Schwarz: „Wir haben das registriert“

Jörg Schneider. Mainz.
Ein Sieg, etliche positive Erkenntnisse und zwei Spieler, die sich nachdrücklich für Einsätze in den kommenden Bundesligaspielen empfohlen haben. Das ist die Bilanz des 2:1-Erfolges des FSV Mainz 05 im Testspiel gegen den Zweitligadritten SV Sandhausen. Robin Quaison unterstrich mit zwei Toren seine Stürmer-Ambitionen. Gerrit Holtmann, der beide Treffer vorbereitete, machte mit einer bärenstarken Linksverteidiger-Vorstellung auf sich aufmerksam. Mit dieser Leistung habe Holtmann seine Situation im Team eindeutig verbessert, sagte der 05-Trainer nachher zufrieden.

Der SV Sandhausen ist neben dem Karlsruher SC und dem FSV Frankfurt der Lieblingsgegner des FSV Mainz 05 in den Testspielen während der regelmäßigen Länderspielpausen. Das 2:1 am Donnerstag in der aktuellen Liga-Unterbrechung war allerdings erst der zweite Sieg im fünften Aufeinandertreffen mit dem aktuellen Dritten der Zweiten Liga aus Baden. Vor einem Jahr waren die 05er beim 1:3 in Sandhausen vieles schuldig geblieben, diesmal legte die Mannschaft von Sandro Schwarz eine ansprechende Vorstellung in einem kurzweiligen und unterhaltsamen Testspiel hin. Weil die 05-Profis zudem einen Rückstand drehten, ein veritables Offensivspiel anboten und sich der eine oder andere Akteur für einen Einsatz in der Bundesliga empfahl, fand der Auftritt auch beim Trainer breite Zustimmung.

„Ich glaube, dass es ein gelungener Auftritt war. Auch in der ersten Halbzeit, die wir mit 0:1 verloren haben, waren wir in der Lage, viele gute Angriffe zu starten, waren gut in den Positionen, hatten Möglichkeiten“, sagte der 38-Jährige nachher. „Beim 0:1 hatten wir jedoch keine gute Sicherung, da hat die letzte Konsequenz gefehlt, da ist der Ball einfach durchgerutscht. Das war ein zu einfaches Gegentor. Und danach hatten wir zu viele einfache Ballverlust, die auch die Großchance zum 2:0 für Sandhausen ermöglichte“, lauteten die Kritikansätze von Schwarz. „Trotzdem haben wir gut Fußball gespielt, waren in der zweiten Halbzeit sehr dominant mit gutem Ballbesitz im Positionsspiel, haben gut die Räume besetzt. Deshalb sind wir zufrieden mit diesem Test.“

Gerrit Holtmann empfahl sich mit einer starken Leistung als Linksverteidiger, mit seiner Geschwindigkeit auf der Außenbahn und zwei Torvorlagen für einen Bundesligaeinsatz.  Die Leistung zweier 05-Spieler muss dabei hervorgehoben werden. Robin Quaison empfahl sich mit seinen beiden Toren als zweite Mittelstürmerkraft hinter oder neben Yoshinori Muto. Der Schwede suchte von Anfang an die Abschlüsse und hatte starke Szenen. Drei Toraktionen in der ersten Hälfte, zwei Treffer nach der Pause. Das war gut. Quaison profitierte dabei von der Form des zweiten herausragenden 05-Profis an diesem Tag. Gerrit Holtmann bereitete beide Treffer mit enormer Geschwindigkeit auf der Außenbahn vor. Holtmanns Solo in der 48. Minute begann noch in der eigenen Hälfte. Der Linksverteidiger rannte die Seitenlinie entlang, hängte den ersten Verteidiger ab, bog nach innen ab, überlief den zweiten, legte nahe der Grundlinie vor dem dritten Abwehrspieler den Ball zurück in den Strafraum. Jairo Samperio ließ die Kugel passieren. Im Rückraum wartete Quaison und vollstreckte. Beim 2:1 rannte Holtmann sogar zwischen vier Mann einfach nur durch, legte ab auf den eingewechselten Emil Berggreen, der am Keeper scheiterte,  Quaison nahm den Abpraller und vollstreckte zum Siegtreffer (54.). Mit dem Tempo und der Sprintfähigkeit des Mainzer Linksverteidigers, der in der Sommerpause von Schwarz auf die neue Position umgeschult worden war, war der Zweitligist überfordert.

