Schröders Einstieg: Baumgartlingers Abgang

Jörg Schneider. Mainz.
Die neue Zeitrechnung beim FSV Mainz 05 hat begonnen: Rouven Schröder hat am Dienstag offiziell die Nachfolge von Christian Heidel angetreten. Harald Strutz stellte den 40-jährigen Sportdirektor in einer Pressekonferenz vor. Quasi als erste Amtshandlung musste der Ex-Bremer den nun tatsächlich feststehenden Wechsel von 05-Kapitän Julian Baumgartlinger zu Bayer Leverkusen verkünden. Nicht bestätigen wollte er dagegen einen sich anbahnenden Transfer von Loris Karius zum FC Liverpool. Es gebe keine diesbezügliche Anfrage. Und auch zu der Frage, ob mit weiteren Abgängen zu rechnen sei, äußerte sich der neue 05-Fußball-Chef nicht.

Erster öffentlicher Auftritt des Heidel-Nachfolgers: Rouven Schröder musste in seiner Funktion als neuer Sportdirektor gleich den Abgang von 05-Kapitän Julian Baumgartlinger verkünden. Foto: Jörg SchneiderJetzt ist es also auch offiziell so weit: Die neue Zeitrechnung beim FSV Mainz 05 hat begonnen. In Person von Rouven Schröder, der am Dienstagmittag in einer Pressekonferenz in der Coface Arena von 05-Präsident Harald Strutz als neuer Fußballchef vorgestellt worden ist. Und der als neues Vorstandsmitglied auch in diesem Vereinsgremium die Nachfolge von Christian Heidel antritt, der bekanntlich inzwischen seine Zelte beim FC Schalke 04 aufgeschlagen hat. Strutz präsentierte den 40-jährigen Fußball-Experten als „den richtigen Mann für Mainz 05, der die Zukunft des Vereins mitgestalten kann.“ Und der, laut Strutz, nicht als absoluter  Klub-Neuling seine Aufgaben in Angriff nimmt, sondern aufgrund seiner Einarbeitungszeit seit Anfang April den nahtlosen Übergang im Bereich der sportlichen Leitung garantiere.

„Ich freue mich wirklich, hier zu sein und bedanke mich für das Vertrauen“, sagte der Heidel-Nachfolger und bekräftigte, stolz darauf zu sein, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Schröder ahnt, was auf ihn zukommt. „Die Nachfolge von Christian Heidel anzutreten, bedeutet, dass einiges erwartet wird“, sagte der frühere Profi, der zuletzt beim SV Werder als Sportdirektor und Scouting-Chef arbeitete und der sich auch ausdrücklich bei seinem früheren Verein bedankte und diesem zum Nichtabstieg gratulierte. „Der Respekt vor der Arbeit von Christian Heidel, die er 24 Jahre lang hier geleistet  hat, ist riesengroß. In diese Fußstapfen will ich gar nicht treten. Man sollte da gar nicht anfangen, einen Menschen zu kopieren, einem Menschen nachzueifern. Ich werde hundertprozentig alles dafür tun und alles dafür geben, dass es hier ordentlich weiter geht.“ Alles so zu machen, wie Heidel es getan habe, werde nicht gelingen.

Er habe nun geraume Zeit Tür an Tür und Stuhl an Stuhl mit seinem Vorgänger gearbeitet. Da sei jeder Tag spannend gewesen, die Arbeit „eines solchen Vollprofis“ zu begleiten. „Man kann wirklich sehr viele Dinge lernen von ihm. Man muss viel zuhören, für sich die richtigen Schlüsse ziehen, den richtigen Weg finden und dann im Sinne des Vereins handeln. „Das war Christian immer ganz wichtig. Das ist auch mein Ziel.“

Er habe das Gefühl in jedem einzelnen Gespräch mit den Mitarbeitern, den Geschäftsführern und dem Vorstand das Gefühl gehabt, dass man spüren könne, wie sehr dieser Verein eine Herzensangelegenheit aller sei. „Das sind wichtige Inhalte, die die Basis beherrschen, dass alle den Erfolg haben wollen.“ Und gleichzeitig passe die Philosophie des Vereins sehr gut zu seiner Denkweise. „Wir können uns sicherlich auf Dauer nicht die teuren Transfers leisten. Wir müssen immer kreativ sein. Darin war Christian sicherlich der Spezialist. Dass man immer wieder um die Ecke denkt und vielleicht in einem Spieler auch etwas mehr sieht als andere. Diesen Spieler in Ruhe weiterzuentwickeln und dann zu veräußern, was auch zu diesem Klub gehört. Und trotzdem die Qualität behält. Das ist auch mein Gedanke. Das Team stand bei mir immer im Vordergrund. Im Team müssen Entscheidungen getroffen werden.“

