn Cordoba zu einer verlässlichen Größe wird im Bundesligakader, dann hat Schmidt die Option, Yoshinori Muto auf den Flügel zu stellen. Der Japaner deutete in den Testspielen an, dass er auch als Linksaußen torgefährlich sein kann. Muto hatte gegen die Belgier etliche gute Situationen  aus dieser Position heraus. Christian Clemens hat sich nach den Verletzungsproblemen der Vorrunde nun zurückgemeldet als Vorlagengeber, der vom Flügel aus mit seiner Schnelligkeit und seiner Pass- und Abschlussqualität zudem torgefährlich bleibt. Das 1:0 gegen den FC Brügge, als Clemens den gut gespielten Ball von Florian Niederlechner aus der Luft annahm und im Strafraum vollspann im Tor versenkte, war ein echter Hingucker. Jairo Samperio, Maximilian Beister, Pablo De Blasis – Schmidt hat im Moment genügend Auswahl auf den Außenbahnen.

Konkurrenzkampf ist gewachsen

Doch nicht nur dort. Auch ins Mittelfeld ist Bewegung gekommen durch die Rückkehr von Fabian Frei ins Mannschafstraining. Der Schweizer hat als Organisator im Defensivverhalten, als Passgeber und Spiellenker schon einige ordentliche Ansätze erkennen lassen nach der langen Verletzungspause. Im Auge behalten muss man auch den 18-jährigen Suat Serdar, der beim Sieg gegen den FC Brügge eine gute Vorstellung gegeben hat. Oder Christoph Moritz, der dann eine stärkere Rolle einnehmen würde, wenn die 05er mit veränderter Grundaufstellung mehr aus dem Ballbesitzspiel heraus kommen würden. Im Abwehrbereich muss in nächster Zeit wieder mit Leon Balogun gerechnet werden, der sich nach der Verletzungspause eindringlich in Erinnerung gebracht hat als Innenverteidiger. Da ist in Marbella ein echter Konkurrenzkampf gewachsen mit Balogun, der Stärken im Spielaufbau und in der Nachvorneverteidigung zeigte, mit Alexander Hack, dem hoch aufgeschossenen, kopfballstarken Verteidiger, mit den konsequenten und erfahrenen Abwehr-Routiniers Niko Bungert und Stefan Bell.

„Balogun war ja Mitte der Hinrunde schon mal stark herangekommen“, sagt der 05-Trainer. „Jetzt muss er sich stabilisieren auf längere Zeit, dann kann das durchaus eine Variante sein.“ Die große Überraschung dieses Trainingslagers war jedoch Henrique Sereno. Der Portugiese, der die meiste Zeit der Vorrunde über verletzt war, hat in Marbella seine Stärken bewiesen und angedeutet, dass der Routinier nicht als Lückenfüller im Kader gekommen ist. Der 30-Jährige beeindruckte sowohl gegen Standard Lüttich als auch gegen die Brügger als rechter Außenverteidiger. Mit klarem und energischen Verteidigerspiel, mit Drang nach vorne, mit guten technischen Fähigkeiten und Vorlagen vom Flügel aus. „Henrique hat sich angeboten. Er ist ein ist ein griffiger Spieler, läuft gerne und ist zweikampfstark. Zwei giftige Kerle mehr auf dem Platz, das gibt uns Mentalität“, sagte Schmidt über die Auftritte von Sereno und Balogun.

Die 05er haben im Marbella Football Center ein Hauptaugenmerk auf die Erweiterung ihres Ballbesitz-Spektrums gelegt. Die Gewohnheiten im Pass- und Laufspiel, die Wege und Räume, sind noch nicht eingeschliffen in der kurzen Übungsphase. Das muss sich entwickeln und im Wettkampf bewähren um praktikabel zu werden. Der 05-Trainer hat diese Variante im Moment noch nur für besondere Situationen vorgesehen. Dann etwa, wenn es darum geht einen Rückstand auszugleichen. Doch das Repertoire der 05er erweitert sich. Bei allem gilt aber: Das Mainzer Spiel lebt von gewonnenen Zweikämpfen und aktiven Balleroberungen. „Unser Umschaltspiel greift, wenn wir gute Balleroberungen haben“, sagt Schmidt. Am Samstag gibt’s die nächste Möglichkeit, die Fortschritte zu überprüfen – im Testspiel am Bruchweg gegen den 1. FC Köln.

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