Sereno kennt und akzeptiert seine Rolle

Jörg Schneider. Mainz.
Henrique Sereno hat seine ersten Trainingseinheiten in der neuen Umgebung absolviert. Der 30-jährige Neuzugang, der mit der Erfahrung vieler Erstligaspiele in Deutschland, Spanien und Portugal zum FSV Mainz 05 kommt, kennt die Rolle, die ihn beim Bundesligisten zunächst erwartet: Innenverteidiger Nummer drei. Eine Herausforderung für den Routinier. „Wenn ich nicht spiele, bin ich natürlich traurig, aber ich mache keinen Ärger deswegen. Es ist normal für einen Profi in einer Mannschaft, dass es Zeiten und Umstände gibt, in denen er nicht im Team ist“, sagt Sereno im Pressegespräch am Bruchweg.

Als Allererstes will Henrique Sereno mal das Märchen richtigstellen, der FSV Mainz 05 habe dem Nachbarn Darmstadt 98 den Innenverteidiger abgejagt und der 30-Jährige sei quasi vom Training bei den Lilien sofort an den Bruchweg gewechselt. „Das stimmt nicht“, sagt der 05-Neuzugang im Pressegespräch am Bruchweg nach dem Dienstagtraining des Bundesligisten. „Ich wollte in die Bundesliga und hatte mehrere Kontakte. Der erste war in Darmstadt. Ich ging dahin, habe mit dem Team trainiert, habe alle kennengelernt, auch den Trainer. Das hat mir alles gut gefallen, aber wir haben halt keine Einigung erzielt. Ich fuhr also wieder nach Portugal zurück. Danach hatte ich mehrere Einladungen. Eine davon und am Ende die Beste kam aus Mainz. Ich bin nicht vom Training in Darmstadt nach Mainz gefahren, sondern nach Hause. Erst einige Tage später kam das Gespräch mit Mainz. Dann bin ich nach Deutschland zurück und es ging sehr schnell mit dem Wechsel.“

Verstecken muss sich der Neuzugang ganz sicher nicht, aber Henrique Sereno weiß, dass er als Innenverteidiger Nummer drei bei den 05ern einsteigt. Foto: Jörg SchneiderAm Montag unterschrieb Sereno einen Zweijahres-Vertrag und drehte schon ein paar Laufrunden. Am Dienstag folgte das erste Training mit der Mannschaft. Sereno war sofort präsent, spielte unaufgeregt und mit viel Routine, hatte keine Anpassungsschwierigkeiten. „Das ist eine junge Mannschaft hier in Mainz. Ich habe Erfahrung und bin ein Teamspieler. Ich glaube, dass ich helfen kann. Wenn ich spielen darf, dann möchte ich auf dem Feld alles geben. Wenn ich nicht spiele, dann von auch von außen. Ich habe keine Probleme damit, meine Möglichkeiten zu suchen und zu finden. Ich nehme mir Zeit und möchte, wenn die Zeit da ist, meine Stärken zeigen.“ Der Portugiese kennt und akzeptiert die Rolle, die er zunächst in seinem neuen Klub einnimmt. Der 30-Jährige weiß, dass Niko Bungert und Stefan Bell die beiden Innenverteidiger sind, die unter normalen Umständen zum Auftakt in der Startelf stehen. Sereno sieht das als Herausforderung und Ansporn. „Wenn ich nicht spiele, bin ich natürlich traurig, aber mache keinen Ärger deswegen. Es ist normal für einen Profi in einer Mannschaft, dass es Zeiten und Umstände gibt, in denen er nicht im Team ist.“

Zweimal hat Sereno bisher gegen die 05er gespielt in der Bundesliga. Beim 1:1 in Köln lief der Portugiese als Linksverteidiger beim späteren Absteiger auf. In der Coface Arena erlebte er als Innenverteidiger im April 2012 eine 0:4-Niederlage. „In dieser Zeit ging vieles schief in Köln. Nicht nur in der Mannschaft. Wir hatten 27 Punkte nach der Vorrunde. Aber man muss sich mal ansehen, was das für eine Saison war“, erzählt der Neu-05er. „Wir hatten gefühlt drei Präsidenten, zwei Sportdirektoren und drei Trainer. Das ist nicht normal. Natürlich trägt die Mannschaft die Schuld am Abstieg, aber es fehlte auch die Unterstützung. Wenn ich mich recht erinnere, hätten wir aus den letzten elf Spielen nur drei Siege gebraucht. Am Ende sind es drei Unentschieden geworden. Unglaublich, aber so etwas passiert im Fußball.“

Die Zahlen sind in Serenos Erinnerungen etwas verschwommen. So oder so war es keine glückliche Saison für den Leihspieler, der nach dem Abstieg zunächst zurück musste zum FC Porto. Der Verteidiger zog dann aber weiter zum FC Valladolid nach Spanien und anschließend zu Kayserispor in die Türkei. Seine Bilanz: 25 Bundesligaspiele in Köln, 49 Erstligapartien in Portugal für Porto und seinen Heimatklub Vitoria Guimaraes, 32 Erstliga-Begegnungen in Spanien. Und schließlich 23 Zweitligaeinsätze und Aufstieg mit Kayserispor.

"Geld ist nicht alles"

Das Engagement in der Türkei ging unschön zu Ende. Der Klub behauptete, Sereno habe die letzten sieben Saisonspiele wegen Verletzung verpasst. „Ich war nicht verletzt“, sagt der Profi. „Ich habe kein Gehalt mehr bekommen. Ich habe die Fifa eingeschaltet und alle Unterlagen dahin geschickt. Sie haben mir dann gesagt, ich kann nach Hause gehen, der Vertrag wird aufgelöst. So ist es auseinandergegangen.“ Sereno kehrte nach Portugal zurück, um eine Erfahrung reicher. „Um ehrlich zu sein, bin ich dorthin gegangen wegen der finanziellen Gegebenheiten. Jetzt bin ich aus sportlichen Gründen in die Bundesliga zurückgekehrt. Geld ist nicht alles“, sagt der 30-jährige Vater von drei Kindern.

Der Portugiese spricht fließend Englisch. Die Kommunikation mit den Kollegen und dem Trainer in Mainz, sagt er, sei gar kein Problem. „Ich verstehe auf dem Feld so ziemlich alles. Ich kann Fußball-Deutsch. Natürlich will ich in der Lage sein, in zwei, drei Monaten Deutsch zu sprechen, denn die Grundlagen sind aus der Zeit in Köln vorhanden.“

Nun arbeitet der Neuzugang, der sich sportlich fit gehalten, aber bis jetzt keine richtige Vorbereitung absolviert hat, daran, möglichst schnell auf einen Level mit den 05-Kollegen zu kommen und seine Verpflichtung mit Leistung zu rechtfertigen. „Ich möchte mich in der Bundesliga präsentieren. Ich möchte hier spielen und meine Chancen in der portugiesischen Nationalmannschaft verbessern“, betont Sereno. „Als ich in Köln gespielt habe, hatte ich Einsätze mit Portugal. In der letzten Saison habe ich nur einmal gegen Luxemburg gespielt. Nun werden wir sehen, wie es weitergeht.“

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