Zumindest eine weitreichende Entscheidung ist bereits gefallen. Schröder bestätigte, dass der 05-Kapitän definitiv von Bord geht. „Es ist so, dass Bayer Leverkusen und Julian Baumgartlinger uns gestern darüber informiert haben, dass sie Einigkeit erzielt haben und den Transfer machen möchten. Julian hat die Möglichkeit aus seinem Vertrag rauszukommen. Wir können dies als Zwischenstand verkünden. Wenn die Verträge fixiert sind, werden wir es auch offiziell verkünden“, sagte Schröder. Beim 05-Torhüter sei der Fall etwas anders. „Loris ist ein toller Torhüter, der eine hervorragende Saison gespielt hat. Wir sind froh, dass wir ihn  haben. Es ist klar, dass verschiedenste Vereine an ihm interessiert sind und einer ganz besonders. Trotz allem ist er bei uns.“ Eine entsprechende Anfrage des FC Liverpool liege derzeit nicht vor. Was allerdings wenig heißen muss, denn auch der 05-Keeper soll eine vertraglich festgeschriebene Ausstiegsklausel haben. Jürgen Klopp, der Liverpooler Trainer, muss also nicht anfragen, sondern kann die 05er über den Vollzug informieren, wenn es so weit sein sollte. Im Raum steht eine Ablösesumme von zehn  Millionen für Karius. Baumgartlinger soll eine Ausstiegsklausel in Höhe von für vier Millionen Euro haben.  

Beträge, die der neue Fußballchef allerdings nicht bestätigen wollte. Zu Vertragsinhalten werde er sich nicht äußern. Schon alleine nicht aus Respekt den Spielern gegenüber. Und auch dazu, ob es weitere Abgänge geben wird, beispielsweise den von Yunus Malli, gab’s von Schröder keinen Kommentar. Man müsse aber immer mit so etwas rechnen, wie im Fall Baumgartlinger. Dass ein Leistungsträger, der seinen Vertrag verlängere, sich auch gewisse Rechte festschreiben lasse, um mehr Möglichkeiten des Handelns zu besitzen. „Das ist natürlich für uns nicht gut, aber es ist auch eine Chance im Team zusammenzurücken und es ist eine Chance auf etwas Neues. Man hat hier all die Jahre Leistungsträger verloren und trotzdem geht es immer erfolgreich weiter. So ist einfach das Geschäft und man muss das Negative ins Positive umsetzen.“ Natürlich sei es so, dass der Verein weiterhin eine gesunde Entwicklung brauche. „Wir haben in der Kaderplanung über Spieler gesprochen, von denen wir sagen müssen, die sind noch nicht in unserer Kategorie. Aber mit so einem Jahr, das wir vor uns haben, können wir den nächsten Schritt machen, das Budget noch einmal anpassen, Sponsoren anlocken, um das Ganze gesund nach oben zu bringen und nach und nach bei Spielern anzuklopfen, die nicht nur jung und entwicklungsfähig sind, sondern auch bei den Gestandenen. Das muss man von Situation zu Situation sehen. Aber wir müssen uns auch nicht kleiner machen als wir sind“, sagte der 40-Jährige.

Das Spiel, das Martin Schmidt etabliert habe, komme seinen eigenen Ansichten sehr nahe. „Das ist auch mein Denken. Ich kann mich da absolut identifizieren mit diesem Verein. Ich habe sicher auch viele Ideen, die sehr gut hier rein passen. Ich freue mich darauf, wenn’s wieder los geht und wir die richtigen Puzzlesteine finden.“

Was künftige Transfers und seine Kompetenzen betrifft, sagte Schröder, er fühle sich befugt Transfers zu tätigen im Sinne des Vereins. Die sportliche Ebene mit dem Trainer zusammen müsse dafür sorgen, dass Spieler nachkommen und Ideen verwirklicht würden. „Es ist doch grundsätzlich so, dass du wie in einem normalen Unternehmen immer die Budgetierung absprechen musst. Ich finde es nicht negativ, wenn man sich darüber auf der Vorstandebene und im Geschäftsführerbereich austaucht. Noch einmal, ich fühle mich befugt, Transfers zu machen, im Sinne des Vereins, in Abstimmung mit dem Verein und mit dem Trainer zusammen. Es ist klar, dass nicht fünf, sechs Leute diese Spieler beurteilen, sondern die dafür Verantwortlichen.“ Also Schröder und der Trainer. Der Sportdirektor wird jedenfalls nicht wie sein Vorgänger einen Vertrauten als rechte Hand zur Seite haben. Bei Heidel erfüllte Axel Schuster diese Aufgabe. „Diese Position wird erstmal nicht besetzt. Wir haben den Darius Salbert als neuen Teammanager, der sich komplett rund um das Lizenzspieler- und Trainerteam kümmert. Er hat aber definitiv nichts wie Schuster mit Beraterthemen und so weiter zu tun“, betonte der 40-Jährige. Was die Abwicklung ausgehandelter Transferverträge anbetrifft hat Schröder den Wunsch geäußert, dass jemand diese Dinge juristisch begleitet und dafür grünes Licht bekommen. „Wir haben jetzt eine Kanzlei an der Seite, von der wir Transferverträge noch einmal durchschauen lassen und die diese absegnet als zusätzliche Sicherheit.“

Die Kaderplanung für die neue Saison gehe voran in Abstimmung mit dem 05-Trainer. „Es ist so, dass wir an einigen Dingen dran sind in Bezug auf die Euro-League, aber auch in Bezug auf die Bundesliga. Wir wollen den Kader so ausrichten, dass wir da gewappnet sind und damit positiv umgehen können. Wir werden versuchen, uns bestmöglichst aufzustellen. Dass wir uns auch in der Breite verstärken wollen. Wir werden das punktuell angehen.“    

► Alle Artikel zur Saisonarbeit

► Zur Startseite