„Robin hat zwei Tore gemacht. Gerrit hat eine sehr, sehr gute Vorstellung über 90 Minuten gegeben mit seiner Geschwindigkeit. Damit bin ich sehr zufrieden“, sagte Schwarz. Für den ehemaligen Linksaußen, der aus Braunschweig gekommen war, dürfte ein Bundesligaeinsatz nun in greifbare Nähe gerückt sein. „Wir haben das schon registriert, dass Gerrit eine sehr gute Vorstellung absolviert hat ohne damit schon zu sagen, wie es für nächste Woche gegen den HSV aussieht“, so der Trainer. „Wenn er jedoch so eine Leistung wie heute an den Tag legt, verbessert er eindeutig seine Situation“, betonte Schwarz. Holtmann sei schon zweimal ein Kandidat für den Spieltagskader gewesen, habe sich aber jedesmal im Abschlusstraining verletzt und habe deshalb nicht berücksichtigt werden können.

Robin Quaison, der bereits zwei 90-Minuten-Einsätze in Stuttgart und in München sowie zwei weitere Kurzeinsätze in der Bundesliga absolviert hat, unterstrich seine Kader-Ambitionen. „Es bleibt dabei“, sagte der Trainer. „Nach München habe ich gesagt, dass es extrem schwer für ihn war, sich  gegen Boateng und Hummels durchzusetzen. Heute hat er zwei Tore gemacht. Wir sehen Robin die ganze Woche in der Trainingsarbeit, wie fleißig er da ist. Wir wissen, dass er das spielen kann auf der Bahn und das, was er zweite Halbzeit gespielt hat“, so der 05-Coach.

60-Minuten-Comeback von Hack

Alexander Hack gab gegen den Dritten der zweiten Liga sein Comeback nach mehrmonatiger Verletzungspause als Innenverteidiger. Ein erster Schritt für den 24-Jährigen. Schwarz mochte keine Prognose abgegeben, wie lange es dauern kann, bis Hack wieder ein ernsthafter Kandidat für den Spielkader ist. „Wir müssen abwarten. Er war lange  verletzt und hat jetzt erstmals 60 Minuten absolviert. Da lassen wir uns auch Zeit. Wir beobachten, was für einen Eindruck er weiterhin im täglichen im Training macht. Wir müssen da von Woche zu Woche schauen.“

Der Trainer war auch zufrieden mit Philipp Klement im Mittelfeld. „Philipp hat auf der ungewohnten Position mit Suat Serdar das Spiel angetrieben. Unser Spiel nach vorne war insgesamt gut. Vor allem das Wechselspiel mit Alexandru Maxim, Suat und Philipp im Zentrum, da haben wir uns viel und gut in den Halbräumen bewegt in Verbindung mit den Außenbahnspielern. Als Mannschaft haben wir das gut gemacht, gerade was das Offenspiel angeht mit der Raumbesetzung, mit guten Positionsangriffen“, betonte Schwarz, der ein positives Fazit dieses Testspiels zog. „Ich finde, dass es ein guter Abschluss der Trainingswoche war. Du bleibst in der Länderspielpause drin im Rhythmus, du willst Spiele gewinnen, das ist uns wichtig. Wichtig war es auch von der Mentalität her, einen Rückstand zu drehen.“ Am Freitag stand am Bruchweg nur ein Regenerationstraining an. Die Mannschaft darf nun zwei freie Tage genießen. Am Montag beginnt die Trainingswoche mit der Vorbereitung auf das Heimspiel am Samstag in acht Tagen gegen den Hamburger SV.  

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