Schwarz: Top-Mentalität, großer Sport

Jörg Schneider. Mainz.
Es war ein Sieg des Willens, leidenschaftlicher Kampfkraft und unermüdlicher Power, den letztlich ein Freistoß-Geniestreich von Daniel Brosinski sicherstellte. Der FSV Mainz 05 hat trotz aller aufgetretenen Schwierigkeiten sein Zweitrundenduell gegen den sehr starken Zweitliga-Spitzenklub Holstein Kiel gewonnen in der Opel Arena. Der Bundesligist zieht mit dem 3:2 nach Verlängerung in die dritte Pokalrunde ein, die am Sonntag ausgelost wird. Bei den Gewinnern überwog danach die Zufriedenheit über die Einstellung des Teams. „Wir sind standhaft geblieben, haben das Ergebnis geholt, sind weitergekommen. Da muss ich einfach sagen, das war großer Sport. Eine Top-Mentalitäts-Leistung der Mannschaft“, erklärte der 05-Trainer.

Der Wortlaut dessen, was Sandro Schwarz seinen Spielern, die ihn in der Pause zwischen regulärer Spielzeit und Verlängerung auf dem Spielfeld umringten, in dieser äußerst emotionalen Ansprache mit auf den Weg gab, war nicht genau zu verstehen. Das Gebrüll des Trainers schallte jedoch bis in den letzten Winkel der Haupttribüne hinauf und drang offenbar auch in die entsprechenden Gehirngänge der Ansprechpartner vor. Denn die Profis des FSV Mainz 05 legten anschließend, in der Extra-Zeit dieses harten, intensiven, spannenden und höchst interessanten Pokalfights, nochmal mindestens eine Schippe darauf. Die 05er fanden ihre vorher zwischenzeitlich verloren gegangene Körpersprache wieder, die signalisierte, dass der Bundesligist diese Pokalpartie gegen den starken Zweitliga-Tabellenzweiten mit aller Macht gewinnen wollte. Die Mainzer kämpften mit aller Leidenschaft um den Erfolg. Sie spielten sich noch einmal eine Reihe von Torchancen heraus, mussten auch noch eine brenzlige Situation überstehen, bis schließlich Daniel Brosinski mit seinem Geneistreich die Erlösung brachte. Der Linksverteidiger zirkelte in der 101. Minute einen Freistoß aus gut 20 Metern rechts oben in den Winkel zum 3:2-Endstand. Holstein Kiel war endgültig geschlagen, und in der Auslosung der dritten Runde am Sonntag trägt nun eine der Loskugeln den Namen Mainz 05.

Ausgepowert, aber eine Runde weiter: Die 05-Profis bedanken sich nach dem Pokalerfolg in der Verlängerung für die lautstarke Unterstützung bei den Fans. Foto: ImagoEs war die erwartet heiße Nummer gegen das Überraschungsteam der Zweiten Liga, das in der Opel Arena eindrucksvoll belegte, dass dieser Höhenflug des Aufsteigers nicht auf Zufall basiert. Es war eine Partie mit hohem Unterhaltungswert für die 10.441 Zuschauer, ein Spiel, in dem viel passierte, in dem vieles auf Seiten des Bundesligisten alles andere als optimal lief. Mit Fehlern, mit der frühen Verletzung von Torhüter René Adler, dessen Einsatz auch am Freitag im Derby gegen Eintracht Frankfurt nicht wahrscheinlich ist. Mit einem Ersatzmann Robin Zentner zwischen den Pfosten, der in der vergangenen Saison als Leihspieler bei den Kielern aktiv war und der einen von zwei Elfmetern verschuldete, die den Gegner in die Verlängerung brachten. Der sich aber danach zu einer großen Leistung aufschwang und mit seinen Aktionen erheblichen Anteil am Weiterkommen trug. Das möglich wurde durch die beiden Mainzer Tore, die Viktor Fischer erzielte, der erstmals in einem Pflichtspiel für die 05er traf sowie besagtem Kunstschuss von Brosinski. Es war eine Partie mit vielen Torchancen auf beiden Seiten, noch mehr vergebenen Möglichkeiten auf 05-Seite. Und es war ein Spiel, in dem die 05er letztendlich erneut zeigten, dass sie im eigenen Stadion auch solche engen Spiele gewinnen und dabei auch 120 Minuten powern können.

