Schröder: „Niemand ist überrascht worden“

Jörg Schneider. Mainz.
Am Mittwoch startet der FSV Mainz 05 in sein umfangreiches, gut achteinhalb Wochen dauerndes Vorbereitungsprogramm für die neue Bundesligasaison. Ob sich bis dahin im Kader personell noch etwas tut, ist derzeit nicht absehbar. Klar ist aber, dass die ausgeliehenen Rückkehrer Maximilian Beister, Todor Nedelew und Niki Zimling nicht mehr zum Profikader gehören und künftig mit der U23 des Klubs trainieren, falls es nicht zu einem Wechsel kommen sollte. Der langzeitverletzte Leistungsträger Yoshinori Muto wird ebenso wie Emil Berggreen ins Profi-Training am Bruchweg zurückkehren.

In dieser Woche startet der FSV Mainz 05 in sein umfangreiches Programm zur Vorbereitung auf seine achte Bundesligasaison in Folge. Am Mittwoch bittet Martin Schmidt seine Profis zur ersten Trainingseinheit an den Bruchweg. Mit dem dänischen Torhüter Jonas Lössl, der vom französischen Erstligisten EA Guingamp kam, dem Offensivmann Gerrit Holtmann von Eintracht Braunschweig sowie dem bisher an Zweitliga-Absteiger FSV Frankfurt ausgeliehenen Mittelfeldspieler Besar Halimi sind drei Neuzugänge beim Auftakt dabei. Auch Yoshinori Muto, der seine Knieverletzung in den zurückliegenden Monaten zu Hause in Japan behandeln ließ und entsprechende Reha-Maßnahmen absolvierte, kehrt als lange verletzter und vermisster Leistungsträger in den Kreis der Mannschaft zurück. Auch Mittelstürmer Emil Berggreen, der im Winter aus Braunschweig gekommen war, will in diesem Sommer angreifen und einen Platz im Kader beanspruchen. Die beiden EM-Starter Yunus Malli und Fabian Frei kommen später dazu. Für beide geht‘s nach einer langen Saison und dem Ausscheiden in Frankreich erst einmal in den Urlaub.

Julian Baumgartlinger (Leverkusen) und Loris Karius (FC Liverpool) haben den Klub bekanntlich verlassen. Elkin Soto hat seiner 05-Karriere beendet. In den vergangenen Tagen vermeldete Rouven Schröder den Transfers des bislang an den FSV Frankfurt ausgeliehenen Dani Schahin zum niederländischen Erstligisten Roda Kerkrade sowie die Auflösung des Vertrages von Henrique Sereno. Der Verteidiger hatte in der abgelaufenen Spielzeit keinen Bundesliga-Einsatz im 05-Team und deshalb nun keine Perspektive mehr am Bruchweg. Den Eindruck, dass der neue Sportdirektor derzeit verstärkt daran arbeitet, Abgänge zu forcieren, um Gehaltsplätze freizuräumen, ehe er weitere Neuzugänge ins Auge fasst, will Schröder allerdings nicht bestätigen. „Die Kaderplanung unterliegt einem ständigen Prozess in beide Richtungen. Neuzugänge zu melden, hört sich immer attraktiver an als Abgänge zu nennen, aber wir gehen beides an“, sagt der 40-Jährige.