„Ich musste die Jungs einfach noch mal antreiben vor der Verlängerung“, sagte der Trainer nachher. „Ich finde, dass es für uns ein sehr schwieriges Spiel war. Ich habe in der Pause kräftig appelliert und dann auch immer an der Seitenlinie, dass es dazu gehört für alle, in einem solchen Spielverlauf noch mal einen draufzupacken. Wie wir dann damit umgegangen sind, zweimal den Ausgleich zu kassieren durch die anscheinend berechtigten Elfmeter, das war sehr gut heute. Wir haben das heute alles gebraucht.“ Die Verlängerung hätte es nicht unbedingt gebraucht, wenn die 05-Profis ihre Gelegenheiten zu einem möglichen Zwei-Tore-Vorsprung vorher besser genutzt hätten. Schwamm drüber, am Ende steht das gewünschte Resultat. Davon, dass diese 120 Minuten im Hinblick auf das Derby am Freitag gegen Eintracht Frankfurt ein Nachteil für die 05er sein könnten, wollte der Trainer jedoch nichts hören.

Keine Dinge einreden, die es nicht gibt

„Wir sollten uns jetzt keine Dinge einreden, die es nicht gibt. Wir sollten uns jetzt nicht ausmalen, wie schwer das am Freitag gegen Frankfurt wird, weil wir 120 Minuten gespielt haben. Wir wissen, dass wir die Körner dafür haben, und wir können drei Tage regenerieren. Wenn du ein solches Spiel gewinnst in der Verlängerung, setzt das auch Kräfte frei. Wir sind fit genug, das haben wir gezeigt. Und wir nehmen das Gefühl mit, dass wir gegen eine Mannschaft, die es sehr, sehr gut gemacht hat, dieses Ergebnis gezogen haben, trotz aller schwierigen Momente bei uns. Das“, so Schwarz, „ hat meiner Meinung nach eine überragende Aussagekraft, weil wir alle wissen, was bei Pokalspielen immer wieder passieren kann. Wir haben die Leistung nochmal hochgeschraubt und das richtige Ergebnis geholt. Das ist top. Wir hatten Phasen, in denen wir nicht so griffig waren in den 90 Minuten zuvor, haben die Möglichkeiten zum 2:0 gehabt, zum 3:1, haben den Deckel nicht drauf gemacht. Wir sind aber standhaft geblieben, haben das Ergebnis geholt, sind weitergekommen. Da muss ich einfach sagen, das war großer Sport. Eine Top-Mentalitäts-Leistung der Mannschaft“, erklärte der 39-Jährige. „Mit der Art und Weise, wie wir nach den Ausgleichstreffern immer wieder zurückgekommen sind, und den Sack dann in der Verlängerung noch zugemacht haben, sind wir sehr zufrieden. Ein großes Kompliment aber auch an Kiel für diese Leistung, die sie fußballerisch abgerufen haben.“

Der Sportvorstand der 05er war am Ende nur noch glücklich über den Einzug in die dritte Runde. „Es war ein tolles Spiel, ein attraktiver Pokalfight mit teilweise offenem Visier. Wir sind in die nächste Runde eingezogen, das zählt und ist sehr positiv für Mainz 05. Das setzt Kräfte frei“, betonte Rouven Schröder. „Wir sind zufrieden mit dieser Energieleistung der Jungs. Auch wie sie die Verlängerung angenommen haben. Das schönste Tor hat dann das Spiel entschieden.“

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