Maximilian Beister (hier im Duell mit Jhon Cordoba) gehört nach seiner Rückkehr aus München nicht mehr zum Profikader der 05er. Foto: Jörg SchneiderDie Kaderplanungen seien im vollen Gange. „Wir sind immer auf der Hut, arbeiten hart und sind dran. Da kann täglich was passieren“, sagt Schröder, der deswegen auch keine Angaben dazu machen will, ob sich bis zum Trainingsstart noch etwas tut in die eine oder andere Richtung. Dennoch sind inzwischen weitere Entscheidungen gefallen. Maximilian Beister gehört nach seiner Rückkehr vom Ausleihjahr bei 1860 München nicht mehr zum Profikader. Der Außenstürmer, der im vergangenen Sommer ablösefrei vom Hamburger SV gekommen war und im Laufe der Saison zu den Münchner Löwen gewechselt war, wird künftig sein Profitraining mit der U23 absolvieren. Es sei denn, der 25-Jährige entschließt sich noch zu einem Wechsel. Beister sollen Angebote von deutschen Zweitligisten vorliegen. Ähnliches gilt auch für Todor Nedelew. Der Bulgare war im Laufe der Saison an seinen Ex-Klub in Plowdiw ausgeliehen worden und wird ebenfalls mit dem Drittliga-Team trainieren. Niki Zimling, der sich gegen Ende der Saison in Diensten des FSV Frankfurt einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, durchläuft derzeit die üblichen Reha-Maßnahmen, wird anschließend sein Aufbautraining kriegen und dann ebenfalls seine Arbeit im Kader der U23 aufnehmen. In Schmidts Saison-Planungen spielt das Trio keine Rolle mehr.

„Das ist mit allen abgesprochen. Da ist niemand von den Betroffenen überrascht worden“, sagt Schröder. „Das ist ein normaler Vorgang und ein normaler Ablauf im Profigeschäft. Wir wissen, wer zu uns zurückkommt, und wir respektieren die Verträge. Wir haben bei uns aber keine unbegrenzte Anzahl an Kaderplätzen. Es ist doch klar, dass wir mit Spielern rechnen und mit manchen Spielern nicht“, so der 40-Jährige. „Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.“

Klar ist aber auch, dass Schröder dringend Gehaltsplätze im Kader freischaufeln muss, wenn die sportliche Leitung auf dem Transfermarkt das umsetzen will, was Martin Schmidt gegen Ende der abgelaufenen Saison proklamierte. „Wenn du in der Gruppenphase bist, musst du direkt an einem Europaliga-Kader schrauben. Das heißt, der Kader muss insgesamt breiter werden, vor allen Dingen qualitativ breiter. Das heißt wiederum, der Kader muss nicht um einen Perspektivspieler unten dran breiter werden, sondern um Spieler, die oben drauf kommen. Und das bedeutet, du musst überlegen, dass du auf drei, vier Positionen Spieler holst, die bereits in der Bundesliga eine Rolle gespielt und vielleicht auch internationale Erfahrungen haben. Wir brauchen dann  Verstärkungen, die auf der einen oder anderen Position auch sofort im Kader vorne dran sind“, hatte der 05-Trainer Anfang Mai erklärt, offenbar damals noch in Abstimmung mit dem damaligen Manager.

Die Frage ist jedoch, ob der Nachfolger von Christian Heidel  diese für Mainz 05 komplett revolutionäre Entwicklung tatsächlich mitgehen will. Die bisherigen Transfers des neuen Sportdirektors gehen eher in die Richtung, die bisher am Bruchweg gängige Praxis war: Entwicklungspotenzial und wirtschaftliche Machbarkeit. „Unser Kader, wie er jetzt da steht, mit allen Positionen doppelt besetzt, ist sicherlich ein herausragender Bundesligakader für uns im nächsten Jahr, weil man zusammen bleibt und vom ersten Training an schon an den Details arbeiten kann“, sagte Schmidt im Mai. Es wird spannend sein, in welchem Umfang in den kommenden Wochen die vom Trainer zusätzlich ins Gespräch gebrachten Anpassungen ausfallen. Die Transferperiode endet am 31. August, wenige Tage also nach dem Bundesligastart. Achteinhalb Wochen hat Schmidt Zeit, seinen Kader auf die neue Spielzeit und die Herausforderungen, die der erstmalige Start in der Gruppenphase der Europaliga für die 05-Profis bereithält, vorzubereiten und Verstärkungen zu finden. Ein Hauptthema dürfte dabei zweifellos die Suche nach einem Ersatz für den zu Bayer Leverkusen gewechselten Kapitän Baumgartlinger im defensiven Mittelfeld sein.

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